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Artikel 91 für Ausgabe 22/2013 der Kahlaer Nachrichten - Das Rittergut Holzdorf bei Weimar:

Etwa in der Mitte der kleinen Eisenbahnstrecke von Weimar nach Kranichfeld liegt Holzdorf. Bis vor kurzem war das im Ort befindliche Ritter- oder Landgut mit seinem großen Landschaftspark relativ unbekannt.
Das Herrenhaus auf dem Rittergut Holzdorf bei Weimar.
Bereits im Jahre 1271 - noch unter dem Namen Halsdorf - gibt es erste Aufzeichnungen vom Ort. Hauptsächlich wurde damals Schafzucht betrieben. Später war das Gut zeitweise dem Verfall preisgegeben, danach bewirtschaftete es die Familie Weitzenberg, direkte Nachfahren des Malers Lucas Cranach d. Ä.
Nach weiterem mehrmaligem Eigentümerwechsel übernahm im Jahre 1917 Dr. Otto Krebs aus Mannheim das Anwesen.
Dieser wohlhabende neue Besitzer war Geschäftsführer einer großen Heizkesselfirma.
Ihm sind tief greifende Veränderungen der Baulichkeiten zu verdanken. Es entstand eine für die Zeit viel beachtete hochmoderne, technisierte und damit guten Gewinn abwerfende Landwirtschaftsproduktion. Das Herrenhaus nutzte der neue Besitzer nur als Sommerfrische, es sollte aber höchsten Ansprüchen genügen. So ist das gesamte Haus mit geschnitzten Holzschindeln verkleidet worden.
Blick auf das Rittergut Holzdorf - Parkseite.
Auch die Erker und der Säulenportikus weisen bereits auf ein repräsentatives Herrenhaus hin.
Doch erst beim Betreten des Hauses erkennt der Besucher schon in der Eingangshalle die volle Pracht der Innenausstattung. Eine großzügige Treppenanlage führt in die oberen Räume.
Im Erdgeschoß befindet sich rechterhand das Lederzimmer mit einer kleinen Hauskapelle.
Rittergut Holzdorf Vertaefelung ehem. Hauskapelle
Kassettendecken, Stuckarbeiten und Schnitzereien zieren die Räume.
Auf der östlichen Seite des Hauses liegt das Gobelinzimmer. Hier hängen Kopien flämischer Wandteppiche mit Szenen aus der Sagenwelt der Antike.
In einem weiteren Raum befand sich die Bibliothek. Im Musikzimmer wurde zu Zeiten von Dr. Krebs auch Musik gepflegt. Die Wände der Zimmer zierten vor allem Bilder.
Gobelin Gut Holzdorf

Dr. Krebs hatte eine heute unschätzbar wertvolle Kunstsammlung zusammengetragen. Sie umfasste allein etwa einhundert Gemälde und sowie Skulpturen von Künstlern des französischen und teilweise deutschen Impressionismus und Neoimpressionismus. Doch auch Porzellane, Teppiche und Fayencen sowie kostbare Schnitzereien zierten die Räume des Rittergutes.
Namhafte Künstler sind nachgewiesen, so u. a. für die Gemälde Courbet, Renoir, Gauguin, Manet, Renoir, van Gogh und Picasso sowie für die Skulpturen Rodin, Degas und Maillol.
Skulptur Gut Holzdorf
Die Bildersammlung galt nach dem Kriege als verloren, wurde jedoch in den letzten Jahren fast vollständig in der Petersburger Eremitage wiederentdeckt. Die meisten Skulpturen sind in Deutschland weit verstreut zum Teil wieder aufgefunden worden.
Vor dem Tode von Dr. Krebs im Jahre 1941 war von ihm testamentarisch verfügt worden, die Kunstsammlung in eine Stiftung zu überführen. Das war während des 2. Weltkrieges aus Sicherheitsgründen nicht möglich geworden.
Nach dem Kriege spricht man von einem „Krimi“ hinsichtlich des Verbleibes der Kunstsammlung.
Versuche der Umlagerungen aus dem nun von Offizieren der Sowjetischen Streitkräfte beanspruchten Areal waren vergebens. Im Jahre 1949 wurde die Privatsammlung dann (heute nachweislich) nach St. Petersburg gebracht.

Seit März des Jahres 2012 wird in Räumen des Herrenhauses eine Ausstellung verschiedener Repliken der Sammlung, d. h. originalgetreuer Kopien, gezeigt. Diese wurden von Petersburger Künstlern und Studenten angefertigt und können zu speziellen Öffnungszeiten besichtigt werden.
Besonders erwähnenswert ist aber auch der an das Landgut angrenzende durch den Heidelberger Architekten Wirtz planvoll angelegte Park. In ihm waren die großen Skulpturen untergebracht. Zwei davon findet man noch am Parkteich.
Parkteich Gut Holzdorf
Wunderbar eingefügt in die Parklandschaft ist auch eine künstliche Felslandschaft aus Travertinblöcken.
Der Gartenbereich beherbergt des weiteren Rondelle, einen Begoniengarten und einen Pavillon in Sichtweite des Herrenhauses.
Park Holzdorf bei Weimar
Heute wird das Rittergut und der Park durch die Diakonie GmbH bewirtschaftet und wurde bereits weitgehend saniert.
Ein kleines Cafe lädt zum Verweilen ein.
Vor einem Besuch sollte man sich mit dem Besitzer verständigen, zu welchem Zeitpunkt eine Innenbesichtigung des Herrenhauses möglich ist.
Der Park ist jederzeit begehbar.

Heinz Arlitt
Heimatgesellschaft

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