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Das Lexikon der Stadtgeschichte Kahla:



Auf den folgenden Seiten erhalten sie Informationen zu Stadtgeschichte von Kahla.
Wir danken dem Stadtchronist Heinz Berger für die Bereitstellung von Text und Bildmaterial. Alle Schwerpunkte sind alphabetisch geordnet.

A Armenhaus
B Badestube, Brände, Brauerwesen, Brücken, Burg
D Diakonat, Dohlenstein, Druckerei
E Eisenbahn, Einquartierung
F Feuerwehr, Fischerei, Flößerei, Friedhöfe, Fronfeste, Fürsorge
G Galgen, Gaswerk, Geldinstitute, Geleitwesen, Gerechtsname, Gründung
H Herren, Hospital/Siechenhaus
I Innung
J Jagdwesen
K Kirche
L Leuchtenburg
M Markt, Münzwesen
N Nieder-Kahla, Nikolauskapelle
P Pfarrei, Plünderungen, Porzellan, Post
R Rathaus
S Saaletalsperre, Saalewehr, Schulen, Schützengilde, Siegel, Stadtbefestigung, Stadttore
V Vereine, Verfassung
W Wasserwesen, Wehrleiter
Z Ziegeleien


Armenhaus:

Am 6. Juni 1796 wird unter reger Beteiligung der Bürgerschaft, des Rates und des Amtes sowie der Geistlichen in feierlicher Form der Grundstein für ein Armenhaus gelegt. Der Bau erfolgt unter der Leitung des Maurermeisters Johann Christian Daut. Die Baukosten betragen 9.677 rl (Rheinländer) 6 gr (Groschen) und 7 Pfennige.
Am 31. August 1819 wird das Armenhaus geschlossen. Die 29 Insassen werden anderweitig untergebracht. Teils in Altenburg, aber die meisten kommen auf die Leuchtenburg.
Am 8. September 1833 verlegt der Kaufmann Christian Eckert die von Ihm gegründete Herzog-Josef-Schule in das von Ihm erworbene Gebäude des ehemaligen Armenhauses.

Badestube:

1471 wird die Badestube in Kahla erstmals erwähnt.
1532 im Hospital (Kahla hatte im Verlaufe der Stadtgeschichte drei Hospitäler) wird eine neue Badestube eingerichtet. Die Badestube stand etwa dort, wo das Gasthaus "Stern" steht.
1563
Saalebrücke um 1563
Die Saalebrücke um 1563.
1587 kauft der Stadtknecht die alte Badestube.
1640 ruinieren die Schweden die Badestube.
1642 Die neu eingerichtete Badestube wird an Michel Hirsch und Georg Heimich Hirsch verpachtet.
1702 Martin Zacharias Billmann wird als Bader und Stadtchirurg ernannt.
1724 Verkauft der Rat die Badestube an Michel Daniel Lange für 350 Gulden.
1738 Misshelligkeiten im Stadtrat. Am 22. Februar wendet sich ein großer Teil der Bürgerschaft an den Herzog.
In der Folge werden Michael Daniel Lange und Christian Phillipp Grödel wegen unehrlichen Handelns aus dem Rat ausgeschlossen. Lange hat die Baderei an sich gezogen und ein Gerberhaus aus ihr gemacht.

Brände:

1345 Die Erfurter stürmen die Burg und die Stadt. Sie brennen alles nieder. Die Stadt musste völlig neu aufgebaut werden.
Am 6. Oktober 1410 Großbrand in Kahla. Die Häuser von der Roßgasse bis zum Jenaischen Tor nebst dem Mittelring und alle Gebäude auf dem Markt fallen dem Feuer zum Opfer. Der Brand entstand abends gegen 17.00 Uhr im Gerberhaus neben der Tuchmacherfärberei.
1700 am 28. Oktober brennen am Oberen Tor 30 Scheunen ab.
1742 am 10. März die ganze Hofstatt sowie noch zwei andere Wohnhäuser neben dem Rathaus gehen in Flammen auf. Dabei kamen drei Personen im Feuer um und drei Personen retten sich durch einen Sprung aus dem Fenster.
1813 am 04. Juni entsteht um Mittemacht auf der halben Konde eine Feuersbrunst, wobei 11 mit Holz und Stroh angefüllte Scheunen niederbrannten. In Verdacht der Brandstiftung steht ein ausgebrochener Sträfling der Leuchtenburg.
1842 schafft die Stadt eine neue Feuerspritze mit Windkessel und Zubringer an.
1843 wird für den neuen Wasserzubringer der Feuerspritze für 87 Taler und 11 Groschen ein Transportwagen angeschafft. Ebenso eine Maschine zur Rettung von Menschen aus brennenden Gebäuden
1859 am 05. August brennen die Häuser des Böttchers Wilhelm Meinhold, des Schuhmachers Ernst Schilling, des Gastwirtes Ludwig Messer, der Altenburger Hof, des Bäckers Karl Wagner und Schnittwarenhändlers Friedrich Fischer zwischen der Superindentur und Saaltort, trotz des Eingreifens von 48 Feuerspritzen völlig ab.
1860 am 09. September Großfeuer in der Margarethenstraße und an der Marktecke. Dabei wurden sechs Häuser ein Raub der Flammen.
Brand am Marktplatz 1892
Brand am Marktplatz 1892.
1898 am 28. November brennen auf der halben Konde 10 Scheunen nieder.
1907 am 22. Januar großer Brand in der Wiesenmühle des Porzellanwerkes.
1908 am 28. September brennen die Härtelmühle und das Eisenhändler Müllersche Haus ab.
Brand in der Jenaischen Straße am 28. September 1908
Brand in der Jenaischen Straße am 28. September 1908.
1892 am 21./22. August großes Schadenfeuer auf der Nordseite des Marktes. Sechs Wohnhäuser fallen den Flammen zum Opfer. Das Rathaus konnte noch gerettet werden.
1910 am 26. Februar brennen in der unteren Scheunengasse 2 Scheunen ab.
(Scheugasse) Scheunenbrand in der Rudolstädter Straße im Jahre 1913
Großer Scheunenbrand in der Rudolstädter Straße im Jahre 1913.
Vier Scheunen sind völlig abgebrannt.
Am 24. Oktober brennen in der mittleren Scheunengasse mehrere Scheunen nieder.
1913 am 30. August Brand in der Degen Brauerei.
1914 am 28. Juli brennen in der Rudolstädter Straße eine große Anzahl Scheunen ab.
1927 am 18. März brennt der Rosengarten völlig ab.
1948 am 23. Februar war ein Großbrand in der Oberen Fabrik.

Brauwesen:

1533 wird dem Pfarrer von Kahla erlaubt, seinen Bierbedarf im Pfarrhof (Landwirtschaft) mit eigenen Geräten zu Brauen.
1534 wird der Burgkeller (an der Jenaischen Straße) in den Felsen gehauen.
1640, am 24. September führt der Stadtrat für den Bierschank und für Getreide neue Maße ein.
1646, am 7. August beschließt der Rat, dass der Brunnen ins Brauhaus geleitet wird. Bisher hat man das Wasser zum Brauen aus dem Oberbach genommen.
1709 stellen die Löbschützer wiederholt den Antrag, im Kahlaer Brauhaus Bier brauen zu dürfen. Aber wieder vergeblich.
1718, am 09. Juni große Bierschlacht in Großeutersdorf. Der dortige Wirt Johann Nikolaus Dreßler schenkt Orlamündisches Bier aus. Der Kahlaer Rat fällt daraufhin mit der ganzen Bürgerschaft in Eutersdorf ein, um das Bier zu holen. Darauf lässt Landrichter Georg Franz Valentin auf den Amtsdörfern Sturm läuten. Die ländlichen Einwohner sowie die Bürger aus Orlamünde stellen sich den Kahlaern entgegen. Es kommt dabei zu großem Blutvergießen. Landrichter Valentin verliert in den folgenden Prozessen sein ganzes Vermögen.
1739/40 Der Wirt im "Burgkeller" schenkt "Boyhan" (es ist süßlich-säuerliches in Norddeutschland 1526 gebrautes Weißbier) aus, weil es an Bier mangelt. Darüber herrschte großer Krach- und Tumult in der Stadt Kahla
1794, am 26. September bitten die Schützen um Überlassung eines Brauloses. Die Bürgerversammlung genehmigte dies mit 122 gegen 11 Stimmen.
1808 wurde festgestellt, dass seit 1788, also in 20 Jahren in Kahla, 2997 Gebräude Bier zu je 25 hl gebraut und auch getrunken wurden. Bei 2000 Einwohnern kommen im Jahr 187 Liter pro Einwohner.
1858, am 24. November setzt der Stadtrat den Bierpreis auf 1 Groschen für die Kanne und für das Seidel auf 7 Pfennige und für 3 Seidel auf 2 Groschen fest.
1876 wird das alte Brauhaus in der Rittergasse (heute Roßstraße 21) von der Stadt verkauft.
1885, am 31. Dezember ergibt eine Zählung, dass die Stadt in 342 Gebräuden, 855.000 Liter Bier gebraut und 82.843 Liter fremdes Bier ausgeschenkt hat. An Braugebühren wurden 2930,69 Mark gezahlt. Pro Kopf der 3325 Einwohner kommen 282 Liter.
1899 hat die Kommunenbrauerei 117 1/2 Gebräu 293.750 Liter Bier gebraut. Im Ganzen sind 1.195.290 Liter Einfach- und Lagerbier getrunken und versteuert worden. Damit haben die Einwohner der Stadt rund 3.000.000 Mark in Bier angelegt.
Außer der Stadtbrauerei gab es in Kahla noch die "Degenbrauerei" am Grabenweg Nr  5.
Sie wurde 1891 als '"Fürstenkeller-Brauerei" von Friedrich Degen gegründet. Schon 1885 hatte Degen in der Parnitz einen Eisteich angelegt (Degens Teich) um im Sommer genügend Eis zu haben.
Saalebrücke
1913 brannte es in der Degenbrauerei. Sie wurde 1938 stillgelegt und 1939 an die Stadt verkauft, die sie abreißen ließ. Das Wasserrad war noch Jahrzehnte zu sehen. Die dritte Brauerei in Kahla war die Brauerei Nicolaus Schönmann in Löbschütz, die 1917 in Betrieb genommen wurde. Diese Brauerei hat sich nicht lange halten können. Sie ist in den 20iger Jahren stillgelegt worden.

Brücken:

1365 wird die Kahlaer Brücke zum ersten Mal erwähnt.
1487 werden auf der Brücke zwei Opferstöcke gestellt.
1533 Das Dach der Brücke wird erneuert und mit 500 Schindeln eingedeckt.
1537 wird das Geländer auf der hölzernen Saalebrücke erneuert.
1540 werden 3 Tagelang an der Lachenbrücke Pfähle in "Jochen" eingeschlagen.
1557 erleidet die Brücke durch ein großes Hochwasser beträchtlichen Schaden. Die Flößer wurden gewarnt. Die Reparatur der Brücke erforderte 48 Eichen und 12 Saalbäume.
1558/59 kosten die Brückenreparaturen 119 Gulden und 8 Groschen. Der Bürgermeister erhält für die Aufsicht 20 Taler.
1561 am 9. Februar verleiht der Herzog das Recht auf Brückenzoll. Die Stadt darf von jedem Floß 2 Groschen erheben.
1563 Die Saalebrücke erhält 3 neue Schwibbogen. Sie ist nun völlig aus Stein, 250 Schnitte lang und ruht auf 16 Bogen.
1575 reißt sich die Brücke durch ein großes Hochwasser los. Die Brückenreparatur kostete 134 Gulden.
1618 richtet großer Eisgang großen Schaden an der Brücke an. Die Reparatur fordert 117 Gulden.
1836 im Dezember reißen die Schweden große Teile der Brücke ein und verbrennen sie. Das Brückenschiff löste sich los und verschwand in den Fluten.
1640 sprengen die Schweden erneut die Saalebrücken. Der Rat lässt den von den Schweden zerstörten Schwibbogen nur so breit wieder herstellen, dass ein Karren darüber fahren kann. Bei weiterer Kriegsgefahr soll das aufgelegte Stück wieder abgetragen werden.
1667 große Brückenreparatur wird vom Maurermeister Georg Pfaffendorf ausgeführt. Es werden u. a. 12 Eisbäume gelegt. Aufwand 728 Gulden.
1676 Im Frühjahr schwemmt an der Brücke so viel Bauholz an, dass zwei Pferde sieben Tagelang mit dem Abschleifen zu tun haben. Das Holz wird für 81 Gulden verkauft. Das durchgegangene Brückenschiff wurde in Burgau angehalten.
Im Januar 1760 Hochwasser und starker Eisgang. An der Saalebrücke reißen die Fluten 5 Pfeiler weg, zerbrechen einige Eisbäume und richten auch sonst noch großen Schaden an.
1820, am 18. Januar tritt die Saale mit schweren Eisgang über die Ufer und beschädigt beträchtlich die Brücke. Zwei Bogen und zwei Pfeiler müssen erneuert werden.
1847 wird mit der Verbreiterung der Saalebrücke begonnen.
1892, am 18. Oktober wird der eiserne Bogen der Brücke fertig gestellt. Am 4. November Abnahme der neuen Brücke. Sie wird mit 64.600 kg Eisenbahnschienen belastet und senkt sich aber nur um 2,2 mm. Lieferant des Werkes die Firma Laucliliammer. Kosten: 15.775 Mark. Auch über die Lachenbrücke wird ebenfalls eine Stahlkonstruktion errichtet.
1935 wird die Brücke wegen des stark zunehmenden Verkehrs verbreitert.
1945 wurde die Brücke am 12. April kurz nach 9.00 Uhr durch einen deutschen Pioniertrupp in die Luft gejagt.
1946 Die Brücke wird wieder aufgebaut. Kosten 120.000 Mark. Die Stadt zahlte 50.000 RM und vom Kreisrat wurden 70.000 RM zugesteuert.
1999 wird die Brücke abermals abgerissen und neu gebaut.
2001 wieder in Betrieb genommen.

Die Burg:

630 König Dagobert bestimmt Radolf zum Herzog von Thüringen. Dieser erhält den Auftrag, die Saale als Grenze zu den Slaven zu befestigen.
Die Burg in der Stadt, mit Stadtmauer
631 Er gründete die Burg Rudolstadt, Kahla und eine Kette von Burgen am linken Saaleufer.
860 besteht eine kleine christliche Gemeinde. Sie verfügt über Ackerland (Burggut) eine Burgkapelle und einen Kaplan.
876 bestätigt Kaiser Ludwig in der Reichsversammlung zu Ingelheim dem Kloster Fulda den Zehnten (die Zehntabgabe als Abgabe an die Geistlichen) in Calo.
1340 Graf Günther XVIII. von Schwarzburg, der bisher in der Burg Calo gewohnt hat, geht zur Leuchtenburg.
1341 Graf Günther XVIII. lässt die Mauern der Stadt verstärken.
1345 am 3. Mai stürmen die Erfurter die Stadt Kahla mit der Burg. Sie brennen alles restlos nieder. Die Stadt wird neu aufgebaut, die Burg aber nicht.

Diakonat:

1512 besitzt die Stadt ein Diakonat und ein Schulhaus auf der Burg. 1696 wird in der Burg das Diakonat erbaut. Vermutlich in Ranisschem Haus.
1742 wird das Subdiakonat gegründet. Das Patronat steht dem Stadtrat zu. Erster Subdiakonus ist Karl-Jakob Günther. Er wird 1745 seinem Vater, dem Superintendent Johann Kaspar Günther, als Vize-Adjunkt beigegeben.
1859 stürzt das alte Diakonat in der Burg teilweise ein.
1860 wird von der Kirche das Haus Rudolf Lange in der Salzstraße (heute Breitscheidstraße) gekauft und als Diakonat eingerichtet. Kaufpreis war 2.600 Taler.

Dohlenstein:

1350 Handzeichnung des so genannten Dohlensteins von der westlichen Seite
Handzeichnung des so genannten Dohlensteins von der westlichen Seite.

Am 21. März bestätigt Graf Günther XVIII. von Schwarzenberg die Schenkung eines Weinberges am Dohlenstein an den Altar St. Erhard, der 1000 Ritter und der St. Maria Magdalena in der Stadtkirche. Einsturz des Dohlensteins
1780 am 3. - 4. Juli Einsturz des Dohlensteins. Der westliche Gipfel stürzt zu Tal und drängt die Saale aus ihrem Bett.
1828 am 11. Februar erneut Einsturz des Dohlensteins. Der Berg schiebt seine Schutt und Felsmassen ins Saaletal. Der Fluss ergießt sich über die Wiesen und richtet großen Schaden an. Die Saale sucht sich dort ein neues Bett
1841 brechen die Arbeitslosen auf der Höhe des Dohlensteins Steine, die zum Brückenbau verwendet werden.
1880 am 06. Januar Einsturz des Dohlensteins. In der Saale bildet sich eine Insel.

Druckerei:

1729 am 03. April wird die Buchdruckerei von Roda nach Kahla verlegt. Erster Buchdrucker in Kahla war Johann Paul Titto.
1750 kauft Martin Grünewald die Druckerei von Titto, die aber schon wieder auf den Buchdrucker Schreiber übergegangen war.
1872 am 24. März wurde Buchdrucker Johann Andreas Christian Beck in Barby geboren.
1786 in der Druckerei von Grünwald wird das Realrepertorium sämtlicher Landesgesetze des Fürstentums Altenburg gedruckt. Das umfassende Werk enthält 807 Quartseiten
1787 in der Grünewaldschen Druckerei wird eine Zeitung mit dem Titel ""Kahlaische Wöchentliche Unterhaltungen zum Nutzen und Zeitvertreib für die Bürger und Landmann" gedruckt.
1799 geben Steuereinnehmer und Leutnant Ernst-August-Ludwig von Teubern sowie Rektor Rost die Thüringer Stadt- und Landzeitung heraus. Später wird das Blatt "Gemeinnützige Stadt- und Landzeitung" genannt. Sie wird nach einigen Jahren wieder eingestellt.
1800 kauft Dr. Mehlis die Buchdruckerei von Heinrich August Jakob Grünewald.
1802 Dr. Mehlis verkauft die Buchdruckerei an den Buchdrucker Wirth.
1810 kauft Buchdrucker Andreas Johann Christian Beck von Dr. Zink die hiesige Druckerei.
1812 am 01. Januar wird von Andreas Beck die erste Nummer vom Kahlaer Tageblatt herausgegeben, wird aber untersagt, weil die Herzogliche Landesregierung unter der "Napoleonischen Wirtschaft Bedenken trägt, die fernere Herausgabe zu gestatten "
1814 am 16. April erstes Wiedererscheinen des "Kahlaischen Nachrichtsblatt"
1847 am 03. April erscheint das Beck'sche "Nachrichtsblatt" auch für Roda (Stadtroda). Es nennt sich nunmehr "Cahla-Rodaisches Nachrichtsblatt".
1866 erscheint das "Nachrichtsblatt" nur noch für Kahla, und zwar wöchentlich zweimal im vergrößerten Format.
1871 am 04. Juli gehen Druck und Verlag des "Nachrichtsblatt" an Johann Beck über.
1882 am 25. Juni erscheint die 1877 in Orlamünde herausgegebene Zeitung "Thüringer Nachrichten" des Franz Heyl nunmehr in Kahla.
1897 erscheint das "Kahlaer Nachrichtsblatt" als Tageblatt.
1902 am 01. Juni feiert Buchdruckereibesitzer Franz Heyl das 25jährige Erscheinen der "Thüringer Nachrichten" 1914, am 14. April feiert der Buch- und Zeitungsverlag J. Beck sowie das "Kahlaer Tageblatt" das 100jährige Bestehen. Der Verlag gibt eine besondere Denkschrift heraus.

Eisenbahn:

1846 am 09. Dezember. Die Thüringische Eisenbahn eröffnet den Betrieb von Weißenfels bis Weimar.
Eine Lokomotive mit dem Namen "Thüringen", von Borsig in Berlin gebaut, fährt den ersten Zug. Sie kostet 43.167,- Mark.
1851 am 26. Oktober bildet sich in Jena ein Komitee mit dem Ziel, eine Eisenbahn durch das Saaletal zu führen.
1864 am 09. November, in Kahla wird der Eisenbahnbau durch das Saaletal beraten.
1866 am 25. Februar, die technischen Vorarbeiten für den Saalebahnbau sind zu Ende geführt. Es ist geplant, an der Griesspitze die Bahn über die Saale zu leiten. Die Kosten für 2 Gleise für den Bahnkörper sind mit 3.300.000,- Mark veranschlagt.
1869 am 21. Oktober, zwei Eisenbahnlinien werden abgesteckt. Die eine führt unter dem "Stein" vorbei, über das Weidigt, die Scheffeläcker, das Eichigt, das Bürgel, die Krautgärten, am Oberbach nach Müllers Berg in der Parnitz. Die andere über die Ölwiesen unter der Wiesenmühle, durch die Gärten unter den halben Konde, über die Lache, den Schweinemarkt, an den Linden vorbei, wieder über die Lache nach der Parnitz.
1870 am 26. November, nimmt Adolf Jecke Zeichnungen von Aktien für die Saalebahn entgegen.
1871 am 23. Oktober wird mit dem Bau der Saalebahn begonnen. In der Schöpser Flur beginnt der erste Spatenstich durch Oberingenieur Scalweit.
am 23. November werden beim Eisenbahnbau am Abhang des Weidichts Knochenreste Vorgeschichtlicher Tiere, Mammuts, gefunden.
Bahnhof um 1875
Bahnhof um 1875.
1872 am 25. Januar verunglückten die Arbeiter Scheibe und Adler aus Kahla. Ersterer tödlich.
1874 am 24. Januar Ein Eisenbahnprobierzug Jena-Rudolstadt mit einer Lokomotive, zwei Personenwagen sowie einige Güterwagen pfeift an der Stadt vorüber.
Niemand achtete darauf und nur ganz wenige sehen ihn, weil er nicht angemeldet war.
am 30. April. Der erste reguläre Eisenbahnzug mit fünf Wagen kommt festlich geschmückt früh von Großheringen in Kahla an. Er wird mit Musik und Kanonendonner empfangen. Der Bahnhof und jedes Wärterhaus sind festlich geschmückt. Nachmittags fährt er, von Saalfeld kommend, nach Großheringen zurück.
1891 Am 04. Januar.
Einführung der Bahnsteigsperre.
1895 am 01. Oktober wird die Saalebahn von Preußen übernommen. Der Münchner "Blitzzug" wird über sie geleitet.
1900 am 10. Dezember wird Ernst Zwanziger bahnamtlicher Spediteur in Nachfolge von dem bisherigen Robert Schroth.
1911 am 25. September werden Verhandlungen für den Bahnbau Elsterberg - Kahla Blankenhain, die bereits 1904 begonnen haben, wieder aufgenommen.
1912 vom 26. zum 27. Mai (Pfingstfeiertag) wird ein verbrecherischer Anschlag auf den D-Zug Berlin-München entdeckt. Mittels eines Bremsschuhs und Anhäufung von Steinen an die Schienen am Ausgang der Kahlaer Bahnstation sollte der Zug zum Entgleisen gebracht werden. Die Eisenbahndirektion Erfurt setzt 300 Mark Belohnung aus, die später auf 500 Mark erhöht wurde.

Einquartierung:

1633 am 02. Januar Schwedische Einquartierung. 1635 Mitte Februar rücken 2 Kompanien des kursächsischen Schleinitzschen Regiments ins Saaletal ein. Eine davon nimmt Quartier in Kahla, die andere in Saalfeld.
1636 im Dezember reißen die Schweden die Brücke ein und verbrennen sie. Das Brückenschiff lösen sie los und übergeben es den Fluten. Sie verwüsten die Badestube. In der Nikolauskirche, im Hospital und in der Brückenscheune zerschlagen sie die Türen und Fenster.
1637 Am 07. Februar versucht ein kaiserliches Korps unter General Altheim in die Stadt einzubrechen, muss aber am 08. Februar vor den Bürgern und seiner schwedischen Einquartierung abziehen.
1646 Die Schweden, bestehend aus einem Regiment zu Fuß und einer Brigade zu Pferd unter Feldmarschall Wrangel, rücken, aus dem Vogtland kommend, in Thüringen ein. Kahla bleibt von Januar bis Ostern besetzt. Am 24. Februar werden von Erfurt kommende Truppen, die sich in die Stadt einquartieren wollen, mit Hilfe der Wrangelschen Soldaten abgewiesen.
1757 im April. In Löbschütz quartieren Teile des in Altenburg stehenden Regiments Erbprinz unter General Rautenkranz.
Am 15. Juni rückt Generalleutnant Graf von Oldenburg mit 3 Bataillonen zu je 1000 Mann in Kahla ein. Es werden 12-16 Tonnen Bier, sowie Fleisch mit Zugemüse verlangt. Der Graf steigt im "Goldenen Stern" (auf dem Markt) ab. Am nächsten Tag marschiert das 1. Bataillon unter Oberst Neumeister nach Orlamünde, das 2. Bataillon unter dem kommandierenden General nach Heilingen und das 3. Bataillon unter Oberstleutnant von Martwitz nach Dorndorf. Die Truppen halten gute Manneszucht.
1757 vom 06. - 08. August rücken zwei Schwadronen französischer Husaren vom Regiment "Nassau" in die Stadt ein. Am 13. September erscheinen vor der Stadt 2500 Österreichische Husaren und Kroaten. Durch Geschenke an den Kommandeur Gevewitzki gelingt es, sie vom Betreten der Stadt abzuhalten.
1761 viele Truppendurchmärsche und Einquartierungen.
1762 im März dauern die Durchmärsche und Einquartierungen an.
1763 Erneute Durchmärscheund Einquartierungen preußischer und sächsischer, polnischer und Altenburgischer Truppen.
1795 am 27. März ziehen Altenburg - Gothaer Dragoner durch die Stadt.
1805 am 11. Dezember quartiert in Kahla eine Eskadron preußischer Dragoner vom Regiment des Obristen von Voß.
Am 14. Dezember, Durchmarsch von 19.000 Mann preußischer Truppen: von Obrist von Voß Dragoner, von Plötz Husaren, von Wartensleben und von Hohenlohe Infanterien.
Am 19. Dezember rücken vom Infanterieregiment von Tschepe drei Kompanien zu je 155 Mann ein und quartieren in der Stadt.
1806 am 01. Februar verlassen die preußischen Truppen die Stadt. Einige Bürgerstöchter ziehen mit.
Am 09. Februar marschiert das Infanterieregiment von Wartensleben" welches am 4. Dezember durch Kahla marschierte, von Neustadt kommend in Kahla ein. Zwei Kompanien quartieren in der Stadt. Sie ziehen am nächsten Tag (10.02.) wieder ab.
1813 am 1. März quartieren sich etwa 100 flüchtende französische Kavalleristen ohne Pferde in Kahla ein. Sie ziehen am 16. März weiter. Am 1. April bricht in Kahla infolge der zahlreichen Truppeneinquartierungen und -durchzüge das Hospitalfieber aus. Viele Einwohner sowie 3 Ärzte sterben im Laufe des Jahres an der Krankheit. Wochenlange Durchzüge von verschiedenen Truppen durch Kahla.
Am 01. Mai von früh bis nachts ununterbrochene Durchzüge württembergischer und bayerischer Infanterie, Kavallerie, Artillerie, Munitions-, Bagage-, Heu- und Strohwagen mit Ochsenherden.
Etwa 800 Mann werden in der Stadt einquartiert.
Manches Haus ist mit 100 Mann belegt. Viele Soldaten laufen ohne Obdach und Brot auf den Straßen umher.
Am 02. Mai ziehen alle ab. Dagegen kommen gegen Mittag zwei französische Infanterie-Regimenter an. Sie betteln um Brot und kampieren auf dem Markt und in den Straßen. Nachmittags um 15.00 Uhr rücken sie wieder ab. Abends kommen wieder 8.000 Mann an. Die Nacht ist voller Lärm und Unruhe.
Angst herrscht vor Misshandlungen und Feuergefahr.
Am 03. Mai ziehen sie wieder ab. Ohne Unterbrechung folgen wieder andere französische Truppen mit einer Menge Wagen und einer Herde Ochsen. Die Behörden der Stadt verlieren allmählich den Kopf. Niemand will noch Bürgermeister oder Ratsherr sein.
Am 05. Mai kommt gegen Abend ein großer Artillerietransport von etwa 100 Pulver- und anderer Wagen durch. Sie fahren mitten durch die Stadt, um sich auf der Jenaer Landstraße aufzustellen.
Am 04. Oktober passiert das französische Reservekorps unter Augerau Kahla.
Etwa 3.000 Mann werden einquartiert.
Am 19. Oktober trifft Kahla die erste Nachricht vom Sieg der Verbündeten Armeen in Leipzig ein.
1813 am 20. Oktober, ein ungeheurer Zug österreichische Artillene und Bagage kommt von Jena her und kampiert auf den Parnitzwiesen. Außerdem biwakieren 4.000 Mann auf dem Gries, oberhalb der Brücke.
am 27. Oktober, die österreichische Artillerie zieht weiter Richtung Rudolstadt. In der Folge täglicher Durchmärsche der verbündeten Armeen, aber auch viele französische Gefangene, die auf dem Gries untergebracht werden. Viele Verwundete darunter und allerhand Tote.
am 04. November. Im Haus Nr. 66 in der Roßstraße in der Poststation. und dem Rentamt, heute Roßstraße, nimmt ein russischer Kosakengeneral mit großer Bedeckung und großem Tross Quartier.
am 05. November, Ankunft von 230 Russen. Sie halten hier einen Rasttag und reiten am 07. November Richtung Jena. Es werden wiederum 900 französische Gefangene und 700 österreichische Verwundete erwartet.
am 06. November, Österreichische Infanterie 400 Mann stark, marschiert durch,
am 08. November, die Tochter des Kosakenhetmanns Platow, von hunderten Kosaken begleitet, kommt in Kahla an. Sie nehmen beim Floßmeister Beyer Quartier.
Weitere Durchmärsche von preußischer Infanterie und Artillerie.
am 24. November Ankunft einiger Hundert französischer Gefangener.
1814 am 13. April, Ankunft eines Kuriers aus Gotha der verkündet, dass Frieden sei und Napoleon nach' der Insel EIba verbannt sei. Kreishauptmann von Schwarzenfels lässt die frohe Nachricht durch Ausrufer bekannt geben.
Überall hört man Freudenschüsse.
02. Juni. Die zurückgekehrte altenburgische Landwehr wird festlich empfangen. Rat und Amtmann Gerstenbergk, der Stadtrat, die Schützen mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel, die Jungfrauen mit Kränzen und Blumengewinden und eine große Menschenmenge begrüßen sie.
04. Juni. Kosaken kommen mit 90 zweispännigen Wagen von Ziegenruck. Sie übernachten auf dem Gries und fahren anderen Tages weiter.
09. Juni. Mit 178 Pferden kommen 91 Mann Russen und bleiben eine Nacht auf dem Gries.
11. Juni. Auf dem Gries werden für die heimkehrenden Russen zwischen den Linden Krippen und Raufen angebracht.
12. Juni. Eine russische Wagenburg, 170 Mann mit 260 Pferden, kommt durch.
17. Juni, Aus der Gefangenschaft zurückkehrend, kommen 190 Russen durch.
21. Juni. Nahezu 100 Mann Russen mit 178 Pferden rasten über Nacht auf dem Gries. Anderen Tags fahren sie nach Schweinfurth, um Lebensmittel aus dem Magazin zu holen.
1814 am 09. Juli, Gefangene, 421 polnische Offiziere, werden in der Stadt einquartiert.
10. Juli. Die Stadt wird mit etwa 1.000 Mann russischer Garde belegt.
11. Juli. General Graf Miloradowitsch mit großer Kavallerie - Kürassiere, Husaren, Gardekosaken, Jäger zu Pferd, Kosaken - durch Artillerie und ein Wagenpark, sämtlich zur Garde gehörend, gehen durch die Stadt.
12 - 19. Juli. Tägliche Durchmärsche, auch teilweise Einquartierung russischer, aus Frankreich zurückkehrender Truppen. Vom 10. bis 19. Juli sind 212 Offiziere und 33.900 Mann durchgekommen. Sie marschieren meist in der Nacht, da es am Tage zu heiß ist.
19. und 20. Juli. Durchzug preußischer Garde. Das zweite Garderegiment wird hier einquartiert.
21. Juli. Preußische Gardejäger gehen durch.
22. Juli. Durchmarsch polnischer Kavallerie in der Stärke von 6.000 Mann.
31. Juli. Bis Ende Juli sind zusammen 52.000 Mann durch die Stadt gekommen, das russische Korps Graf Miloradowitsch allein in einer Zahl von 35.000 Mann.
07. August. Rückkehr und Empfang der altenburgischen Linientruppen. Sie werden vom Kreishauptmann von Schwarzenfels und Amtmann Gerstenbergk, sowie von den Schützen und 24 der achtbarsten Jungfrauen, die in weiß gekleidet sind, auf der breiten Gasse eingeholt. Dem Führer der Truppe, Förster, überreichen die Jungfrauen einen Lorbeerkranz und ein Gedicht. Eine Ehrenpforte ist am oberen Tor errichtet. Mit klingendem Spiel ziehen die Soldaten durch die Stadt auf den Markt. Hier allgemeiner Jubel und rührende Szenen des Wiedersehens. Die Krieger werden einquartiert.
09. August. Das Altenburgische Bataillon marschiert weiter gen Altenburg.
1815 am 09. Juni kommen 500 Kosaken durch, werden hier und in Orlamünde einquartiert und reiten anderen Tags nach Rudolstadt. "
18. Juni Schlacht bei Waterloo. Ende der napoleonischen Herrschaft. Napoleon wird von den Engländem nach St. Helena gebracht.
19. Juni. Kahla feiert ein Fest, welches alle bisherigen Feiern in den Schatten stellt.
09. Dezember. Das altenburgische Landwehr-Bataillon, aus Frankreich zurückkehrend, kommt an. Feierliche Begrüßung durch Rat Gerstenbergk und das erste Fähnlein des hiesigen Landsturms unter Feldhauptmann Hocker.
Die Krieger werden einquartiert. Anderen Tags marschieren sie nach Altenburg weiter.
1848 am 13. Oktober Amtmann Schadewitz versammelt die Bürger auf dem Gries. Er mahnt zu Ruhe und Ordnung, stellt aber auch militärische Besetzung der Stadt in nahe Aussicht.
14. Oktober. Nachmittag 2 Uhr rücken von Seitenroda, den Berg herunter kommend, Soldaten ein. Das preußische Bataillon, 17 Offiziere, 696 Mann und 3 Pferde, mit geladenem Gewehr, bald zu 5, bald zu 3, 2, 6, 4 und 8 Mann im Glied marschierend, besetzt in einer unheimlichen Stille den Markt. Die Fahne ist eingerollt. Weder Musik noch Trommelschlag lässt sich hören. Offiziere und Mannschaften geben sich, als seien sie in Feindesland.
Der Gasthof "Zum Stern" wird Hauptwache, die Kleinkinderbewahranstalt Lazarett. Die Einquartierung ist hart, wird aber von den Bürgern freundlich angenommen.
02. November. Die sächsischen Truppen verlassen die Stadt.
10. November. Das 2. Hannoversche Infanterie-Regiment unter Oberstleutnant Schneider, 20 Offiziere, 698 Mann, 46 Pferde, rücken ein.
1849 am 02. Februar bis zum 08. März, wird die 4. Kompanie des 1. Sachsischen Schützen-Bataillons - 6 Offiziere, 167 Mann, einquartiert.
21. März - 30 Mai. Die 6. Kompanie des 31. preußischen Infanterie-Regiments hält die Stadt besetzt Sie besteht aus 3 Offizieren und 168 Mann 05f.
September. Mit voller Feldmusik rücken die beiden Altenburger Bataillone in der Stadt ein um in der nächsten Umgebung militärische Übungen abzuhalten.
02. Oktober. Das Militär verlässt die Stadt und deren Umgebung. Obrist von Diedrichs dankt der Bevölkerung für die freundliche Aufnahme der Truppen. Kreisamt und Stadtrat danken den Soldaten, Offizieren wie Mannschaften für die musterhafte Führung.
1874 15. August Einquartierung seitens des Infanterie-Regiments 96f.
Die Regimentsmusik gibt ein Konzert auf dem Gries. Die Offiziere werden vom Herzog auf die Leuchtenburg geladen.
1891 im Juli. Vom Generalstab quartieren 53 Offiziere, 90 Unteroffiziere und Gemeine mit 90 Pferden in der Stadt.
1913 am 20. Juni Die Stadt hat Einquartierung durch Offiziere und Mannschaften in Stärke von 50 Mann und 30 Pferden.

Feuerwehr

1861 im September befasste sich der Stadtrat von Kahla mit der Organisierung einer Stadtfeuerwehr.
1862, am 10. November Gründungstag einer Freiwilligen Feuerwehr in Kahla, Kommandant war Advokat R., Matthiä und dessen Stellvertreter Stadt-Schultheiß Pleißner. Jedes aktive Mitglied des Turnvereins war verpflichtet, tätiges Mitglied der Feuerwehr zu sein und bei Feueralarm in Turnkleidung sofort vor der Wohnung des Kommandanten zu erscheinen, Sogleich nach Bildung der Turnerfeuerwehr wurde die Bedienung der Feuerspritzen eingeübt und aus ihrer Mitte bildeten Sie eine Steigerrotte. In den ersten Jahren ersetzten gleichmäßige blaue Blusen die fehlende Uniform.
1874 errichtete Zimmermeister Lippisch auf den Grieseinen Steigerturm.
1893 wurde auf Anregung der Kahlaer Feuerwehr ein Verband der Feuerwehren des Saale- Orlagau gebildet.
1898 gehörten der Wehr 101 Männer an. In dieser Zeit wurden der Chor, eine Feuerwehrkapelle und ein Sanitätszug gebildet.
1899 Die eifrigsten Feuerwehrmänner waren der Obersteiger - Balduin-Grund und der Spritzenführer Arthur Stockmann, einer der Vertrauten von 1874. In Anerkennung ihrer Verdienste wurde in der Generalversammlung vom 14. Oktober 1899 Grund zum Hauptmann und Stockmann zum Adjutanten ernannt. Auf der gleichen Versammlung wurde beschlossen, Generaldirektor Bünzli die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen.
1912, am 17./18. August wurde das 50jährige Bestehen der Kahlaer Wehr gefeiert. Gleichzeitig fand der 29. Abgeordnetentag der Sachsen/Altenburger Feuerwehren statt, der mit einem großen Umzug durch Kahlas Straßen beendet wurde, Treffpunkt zu Appellen war meist das Rathaus oder das Spritzenhaus, welches sich in der Hofstatt befand.
Feuerwehrumzug anlässlich des 29. Abgeordnetentages
Feuerwehrumzug anlässlich des 29. Abgeordnetentages.
1914 wurde das Spritzenhaus hinter der alten Schule gegenüber der Kirche verlegt.
1914/18 Beide Weltkriege forderten Opfer.
1926 schaffte sich die Kahlaer Wehr eine Motorspritze an und ein Löschfahrzeug LF 10 mit 1000 l/min Pumpenleistung.
Kahlaer Jugendfeuerwehr um 1920
Kahlaer Jugendfeuerwehr um 1920.
1938/45 Im 1. Weltkrieg mussten 14 Kameraden und im 2, Weltkrieg 17 Kameraden ihr Leben lassen.

Fast alle aktiven Feuerwehrleute waren eingezogen. Man musste auf Jugendliche und ältere Männer bis 60 Jahre zurückgreifen. Im ersten Weltkrieg gab es die erste Frauengruppe.
1943 wurde aus der stillgelegten Degenbrauerei ein Gerätehaus bzw. Depot mit mehreren Garagen, Schulungsraum und Wohnungen ausgebaut.
1945 - 1951 gab es mehrere große Brände in Kahla, bei denen es auch einen Toten und Verletzte aus der Bevölkerung gab.
1948 wird die Feuerwehr dem Land Thüringen unterstellt. Der Wehrleiter nannte sich Kommandostellenleiter. Neue Löschfahrzeuge erhielt die Kahlaer Wehr in diesen Zeitraum zur Verfügung gestellt.
1956 wurde die Feuerwehr wieder den Städten und Gemeinden unterstellt.
1962 wurde das 100jährige Jubiläum begangen, 1963 wurde eine Frauengruppe gebildet.
1986 wurde die Wehr mit einen Tank-Löschfahrzeug TLF 16W50 ausgerüstet.
1992 Die Feuerwehr zieht um, Neuer Stützpunkt wird das ehemalige Gelände der alten Porzellanfabrik an der Bahnhofstraße.

Wehrleiter der Kahlaer Feuerwehr:

1860 - 1862 1. Kommandant der Turnfeuerwehr Advokat "Rudolf Matthiä"
1862 - 1885 Bürgermeister Advokat "Ernst Doll".
Inspektoren: Ratsassessor "Herold Advokat Matthia" Zimmermeister "Rohr"
1885 - 1899 Kommando der gesamtstädtischen Feuerwehr Generaldirektor "Bunzli".
1885 - 1896 Kommandant Schuhwarenfabrikant "Hermann Kaiser".
1896 - 1899 Kommandant Zimmermeister "Hermann Undeutsch".
1899 - 1910 Ortsbrandmeister Kommando der gesamtstädtischen Feuerwehr Zimmermeister "Hermann Undeutsch".
1910 - 1915 Ortsbrandmeister Kommando der gesamtstädtischen Feuerwehr Porzellanmaler "Balduin Grund".
1915 - 1917 Hauptmann der Feuerwehr Bezirksbrandmeister Kommandant Stadtbaumeister "Albert Meyer Grund" (zeitweilig eingezogen).
1917 - 1919 Expeditient "Moritz Wiesner Meyer" (zeitweilig eingezogen).
1919 - 1932 Kommandant Porzellanmaler "Balduin Grund" Bezirksbrandmeister.
ab 1924 Oberbrandmeister
1932 - 1934 Wehrführer Baumeister "Heinrich Grafe".
1934 - 1951 Wehrführer Sattlermeister "Franz Rausch".
1958 - 1983 Bezirksbrandmeister Wehrleiter "Gerhard Müller".
1983 - 1988 Brandinspektor Wehrleiter "Wolfgang Danzer".
1988 - 2012 Brandinspektor Wehrführer "Brunhilde Reich" Oberbrandmeister.
2012 - 2016 Stadtbrandmeister "Ralf Sommer".
seit 2016 Stadtbrandmeister "Frank Lötel".

Fischerei:

Fischfang Der Fischfang ist eine uralte Tätigkeit des Menschen. Das Fischefangen (mittelhochdeutsch vischen) wird bereits im 9. Jh. erwähnt. Fische waren ein wichtiges Nahrungsmittel im Altertum uns sind es noch heute. Das war auch ein Grund, dass menschliche Siedlungen und später Städte an einem Fluß angelegt wurden. So auch Kahla an der Saale.
In mittelhochdeutsch nannte man ein fließendes Gewässer "Vluz". Praktisch gesehen waren Flüsse für die Menschen:
Wasserversorgung, Nahrungsquelle, Grenze, Transportgelegenheit für Flöße, Schiffe u. s. w.
Der Fischer
1483 am 14. November gab es in Kahla ein Receß des Kurfürsten Ernst in der Streitsache derer von Weißenbach auf Altenberge mit dem Rat zu Kahla u. a. wegen des Fischwassers 1516 Hans Puster wird mit einem halben Freihaus in Kahla und einem Fischwasser belohnt.
1584 Der Rat der Stadt Kahla erlässt eine Fischordnung.
1595 Die Regierung in Weimar fügt, dass die Bürger Kahlas täglich fischen. Der Rat lässt ein Edikt am Rathaus anbringen mit dem Hinweis, dass nach dem Herkommen und gemäß der Landesordnung wöchentlich nur an zwei Tagen gefischt werden darf.
1608 am 29. September kauft die Stadt vom Kanzler Markus Gerstenbergk ein Fischwasser an der Saale.
1620 Der Herzog gibt die alte Lache zum Fischfang ab.
1620 am 11. November findet ein Vergleich zwischen dem Herzog und dem Rat statt.
Der Rat verzichtet auf das Recht der Stadt zur Hasenjagd, damit das Wild in Hummelshainer Revier nicht mehr durch die jagenden Bürger beunruhigt wird. Er erhält dafür ein Fisch-Wechsel-Wasser zum Gebrauch für die Bürger.
1652 am 29. September. Friedrich Schumann, der neue Pächter der Saalmühle, hat die Fischnutzung und muss außer den 170 Gulden Pachtgeld dem Schösser zur Leuchtenburg monatlich ein Essen Fische zu liefern.
1668 am 28. Mai beauftragt der Herzog den Schösser der Leuchtenburg Michaelis, den von dessen Vorgänger Daniel Triller gegenüber dem Rat entfachten Streit über den Lach- und Fischfang am Mühlwehr der Saalmühle beizulegen, da der Lachs- und Fischfang mit der Mühle auf die Stadt übergegangen ist.
1703 setzt der Rat der Stadt Kahla den Höchstpreis für Saalefische auf 18 Pfennige für das Pfund fest.
1706 Die Bürgerschaft Kahlas darf auch vom Löbschützer Anger aus in der Saale fischen.
1770 werden in der Saalmühle für 300 Taler Lachse gefangen.
1772 am 14. Juni fängt ein Mann aus Löbschütz am Wehr einen großen Fisch mit der Angel. Der Fisch war aber stärker. Er zog den Mann ins Wasser, worin der Mann schließlich ertrank.
1838 am 11. August werden die Grenzen des Fischwassers der Saalmühle festgelegt und zwar 30 Ellen über und 50 Ellen unter dem Wehr.
Fischer
1847 am 06. Dezember erhält die Stadt Kahla über das Fischwasser oberhalb des Wehres und für die Schröterslache einen Lehnbrief ausgestellt.
1905 gab es in Kahla zwei Fischhändler. In der Saalstraße 20, Bruno Kaiser (genannt Fischkaiser) und in der Saalstraße 15, Louis Zugwurst. Beide Fischhändler hatten das Recht in der Saale Fische zu fangen.
1924 wurde in Kahla ein Sportanglerverein gegründet.

Den Verein erreichen Sie hier:
Sportanglerverein Kahla e. V. 1924
Am Saalewehr
Telefon: 036424 23088

Flößerei:

1365 Am 30. Oktober wird die Brücke zum ersten Mal erwähnt.
1369 Am 20. März gestatten die Landgrafen Friedrich, Balthasar und Wilhelm von Thüringen der Stadt Kahla die Flöße, die die Saalebrücke beschädigen zu pfänden.
1560 Lorenz von Brandenstein, der sich als Flößer versucht.
bleibt auf dem Wehr der Saalmühle hängen. Der Müller Erhardt Preißker rettet ihn. Am Abend von Petrie- Pauli werden den Flößern, die die Brücke "besteckt" haben, 27 Floßbäume gepfändet und für 17 Gulden verkauft. Die Flößer des Raniser Lorentz von Brandenstein beschädigen die Brücke sehr stark.
Sie laufen, ihre Flöße im Stich lassend, davon. Der Rat muss an die hundert Bürger aufbieten, um die Fahrt wieder flott zu machen.
Werkzeuge im Wert von 5 Gulden gehen dabei verloren.
Brandenstein auf der Durchreise nach Halle begriffen, kommt nach Kahla. Auf seine Bitten erhält er seine Bäume wieder zurück, muss sich aber bei seinen adligen Ehren verpflichten, den Schaden zu ersetzen. Er hinterlegt ein goldenes Ringlein zum Pfand.
Die Stadt darf von jedem Floß zwei Groschen erheben.
Wer sich um die Abgabe drückt, zahlt zwei Gulden Strafe. Von jedem Floß, welches auf dem Wehr hängen bleibt, sind dem Saalmüller fünf Groschen zu zahlen.
1562 Am 12.03. fällt der erste Floßzoll von 5 Flößen. Der Brandensteiner hat nicht Wort gehalten. Der Rat nimmt, um zu seinen Schaden zu kommen, die Hilfe des Schössers Schmitzerling in Anspruch. Der Schösser schreibt einen Brief nach Ranis. Nun erst bequemt sich der Schuldner zu einer Zahlung.
Erste Flöße
1569 Im Zeichen des Floßzollrechtes lässt die Stadt auf der Brücke eine rote Fahne aufstecken.
1609 Am 16.06. Holzkontrakt der Altenburgischen und weimarischen Regierung mit den Herren von Waldenfels zu Lichtenburg zur Lieferung von jährlich bis zu 200.000 Klaftern weicher oder harter Scheite und Verflößung auf der Saale.
1612 In diesem Jahr gehen 132 Flöße durch die Brücke.
1630 160 Flöße gehen im Jahr durch.
1641 In diesem Jahr gingen nur 6 Flöße durch.
1644 Es gehen nur 7 Flöße durch.
1646 Im ganzen Jahr ließ sich kein Floß sehen.
1650 gingen 10 Flöße durch.
1654 Am 2. Mai bewilligt die Regierung dem Rat in Kahla Holz zum Wehrbau der Saalmühle.
1694 In diesem Jahr gingen 1.110 Flöße durch die Brücke.
1696 In diesem Jahr kamen 1.108 Flöße durch.
1706 gingen nur 609 Flöße durch.
1718 gingen 712 Flöße durch die Brücke.
1724 gingen 648 Flöße durch.
1732 Durch die Saalebrücke gingen 1.382 Flöße durch.
1747 passierten 1.417 Flöße die Brücke.
1776 Floßscheite (Scheitholzflößerei) dürfen nur auf 7/4 Ellen Länge geschnitten werden. Damit will man eine Verwechslung mit solchen aus der fürstlichen Waldung vorbeugen.
1813 Das Floßamt Kahla erleidet große Einbußen auf seinen Holzplätzen bei Ölknitz, Jena und Dornburg. Viele Scheite werden ihm von den biwakierenden Truppen aber auch von Privatpersonen gestohlen.
1824 Im Dezember beschwert sich die Floßkommune, weil der Saalmüller Bauer den Wehrzoll für Langholzflöße erhöht hat.
1826 Am 08.11. Einzug des neuen Landesherrn. Neben den Jägern, Schützen und der gesamten Bürgerschaft, huldigt auch die Floßkommun dem Herzog mit festlich geschmückten Flößen auf der Saale.
1829 gingen keine Scheitholzflöße durch, weil in Jena noch ein zu großer Vorrat lagert.
1846 Am 23. Januar erhält die neu gegründete Floßkommun an der oberen Saale die Bestätigung ihrer Statuten mit den Rechten der Gesamtpersönlichkeit.
1847 Am 18. September gehen 40 Klafter Scheitholz, die zwischen Rothenstein und Schöps am Saaleufer zum Verflößen lagern, in Flammen auf.
1851 wurden durch die Saalebrücke 125.790 Stämme, 390.311 Bretter, 50.494 Latten und 6.469 Stangen geflößt.
1865 Bis zum 31.12. sind auf der Saale aus Sachsen Altenburg durchgeflößt 88.489 Langholzstämme, 11.969 Bretter und Bohlen, 757 Leiterbäume und Stangen, 6.317 Stück Pflöckholz, 48 Stück Bettstollen, 20 Stück Bottichriemen, 182 Schock Wein- und Zaunpfähle 1.868.
Am 24. Juni wird das Saalfloßamt aufgegeben und ab 1. Juli gehen seine Geschäfte über das Steuer- und Rentamt.
1871 An 20. Mai wird der Stadt durch Gesetz des Norddeutschen Bundes der Floßzoll entzogen. Die Stadt entschließt sich, das Stadtgericht Berlin, das für solche Fälle zuständig ist, um Zuerkennung einer Entschädigung anzurufen.
1872 Am 17. Februar geht der Prozess wegen des Floßzolls verloren. Es soll aber an die nächste Instanz, das Bundes- Oberhandelsgericht in Leipzig appelliert werden.
1873 Die Stadt wird mit ihrem Entschädigungsanspruch wegen des Floßzolles, den sie in Höhe von 9.290 Talern 15 Groschen und 6 Pfennigen berechnet hatte, in sämtlichen Instanzen abgewiesen.
1896 Am 22. Mai erhält das Saaleufer ober- und unterhalb des Wehres Stellpfähle für die Flößerei.
Flößerei

Friedhöfe:

1550 Wird der Friedhof, der sich bisher um die Stadtkirche befand, wegen immer mehr Begräbnissen hinter der Kirche St. Nicolai verlegt.
1599 am 26. Juli muss der Friedhof erweitert werden. Der Grund waren die zahlreichen Pesttoten aus dem Vorjahr.
1655 im Februar, großes Hochwasser der Saale. Die Mauern des Gottesackers und das Tor wurden von den Fluten weggerissen. Die Nikolauskirche ist total verschlammt.
1820 Der Friedhof muss erneut erweitert werden. Dazu erwirbt die Stadt von Sophie, Marie, Rosine Schneegaß ein Stück Garten für 200 Floriner.
1837 am 9. Februar macht sich eine erneute Friedhofserweiterung notwendig. Dazu erwirbt die Stadt für je 200 Taler von Frau Johanna-Christiane-Eleonore Schmidt und von Philipp Elias Fritz ein Gartengrundstück.
1855 im Juli eine abermalige Erweiterung des Gottesackers.
Außerdem wurde das bisherige öffentliche Ausstellen von Leichen im Sterbehaus und am Grabe verboten.
Alter Friedhof hinter der Nicolaikirche.
Blick auf den alten Friedhof hinter der Nicolaikirche.
1856 am 26. Mai erwirbt die Kirche zur Friedhofserweiterung ein Garten vom Korbmacher König für 100 Taler.
1868 am 28.11. erwirbt die Stadt zwei Parzellen zur Erweiterung des Friedhofes. Eine neue Anlage des Friedhofes wird ernsthaft erwogen.
1869 am 27. März wird der vergrößerte Friedhof geweiht.
1877 wird um den Friedhof eine Sockelmauer mit Eisengeländer angebracht.
1892 am 20. November wird in Anwesenheit des Stadtrates, des Kirchenvorstandes und zahlreicher Kahlaer Bürger der neue Friedhof an der Bibraer Landstraße eingeweiht. Die Weihe wurde vom Diakonus Ludwig-Max-Schulze (ist 1883 aus Altenburg nach Kahla gekommen und wird auch Vorsitzender des Kahlaer Obstvereins) vorgenommen. Acht Tage später, am 28. November 1892 verstirbt der Organist Karl Friedrich Kämmer. Er ist 1822 in Serba geboren und kam 1849 als Kantor nach Kahla und wurde hier 1852 Organist. Er war der erste Tote auf dem neugeweihten Friedhof.
1892 wurde von der Stadt Kahla für 1.500 Mark ein Leichenwagen angeschafft. Er wurde zum ersten Mal benutzt, um die sterblichen Überreste des in Gotha verstorbenen Opernsängers Albert Mittelhäuser vom Bahnhof Kahla nach Gumperda zu überführen.
In der Folgezeit wurde der neue Friedhof, der im Jahre 2002 auf ein 10-jähriges Bestehen zurückblicken kann, mehrere Male erweitert.

Frohnfeste:

1702 am 27. März lässt das fürstliche Amt Kahla eine Fronfeste in Löbschütz bauen.
1722 am 27. Januar richtet das Amt Kahla am ehemaligen Obertor eine Fronfeste ein. Erster Gefangenenwärter wird hier der ehemalige Stadtknecht Johann Christoph Wohlleben. Die Fronfeste bestand bis zum Jahre 1838.
1801/2 um diese Zeit werden am Saaletor das Torhaus und das Vortor niedergelegt. Auf der verbreiterten Torfahrt und dem Vorsprung der Stadtmauer wird die städtische Fronfeste errichtet.
Der Turm (würde heute auf der Saalstraße stehen) wird der Zinnen- und Helmspitzen beraubt und mit einem Ziegeldach gedeckt. Die Schießscharten werden zugemauert. Die Gefängniszellen erhalten keine Fenster.
1809 am 20. Juni wird die Fronfeste am Saaltor durch Meister Johann Philipp Jecke neu hergerichtet. Kosten: 1700 rl.
1817, nach einer Revision erhält der Floßmeister und Ratsmitglied Johann Gottfried Beyer Stubenarrest. Er hat eine große Schuldenlast am Halse und sich auch der Amtsunterschlagung schuldig gemacht. Am 10. Oktober kommt er auf die Fronfeste und am 16. April 1818 auf die Leuchtenburg.
1838 erwirbt der Rat der Stadt für 413 Taler von der herzoglichen Kammer die Fronfeste im Obertor.

Fürsorge:

1770 Große Teuerung. Aus fremden Getreide lassen Amt und Rat Brot für die Armen backen. Preis pro Pfund 1 Groschen und 8 Pfennige. Viele sterben vor Hunger.
1772 Immer noch große Hungersnot, großes Sterben.
1773 am 8. März verfügt die Regierung, dass kranke Bettler solange verpflegt werden, bis sie am Stabe weiter gehen können.
Auf Wagen oder Schubkarren in die Stadt gebrachte, sollen zurückgewiesen werden.
1770 am 29. November sammelt Hauptmann von Schwarzenfels für die Armen.
1771 sammelt der Kahlaer Hilfsverein über 1691 Taler für die Armen. Davon werden über 30.000 Pfund Brot verteilt. Außerdem veranlasst Amtshauptmann von Schwarzenfels, dass in allen Altenburgischen Ämtern um die große Teuerung und Hungersnot etwas zu lindern, russisches Korn verkauft wird.
am 14. Juli. Die Landesregierung erlässt mit Rücksicht auf die große Not im Lande eine Verordnung über Felddiebstahl und Ährenlesen.
am 28. Juli. Das erste Fuder Getreide, geschnitten auf dem Feld der Frau Inspektor Trautmann, wird feierlich eingebracht. Der Wagen ist von den Töchtern der Stadt mit Blumen und Kränzen geschmückt. Eine Abteilung Landsturm unter Kaufmann Christian Eckardt holt ihn mit Janitscharenmusik ein. Am Jenaischen Tor treten die Schulkinder, festlich gekleidet, mit ihren Lehrern hinzu. Unter Glockengeläute fährt der Wagen auf den Markt. Hier bilden der Rat, die Bürger, die Kinder und der Landsturm einen Kreis. Der Oberpfarrer Rohn hält eine ergreifende Ansprache. Unter Trompetenschall und Paukenschlag singt die Gemeinde "Nun danket alle Gott". Von den Schulkindern und vom Landsturm begleitet, fährt der Wagen unter Musikklängen in die Trautmannsche Scheune in der Kohlau.
1830 am 04. Februar werden für die Armen Wärme- und Arbeitsstuben eingerichtet. Besonders Bedürftige erhalten auch kostenlos Speisen.
1837 am 17. April wird in der Burg, in Königs Haus" eine Kleinkinderbewahranstalt, die Alexandra-Stiftung, eröffnet.
1838 im Februar erwirbt die Stadt von der Regierung um 400 Taler die beiden Braulose der mit dem Amt verbundenen wichtigsten Häuser. Herzog Josef überlässt der Stadt das Kaufgeld mit der Bestimmung, es zur Verabreichung von Frühkost an kleine bedürftige Kinder zu verwenden.
1840 am 07. Januar werden in Kahla Wärmestuben für die Armen eingerichtet. Am 07. April werden die Wärmestuben sowie die Speise- und Spinnanstalten geschlossen
1847 wird ein Not- und Hungerjahr. Das Brot kostet zu Jahresanfang ?1 Pfennige, der Scheffel (altes Hohlmaß für Getreidemessung und unterschiedlichen Beträge von 23 bis 223 Liter) Weizen 9 Taler und 6 Groschen, Korn 8 Taler und 16 Groschen. Im Juli kostet der Scheffel Weizen 16 Taler und 8 Groschen, Korn 15 Taler und 12 Groschen, Gerste 11 Taler und mehr, Hafer 5 Taler. Erntefest vor dem Rathaus 1847
1847 nach langem Hungerjahr eine gute Ernte.

Am 12. September ergreifende Feier des Erntefestes vor dem Rathaus. Froh wird ein Choral vom Altan des Rathauses geblasen. Dann singt vor einer reich geschmückten Bühne die Liedertafel. Die gesamte Bürgerschaft versammelt sich auf dem Markt.

1852 Große Not und Armut im Lande. Viele wandern mit Hilfe ihres Vermögensrestes nach Amerika aus.
1855 Die Stadt richtet eine Anstalt zur Speisung armer Kinder ein.
1856 Am 28. August verhandelt der Stadtrat mit der Firma Chr. Zimmermann in Apolda um Arbeit zu beschaffen. Zum Stricken werden zwei heizbare Räume auf dem Obertor bereitgestellt.
1862 Am 15. Januar wird die Stadt von einer schweren Masernepedemie (ist eine fieberhafte Hautinfektionskrankheit mit Hautausschlag) befallen. Innerhalb von sechs Wochen sterben 82 Kinder. Menschenfreunde gründen für arme Kinder eine Speiseanstalt.
1870 Im August veranlassen Gerichtsbeamte eine Sammlung für hilfsbedürftige Kriegerfamilien.
1873 Am 25. Dezember macht der Stadtrat bekannt, dass von jedem Schmaus (Festessen), jeder Lustbarkeit, jedem Konzert und Tanz für die Armenkasse eine Abgabe erhoben wird.
Alma Petzold mit ihren Söhnen beim Holz holen.
Frau Alma Petzold aus der Saalstraße muss mit ihren zwei Söhnen Holz für den Winter aus dem Wald holen.
1900 Der Herzog steht der Kleinkinderbewahranstalt "Alexandra-Stiftung" eine Jahresrente von 120 Mark aus.
1905 Wird in der Stadt erstmal eine Schwester als Krankenpfleger eingestellt.
1907 schenkt am 16. Januar der Porzellanfabrikbesitzer Franz Lehmann der Stadt einen Krankentransport-Wagen, der von der Sanitätskolonne genutzt wurde.

Galgen:

1520 beschwert sich der Rat über Hermann von Weißenbach, Herr zu Altenberga, weil er der Gerichte der Stadt schädigte, in dem ereine neue "Heimstatt" (Galgen) errichtet hat. Amtmann Dr. Johann Reinbott wird von der Regierung zur Untersuchung der Sache beauftragt
1653 Am 28. Januar hält der Rat hochnotpeinliches Halsgericht.
Daniel Münch ein Dieb und Straßenräuber wird auf dem Galgenberg gehenkt. Die Bürgerschaft, die bei der Aufrichtung des Galgens am 26.01. mit Hand angelegt und auch bei der Exekution am 28.01. mitgewirkt hat, erhält vom Rat ein Fass Bier von 6 Eimern verehrt.
Es erhalten weiter die beiden Geistlichen für die Begleitung des armen Sünders auf dem letzten Gange je 5 Gulden. Der Kantor 6 Gr., der Kirchner 2 Gr. 8 Pfg. Der Scharfrichter berechnet je 5 Gulden für die Exekution, 1 fl. für Besteigen des neuen Gerichts, 2 fl. für die Ketten und deren Anschlag, sowie 1 fl. für den Knecht. Gerichtsbuch.
am 7.4.1653 Daniel Münch wird vom Galgen abgenommen und eingescharrt.
1692 In Kahla quartieren sich fürstlich sächsische Fußvölker ein. K. I 165.
1704 Das Zimmerhandwerk errichtet auf dem Markt einen Militär-Galgen. Lohn ein Taler.
Der Amtsschultheiß Johann Heinrich Schreyer in Bibra wird wegen Falschmünzerei nach hochnotpeinlichem Halsgericht vor dem Haus in Kahla auf dem Galgenberg gehenkt.
Er war ursprünglich zum Feuertod verurteilt.
1705 Der Hirte von Löbschütz wird nach hochnotpeinlichem Halsgericht vor dem Amthaus gehenkt. Gerichtsschöppen: Nikol Fischer und Jakob Weise, beide in Löbschütz.
1737 Das Zimmerhandwerk unter Führung der Obermeister Konrad Messer und Hans Vogel stellt auf Verlangen der Regierung in Anwesenheit des Amtmannes Karl Friedrich Förster, des Aktuars Günther von der Lache; des Landrichters Andreas.
Bernhard Schmidt der Ratsperson und zweier Schöffen auf dem Markte einen neuen Militärgalgen auf. Das Zimmerhandwerk, die Behörden und, Bürgerschaft ziehen unter den Klängen der Stadtkapelle vom Amthaus über die Roß-, Ritter- und Margarethenstraße nach dem Markt. Dort halten Landrichter Schmidt und der Stadtrichter Rötel Ansprachen. Schmidt tut hierauf in das Stammende der für den Galgen bereitliegenden, Kiefer zwei Axthiebe, Rötel einen. Dann wird der Galgen aufgestellt. Nach getaner Arbeit zieht das Handwerk wieder mit klingendem Spiel ab, über die Salzgasse, durch das Jenaer Tor, über die Schuhgasse vor das Amt. Der Landrichter Schmidt macht die Werkzeuge wieder ehrlich. Das Handwerk erhält zur Ergötzlichkeit 6 Eimer Bier und einen Taler. Der Gesamtaufwand, der 18 Gulden 21 Gr. 9 Pf. beträgt, fällt zu 2/3 dem Rat und zu 1/3 der Stadt zur Last, so verteilt, wegen der gleichen Anteile an den Obergerichten.
3.2.1775 Johann Gottfried Hönniger wird wegen 26 Diebstählern auf dem Galgenberg gehängt. Der Galgen wird zu 2/3 vom Amt, zu 1/3 von der Stadt bestätigt. Das hochnotpeinliche Halsgericht fand vormittags vor dem Armenhause statt. Der arme Sünder ward von 4 Schützen mit Gewehren und 8 Defensionern mit weißen Stäben abgehölt. Bei der Exekution bildeten die Schützen und die Defensioner um die Richtstätte einen Kreis. Hönniger hielt noch eine Rede. Er ermahnte die Obrigkeit, keine Armen zu züchten. Der Galgen war am 01.02. von den Zimmerer- und Maurerhandwerk beider Ämter unter Handanlegung des Landrichter Mehlis und Stadtrichter Kober aufgesteIlt worden.
1777 Auf dem Markte hauen des Scharfrichters Knechte den Militärgalgen um. Auf dem Markt wird die Stelle, da der Galgen gestanden, vom Land- und Stadtrichter im Beisein der Schöppen wieder ehrlich gemacht.

Gaswerk:

1904 am 23. Februar wird der Bau einer Gasanstalt beschlossen.
1905 am 20. November beschließen die städtischen Körperschaften endgültig den Bau einer Gasanstalt.
1906 am 29. Juni erfolgte die erste Brennprobe des Neuerbauten Gaswerks in Kahla.
1908 am 13. Juli wird im Stadtrat festgestellt, das neue Gaswerk hat 292.041 Mark Baukosten gefordert. Es hat aber im ersten Betriebsjahr einen Gewinn von 31.275 Mark gebracht.
Gaswerk
1910 am 31. Dezember verlässt Gasmeister Buchholz Kahla. Er geht nach Ilmenau. Sein Nachfolger wird Hermann Zuckschwert aus Eisenberg.
1969 am 20. Juni wurde das Gaswerk stillgelegt. Die Gasversorgung erfolgt nun mehr über eine Ferngasleitung.
1991 am 1. Juli wird in Kahla symbolisch eine Erdgasflamme durch die Amtsleiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung, Frau Wesche, um 11.22 Uhr entzündet. Auch der Landrat des Landkreises Jena, Jürgen Mascher nimmt an dem feierlichen Akt teil. Die Planungen zum Abschluss an die Erdgasversorgung hatten mit einem Gespräch am 1. August zwischen dem Planungsträger, der Erdgas Ostthüringen GmbH und dem Bürgermeister Bernd Leube eingeleitet. Den ersten Anschluss erhält die Gartenbaufirma Krug. Mit dem Anschluss Kahlas an die Erdgasfernversorgung verbinden sich die Erneuerung des örtlichen Gasnetzes, der Hausanschlüsse und die Umstellung der Gasgeräte.

Geldinstitute:

1829 am 15. Februar regt das Kahlaer Nachrichtenblatt die Gründung einer Sparkasse an.
1834 hat am 6. März der Bürgervorstand die Satzung für die Sparkasse verfasst. Die Sparkasse soll für Kahla und Orlamünde, aber nicht für die Dörfer eingerichtet werden. Am 19. Juli 1834 werden die Statuten der Sparkasse bestätigt.
Am 07. August wird die Sparkasse eröffnet. Sie befindet sich im Rathaus. Bürgermeister Hofapotheker Johann, Karl, Gottlob Fischer, der Leiter der Sparkasse stellte angeblich die ersten vier Sparbücher auf die Namen seiner 4 Kinder an.
1846 wird in Kahla am 17. November eine Vorschusskasse ins Leben gerufen.
1848 wird der Herzog daran erinnert sein Versprechen einzuhalten, die Vorschusskasse mit 100 r.l. (rhein. Taler) zu unterstützen.
1848 am 29. Juli antwortet der Herzog dem Rat. Von den insgesamt 1500 r.l. Notstandsbeihilfe könne er nichts zuweisen, da ihn die Verfügung entzogen sei. Die 1000 r.l. für die Vorschusskasse sollten aber bezahlt werden, sobald der Landtag die für ähnliche Kassen geforderten 8000 r.l. bewilligt habe.
1849 wird am 14. Februar eine Vorschusskasse eröffnet. Der erste Vorstand war Advokat Hermann Schindler, Bürgermeister Gottlob Fischer, Klempnermeister Ernst Zwanziger, Baumeister Friedrich Beck, Kaufmann Karl August Lehmann, Seilermeister Wilhelm Heimbürge und Böttchermeister Wilhelm Zipfel.
1854 im Oktober verteilt die Sparkasse 100 Taler an verschämte Arme.
1878 Die Sparkasse weist am Ende des Jahres 1877 ein Vermögen von 26.973 Mark aus.
1890 beraten Kreise der Bürgerschaft die Gründung eines Vorschussvereines auf genossenschaftlicher Grundlage.
1893 eröffnet am 30. Januar der neu ins Leben gerufene Vorschussverein seine Tätigkeit. Vorstand: Kaufmann Rudolf Lange als Direktor sowie zwei weitere Bürger.
1896 Der Spar- und Vorschussverein muss sich gegen öffentliche Angriffe seiner Mitglieder verteidigen.
1899 Nach Rudolf Langes Tod wählt der Spar- und Vorschussverein Adolf Jecke zum Direktor. Am 14.08. wird der Kassenschrank des Spar- und Vorschussvereines gewaltsam geöffnet und ausgeraubt. Die Täter wurden am 18.08. in Großheringen verhaftet.
Am 29. August ertränkt sich Bauunternehmer Karl Schreck aus Löbschütz in der Saale. Er ist ein Opfer des Spar- und Vorschussvereines. Am 16. September Versammlung zum Vorschussvereinskonkurs zur Neuwahl von Vorstand und Aufsichtsrat. Die Wahl verläuft ohne Resultat.
1914 Am 9. Februar wird Ernst Pohley aus Römhild, bisher Kontrolleur der Sparkasse in Saalfeld, unter 38 Bewerbern als Kassierer der Kahlaer Sparkasse gewählt.
Am 3. August bildet sich eine große Menschenschlange vor der Sparkasse. Hunderte, besonders Landleute, wollen Geld abheben. Polizei und Feuerwehr werden eingesetzt, um die Ordnung aufrecht zu halten. Jeder hat aber sein Geld erhalten.
Am 2. November wird der Vorschussverein Kahlas aus dem Jahre 1848 wieder belebt. Zweck des Vereins ist unbemittelten Bürgern, besonders Handwerkern, bei kriegsbedingten finanziellen Problemen kurzfristige Darlehen bis zu 150 Mark zu geben. Diese neue Satzung wurde am 14. August 1914 vom Altenburger Ministerium genehmigt.
1917 Am 18. April wurden bei der Sparkasse in 2.091 Einzelzeichnungen von 3.601.800 Mark für Kriegsanleihen vorgenommen.
1826 Am 24. März wird in Kahla eine Gewerbebank GmbH gegründet. Der Geschäftsanteil beträgt 300,00 Mark, die Haftungssumme bei 600,00 Mark. Als Teilhaber traten 21 Personen sofort als Teilhaber bei.
1930 wird am 22. April die neu erbaute Sparkasse am Oberen Tor (Ecke Rudolstädter-Straße/Bergstraße) in Betrieb genommen.
1934 am 29. April begeht die Stadtsparkasse ihren 100. Jahrestag
1935 gibt die Gewerbebank bei der Zwangsversteigerung des Sägewerks Lärz in Löbschütz das Höchstgebot ab. 11.500 Reichsmark für Wohnbau und Garten und 11500 Reichsmark für das Sägewerk mit Zimmereiplatz.

Geleitswesen:

Die öffentliche Sicherheit im Überlandverkehr lag im Mittelalter im Argen. Reisende Personen (besonders Kaufleute) und transportierte Waren mussten durch den allgemeinen Friedensschutz, den die Königsherrschaft zu gewähren hatte, vor Raub oder einfacher Behinderung der freien Straße gesichert werden. Dies geschah in der Weise, dass der Geleitsherr den Reisenden und den Transportfahrzeugen bewaffnete Begleiter mitgab, wofür Abgaben zu leisten waren.
Vielfach hatten die mit der Zollerhebung Beauftragten auch für die Geleitstellung zu sorgen; wie das Zollregal, so ging auch das Geleitregal durch Verleihung oder durch eigenmächtige Aneignung an die Landesfürsten über, wie dies seit dem 12. Jh. belegt ist. Wie die Landesfriedenssicherung in die Hände der Territorialfürsten kam, so wurde auch das Geleit zu einem Bestandteil der Landeshoheit. Es gewann umso mehr Bedeutung, als die eigenmächtige Rechtsverwirklichung zurückgedrängt wurde.
1567 am 08. Januar schreibt Herzog Johan Wilhelm aus Weimar, dass in den nächsten Tagen Nürnberger Kaufleute, die den neuen Leipziger Jahrmarkt besuchen wollten, durchkommen würden. Der Geleitsmann aus Gräfenthal führte sie. Der Stadtrat solle sie 10 bis 12 Hakenschützen mitgeben.
1754 im Mai wird dem Geleitsnehmer Kober ein Dienstvergehen zur Last gelegt. Aus diesem Grund wird er zunächst nicht als Richter bestätigt.
1817 am 15. September wird Geleitsamtmann Christ. Gottfried Herman in Schöps durch die Schützen und Honoratioren, diese teils zu Wagen und teils beritten, eingeholt. Seine Besoldung beträgt etwas über 800 rl (Rheinländ. Taler bzw. Gulden).
Dabei noch ein ansehnliches Deputat an Holz, Korn, Gerste, Hafer, Heu, 6 Hasen Fischwasser in den Fluren Gumperda und Bibra, sowie 8 rl und 18 Groschen wegen des Nürnberger Geleits und noch 3 rl als Justiziar des Instituts zur Leuchtenburg.
Im September wird ein Gelass der neuen Geleitsordnung herausgegeben.

Gerechtsname:

Gerichte und Gerichtsherrschaft:
In der außerordentlich vielschichtigen und vielfältigen Entwicklungsgeschichte der mittelalterlichen Gerichtsbarkeit gibt es eine Konstante: Die Beendigung von Streitigkeiten zwischen verschiedenen Personen durch Urteil oder Beschluss eines Gerichtes hat nur dann rechtliche, soziale und wirtschaftliche Bedeutung, wenn die recht sprechende Instanz durch die Autorität und das Ansehen einer Gerichtsherrschaft legitimiert ist. Innerhalb des Personenverbandes musste Übereinstimmung darüber bestehen, dass der gerichtliche Spruch Achtung und Beachtung verdient. Dem stand nicht entgegen, ob diese Ein- und Unterordnung auf freiwillige Weise oder auch durch herrschaftlichen Zwang zustande gekommen war.
Daraus ergibt sich im langen Zeitraum der hoch- und spätmittelalterlichen Geschichte eine außerordentliche Vielfalt von Gerichtszuständigkeiten in persönlicher, örtlicher und sachlicher Hinsicht. Diese Veränderten sich im Lauf der Entwicklung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse vom frühen 10. bis zum späten 15. Jh. außerordentlich stark.
Aus der Tradition des karolingischen Königtums war im Mittelalter die Anschauung ziemlich umstritten, dass dem Spruch des unter dem Vorsitz des Königs tagenden Gerichts in besonderer Weise Bedeutung und Rechtskraft zukam.
Aber weder das ältere Königsgericht noch das von Friedrich II. im 13. Jh. eingerichtete Reichshofgericht wurden institutionell voll organisiert, was vor allem dadurch bedingt war, dass das Gericht keinen festen Sitz hatte. Das ergab sich zwangläufig daraus, dass das Königtum bis in das 14. Jh. ein Wanderkönigtum war. Das Gericht befand sich mit dem König stets auf Reisen und war deshalb schwer erreichbar. Als die Reichsgerichtsbarkeit schließlich im 15. Jh. im königlichen Kammergericht organisiert wurde, war die Jurisdiktion in den reichs-fürstlichen Territorien schon gefestigt, dass für eine eigentliche Reichsgerichtsbarkeit wenig Raum mehr blieb.
Große Bedeutung für die Gerichtsbarkeit im Hoch- und Spätmittelalter hatten die geistlichen Gerichte der Bischöfe und Archidiakone, die nach dem kanonischen Recht urteilten. Sie waren Standesgerichte für die Kleriker und nahmen die Kompetenz für Laien in den Sachen in Anspruch, die in besonderer Weise als Sünde galten (z. B. Ketzerei, Meineid, Wucher). Wegen des sakramentalen Charakters der Ehe judizierten sie auch Familienrecht. Seit dem 13. Jh. bestanden an deutschen Bischofskurien Offizialatsgerichte, deren im kirchlichen Recht entwickeltes Verfahren auch für die Entwicklung der Prozessführung vor weltlichen Gerichten wichtig wurde. Auch das im Spätmittelalter weitverbreitete Schiedsgerichtsverfahren ging auf das kanonische Recht zurück. Es setzte die Einigung der Streitparteien auf den gewählten Schiedsrichter und auf die Anerkennung des Schiedsspruches voraus. Vorteilhaft war, dass das Schiedsgerichtsverfahren schneller abzuwickeln und weniger von Prozessformalien geprägt war.
Die enge Verbindung zwischen weltlicher und geistlicher Gerichtsbarkeit trat besonders deutlich dadurch in Erscheinung, dass die kirchliche Strafe des Bannes die weltliche Strafe der Acht mit sich zog.
1423 verordnet Kaiser Sigismund, dass in den Landen des Kurfürsten Friedrich nur noch von diesem und seinen Amtsleuten Recht gesprochen werden darf. Niemand darf auswärts Recht suchen.
1454 verbietet Herzog Wilhelm Luxus und Schmausereien sowie die übertriebene Kleiderpracht. Den Männern das Tragen langer Hosen, den Bauernweibern den Schleier. Erneut verbietet er das Anrufen geistlicher und ausländischer Gerichte, namentlich auch der westphälischen Freistühle bei Vermögenseinzug.
1455 lässt Ratsmeister Erhard Kobe die Stadtrechte von Kahla aufzeichnen.
1482 am 22. Oktober überreicht der Rat der Stadt Kahla den Landesherren eine Niederschrift des in der Stadt geltenden Gewohnheitsrechts zur Bestätigung.
1574 am 30. Juni erhält die Stadt Kahla vom Kurfürsten August das Recht auf Erhebung von Wegegeld, um Straßen und Wege zu erhalten. Außerdem die Befugnis, in der Bibra eine Brücke zu bauen.
1611 am 15. April Erlass des Herzogs, in dem die Obergerichte über die drei Bachmühlen den Rat der Stadt zugesprochen werden.
Am 6. Mai Receß (Vertrag) über die Gerichtsbarkeit und den Mahlzwang in der Saalmühle.
1619 Am 16. April erlässt die Stadt Kahla neue Statuten über das Erb- und Familienrecht.
1718 Am 22. Juli vernimmt der von der Regierung geschickte Hofrat Friedrich im „Stern“ (Markt 2) Beschuldigte als Zeugen von der Großeutersdorfer Bierschlacht.
1744 wird eine neue Gerichts- und Prozessordnung erlassen.
1918 im November verbürgt sich der Arbeiter und Soldatenrat für die Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit. Sämtliche Vergehen an fremden Eigentum sowie Plünderungen usw. werden sofort standrechtlich abgeurteilt.
1919 am 15. Mai nehmen die Stadtverordneten Kenntnis von der Auflösung des Arbeiter- und Soldatenrates.
1920 am 4. April gibt der Stadtrat bekannt, dass sämtliche Glücksspiele, wie Hazard, die in verschiedenen Gaststätten betrieben werden, verboten sind.
1922 bis zur Einführung eines allgemeinen neuen Rechts bleiben die bisherigen Bestimmungen aus den verschiedenen früheren Staaten gültig.

Gründung:

110 vor Chr. Im Norden der Mark Brandenburg und in der Mecklenburg-Strelitz bricht der große Volksstamm der Sueben auf. Ein Teil nimmt vom heutigen Thüringen Besitz. Er lässt sich zwischen Erzgebirge und Thüringer Wald und Harz, zwischen Werra und Schwarzer Elster, dem ehemaligen Keltenland nieder. Er nennt sich Hermunduren (Vielwagende).
Schmidt II 325
27-7 vor Chr. In einem geographischen Werke des griechischen Strebo wird von links und rechts der Elbe sitzenden Hermunduren gesprochen. Damit tauchen diese in der Literatur zum ersten Mal auf.
Strabo VII,1,3, Schmidt 325
5 nach Chr. Die Hermunduren gehen hinter die Elbe zurück. Sie kämpfen unter dem Marbod aufgebotenen Heerbann gegen Tiberius.
Schmidt II 326
17 nach Chr. Die Hermunduren, die nach der Niederlage der Römer gegen Armin in die alten Sitze in Thüringen zurückgekehrt sind, sagen sich von Marbod los.
Schmidt II 326
17-50 Wilbilius, König der Hermunduren.
Schmidt II 326, 327
50 Die Hermunduren bereiten dem Quadenreich ein Ende.
Mentz 13, Tachitus, Ann. XII 29,30, Schmidt II 326/7
58 Die Hermunduren kämpfen gegen die Chatten um die Salzquellen im Werratal.
Mentz 13, Tacitus, Ann. XIII 57, Schmidt II 327
400 Die Thüringer - Toringi -, als solche, werden zum ersten Mal genannt. Publius Begatius lobt im 3. Buch seiner Tierheilkunde ihre Rosse.
Schmidt II 330, Tillel, Schultze 48
Um 400-534 Das Königreich der Thüringer.
451. Thüringer schließen sich dem Heere Attilas an. In der Schlacht auf dem katalaunischen Felde gehen sie mit unter.
Sidonis Apollinaris carm. VII 321, Schmidt I 244, II 330, Schlosser III 624, Schultze 52, Mentz 14
um 480 Bisinus, König der Thüringer. Er soll in Besenstedt residiert haben. Seine Gemahlin Basina wird ihm angeblich durch den Franken Gilderich entführt. Mit diesem verheiratet wird Basina die Mutter Chlodwigs.
Schmidt II 333, Gregor von Tours II 12, Schultze 52/3, Jena XXV 70.
(Die Entführung Basinas ist offenbar eine Legende Gregors. Nach anderer Leseart wäre Basina die Schwester des Königs Bisinus gewesen.)
496 (510) König Bisinus stirbt. Ihm folgen seine Söhne Herminafried, Batherich und Bertbachar. Herminfried soll in Weimar residiert haben.
Schmidt II 343
Um 500 dehnt sich zwischen Saale und weißer Elster das Warnenreich. Es reicht im Süden bis an den Main und das Erzgebirge.
Jena XXV 46, 489, Bauernspiegel 1926/6, 1931/9, Schmidt II 29
500-501 Theoderich, der Ostgote, schreint Herminafried, dem König der Thüringer, dass er ihm seine Nichte Amalaberga, die Zierde seines Hofes, zur Frau sende, und wünscht ihm Glück für die Ehe.
Dob. Reg. I.2.
526 Theoderich, König der Ostgoten, der seine Hand schützend über die Thüringern gegenüber den Franken gehalten, stirbt.
529 Die Franken unter König Theuderich = Theoderich brechen in Thüringen ein. Eine große Schlacht in der Nähe Eisenachs bringt keine Entscheidung. Berthachar fällt.
Jena XXV 49, Schmidt II 337
531 die Thüringer werden an der Unstrut von den Franken unter Theuderich und Clothar, denen die Sachsen beistehen, entscheidend geschlagen. Baderich fällt. Thüringen wird fränkische Provinz. Es hat jährlich einen Tribut von 500 Schweinen zu entrichten.
Schlosser IV 311. Schulze 55/6, Schmidt II 337/8, Mentz 14, Benantius, app. III 3
531 Die Sachsen erhalten von den Franken Nordthüringen überwiesen, die nachmaligen Gaue Nord thuringo, Suevon, Hassogo, Frisonofeld, Herdago, Derlongo. Sie siedeln sich zwischen Bode, Harz und Saale an. Das übrige Thüringen wird fränkisch.
Schmidt II 47, Sachsenspiegel III 44, 3, Widukind I 14
534 König Herminafried erleidet in Zülpich den Tod. Amalaberga flüchtet nach Ravenna.
Schmidt II 329, Gregor von Tours III 8, Schlosser IV 311, Schultze 56, Tille 3
um 553 stiftet Berthachars Tochter, die von den Franken entführte, von Clothar zur Gemahlin gezwungene Radegunde das Kooster S. Croix zu Tours. Als dessen Abtissin stirbt sie 587. Banatius Fortunatus, Vita Radeg
805 Der im Kapitular Kaiser Karls erwähnte Limes sorabicus geht von Regensburg über Forchheim, Hallstedt und Erfurt nach Magdeburg.
Dob. Reg. I 78, Knochenhauer 171, Jena, N.F. XVI 305
806 Kaiser Karls gleichnamiger Sohn besiegt bei Walatal - Waldau, Wallhausen - de Sorben. Deren König Milito wird geschlagen.
815 Die Slawen schicken an König Ludwigs Hof in Paderborn Abgesandte. Die Sorben fehlen dabei.
Ann. Einhardt 815, Osterland VI 161/2
816 Die Sorben werden erneut geschlagen.
Kahla III 480, Einhardt Vita Caroli, Mentz 16
822 Auf der Reichsversammlung zu Frankfurt am Main sind auch die Sorben durch Abgesandte vertreten.
Osterland VI 162
826 Der Sorbenfürst Junglo erscheint auf der Reichsversammlung zu Igelheim. Er lässt seinen Sohn dem Kaiser als Geisel zurück.
Ann. Einhardi 826, Osterland VI 162
839 Die thüringer Marken werden erwähnt. Die Sachsen liefern den Sorben eine siegreiche Schlacht, in der König Climusclus fällt.
Knochenhauer 21, Osterland VI 163
841 Thüringen, zum Deutschen Reich geschlagen, wird Grenzmark. Es gewinnt an Bedeutung. Als erste Gaue werden genannt: Altgau, Eichsfeld, Engeln, Hassegau, Husitin, Längewitzgau, Rabelgau, Meletici, Ostergau, Schwabengau, Serimunt, Wetsgau (Meletici und Serimunt lagen rechts der Saale, Husitin breitete sich von Kahla bis Weimar.)
Kahla III 480, Tille 5.
849/73 Thakulf, dux Sorabici limitis, Herzog der serbischen Grenzmark,
849 Herzog Thakulf hat vermutlich die linkssaaligen Burgen von Rudolstadt, Orlamünde, Kahla, Dornburg, Großjena, Goseck und Merseburg entstehen lassen.
S. o. 632. Gesch. Weidas 1 Heft 3, S. 40
852 Erste Reichsversammlung auf thüringischem Boden. König Ludwig der Deutsche beruft sie in der Nähe Erfurts.
Ann. Fulda 852, Knochenhauer 28, Fackelstein 28, devrient 18.
856 Links und rechts der mittleren Saale setzen sich die Sorben fest.
Osterland VI 166
856 Herzog Thakulf zieht gegen die Sorben, die im östlichen Gebiet noch hausen. Die Saalesorben sind an seiner Seite.
Osterland VI 166
1280 Ein Conrad von Cal zeugt in einer Gleisbergischen Urkunde. Somit wird der Name Kahla erstmals erwähnt. Vermutlich war dieser Conrad v. Cal ein Burgherr.
1283 wird Kahla erstmals als lobdeburgischer Besitz urkundlich ausgewiesen. In einer zu Kalle aufgenommenen Urkunde bekennen die Brüder Herrmann der VII und Albrecht der III genannt von der Leuchtenburg, gegenüber dem Bischof Engelhard zu Naumburg, dass von ihrem Vetter die Hals- und anderen Gerichte von Tautendorf und Eineborn an den Klosterkonvent in Roda abgetreten worden sind.
1287 am 19. Juli Urkunden Hermann VII. und Albrecht II. von der Leuchtenburg in Kahle (Kahla). Sie geben bekannt, dass ihr Vater Hartmann von Lobdeburg ebenfalls von der Leuchtenburg genannt wird, in Übereinstimmung mit ihren Vorfahren.
1333 am 15. Februar überlassen die Vetter Albrecht IV. und Johannes I. edle Herren zur Leuchtenburg, die Leuchtenburg sowie die Burg und Stadt Kahla den Brüdern Grafen Heinrich IX. und Günther XVIII. zu Schwarzburg um 1.550 Schock Groschen.
Damit wird Kahla schwarzburgisch.

Herren der Stadt:

918 Unter den Besitzungen in Thüringen, die den Königszins zu entrichten haben, ist auch Cale (Kahla) mit dabei.
1194 Ein Gottschalk von Cal war Mitzeuge in der berühmten Orlamünder Pfarrurkunde des Erzbischofs Konrad.
1200 wurde in Kahla die römische Stadtkirche und der untere Teil ihres Turmes errichtet.
1206 Gottschalk von Cal und seine Söhne Gottschalk und Heinrich treten als Zeugen in einer Urkunde auf.
1280 ein Conrad von Cal zeugt in einer Gleibergischen Urkunde. Somit wird der Name erstmals genannt. Vermutlich war dieser Conrad von Cal ein Burgherr.
1283 wird Kahla erstmals als lobdeburgischer Besitz urkundlich ausgewiesen. In einer zu Kalle aufgenommenen Urkunde bekennen die Brüder Herrmann der VII und Albrecht der III genannt von der Leuchtenburg, gegenüber dem Bischof Engelhard zu Naumburg, dass von ihrem Vetter die Hals- und anderen Gerichte von Tautendorf und Eineborn an den Klosterkonvent in Roda abgetreten worden sind.
1287 am 19. Juli Urkunden Hermann VII. und Albrecht II. von der Leuchtenburg in Kahle (Kahla). Sie geben bekannt, dass ihr Vater Hartmann von Lobdeburg ebenfalls von der Leuchtenburg genannt wird, in Übereinstimmung mit ihren Vorfahren.
1288 am 07. Mai bekunden Arnold, Pleban von Kahla, in einer Urmunde Hermanns und Albrechts von der Lobdeburg, Herren von der Leuchtenburg.
1293 erscheint eine Gerdrutis de Kayl als Domina (= Herrin, ehemals Ehrenname römischer Damen) de Kal bezeichnet.
1297 Reinhold, Pleban (= Katholischer Priester einer Stadtkirche) in Cale ist Zeuge einer Urkunde Hermanns und Albrechts von der Leuchtenburg.
1298 Gertrudis de Kayl wird als Relicta (= Hinterlassene, Witwe) de Kal bezeichnet.
1299 am 12. Juni Urkunden Hermann VII. und Albrechts II. in Kahla.
1333 am 15. Februar überlassen die Vetter Albrecht IV. und Johannes I. edle Herren zur Leuchtenburg, die Leuchtenburg sowie die Burg und Stadt Kahla den Brüdern Grafen Heinrich IX. und Günther XVIII. zu Schwarzburg um 1.550 Schock Groschen.
Damit wird Kahla schwarzburgisch. Es wird mit dem Bau der Befestigungsanlagen begonnen.
1345 am 03. Mai stürmen die Erfurter die Stadt Kahla und zerstören das Schloss (die Burg) und die Häuser der Stadt. Am 28. Juli verzichten die Schwarzburger auf Kahla.
1350 am 19. März verpfändet Landgraf Friedrich die Stadt Kahla für 258 Silbermark und 1.000 Pfund Heller an den Grafen Günther XVIII. von Schwarzburg.
1392 Heinrich von Paradies, ein reicher Bürger in Erfurt, ist Pfandbesitzer Kahla und der Leuchtenburg. Er trifft einen Bauern beim streng verbotenen Fischen an. Er hängt ihn kurzerhand an die nächste Weide. Darauf erfolgt eine Beschwerde bei den Markgrafen Friedrich und Wilhelm. Drei Tage später wird die Leuchtenburg am 25. November gestürmt.
1428 am 18. März belehnt Kurfürst Friedrich die Kahlaer Bürger zur Verbesserung ihrer Brücke und eine Viehtrift zu schaffern mit einem Holz, die Leube genannt. Damit erwarb die Stadt ihren Wald im Leubengrund.
1485 durch den Leipziger Vertrag spalten sich die Wettinger in zwei Linien - in Ernestiner und Albertiner. Kahla kommt zur Ernestiner Linie.
1572 Teilung der Ernestiner in eine fränkische und eine Meininger (Weimar) Linie. Kahla und die Leuchtenburg bleiben bei Weimar.
1603 Teilung der Thüringischen Linie in eine Altenburger und eine Weimarer Linie. Es entsteht das Fürstentum Sachsen/Altenburg, zu dem Kahla und die Leuchtenburg gehört.
1672 Die Linie des Fürstentums Sachsen/Altenburg erlischt. Kahla und die Leuchtenburg fallen an die 1640 von der Weimarer Linie abgespaltene Linie Sachsen/Gotha.
1679/80 Teilung der Gothaer Linie. Es entsteht das Fürstentum Gotha/Altenburg, zu dem Kahla gehörte.
1825 erlischt das Fürstentum Gotha/Altenburg. Es kommt zur Neuaufteilung des Territoriums. Es entsteht das Herzogtum Sachsen/Altenburg, zu dem Kahla und die Leuchtenburg gehörten.
1870/71 Kahla gehört zum Bundesland Sachsen/Altenburg, das wiederum als Gliedstaat zum Deutschen Kaiserreich gehört.
1918 Der Herzog von Sachsen/Altenburg verzichtet in der Novemberrevolution auf die Regierung. Es entsteht der Freistaat Sachsen/Altenburg.
1920/21 geht der Freistaat Sachsen/Altenburg durch Gemeinschaftsvertrag der Thüringer Staaten in den Freistaat Thüringen auf, die aber wiederum ein Gliedstaat des Deutschen Reiches (Weimarer Republik) werden.
1934 wird die staatliche Souveränität des Landes Thüringen durch Gesetz aufgehoben. Es entsteht der Nationalsozialistische Einheitsstaat.
1945 Mit der bedingungslosen Kapitulation wird die völkerrechtliche Souveränität Deutschlands aufgehoben. Es beginnen erste Ansätze regionaler Selbstverwaltung eines Regierungsbezirkes Thüringen.
1952 Im Zuge der Verwaltungsreform wird die föderale (= streben nach dem Bundesstaat mit weitgehender Selbstständigkeit) Staatsorganisation beseitigt. Somit auch das Land Thüringen. Es werden Bezirke eingesetzt. Kahla gehört bis 1989 zum Bezirk Gera.
1990 Neugründung des Landes Thüringen.

Hospital und Siechenhaus:

1443 Ein Armen- und Siechenhaus wird erwähnt.
1532 Im Hospital wird eine neue Badestube eingerichtet.
1555 Bewilligen die Herzöge aus dem eingezogenen Kirchengut der Stadt 20 Gulden. Davon erhält das Siechenhaus 5 Gulden.
1643 Am 3. Februar wird H. Fav. Matz mit Frau gegen Hinterlegung von 20 Gulden im Siechenhaus aufgenommen. Er darf die Stadt wöchentlich zweimal abbetteln.
1651 Im Februar großes Hochwasser auf der Saale. Um auf die Brücke zu gelangen musste ein großer Laufsteg angelegt werden.
1655 Im Februar erneut großes Hochwasser. Der Steg vom Hospital zur Brücke muss erneuert werden. Die Kirchhofsmauer sowie ihr Tor wurden von den Fluten verschlammt.
1713 Der Kahlaer Stadtrat verkauft das Siechenhaus an der Brücke an den Töpfermeister Georg Hönniger.
1732 steht am Sondersiechenhaus das Wasser zwei Ellen hoch.
1786 wird an der Jenaer Straße ein neues Hospital gebaut.
1806 Am 15. Oktober ziehen die Franzosen aus Kahla ab. Es kommen aber tausende von Verwundeten an, die im Spital und Armenhaus untergebracht werden mussten.
1813 900 französische Gefangene und außerdem 700 verwundete Österreicher werden erwartet. Viele von ihnen mussten aus Platzmangel in der großen Scheune des Leimsiedlers Lange untergebracht werden.
1864 am 5. März wird dem Hospitalaufseher das Recht unbotmäßige Hospitalinsassen mit 3 Rohrstockhieben zu bestrafen neu bestätigt.
1896 genehmigt der Bürgervorstand den Neubau des Hospitals an der Bibraer Landstraße (heute Friedensstraße). Die Baukosten sind auf 26.000 Mark veranschlagt. Davon sind bereits 17.000 Mark als Erlös vom alten Hospital an der Bahnhofstraße vorhanden. Erbaut wurde das Hospital vom Baumeister Hermann Jecke.
1827 wird das neu gebaute Hospital am 28. September eingeweiht.
1905 beschließen die städtischen Bürgervorstände den Bau eines neuen Krankenhauses beziehungsweise den Umbau des Hospitals. Diese Maßnahme basiert auf den Vortrag des Geheimen Hofrats Prof. Dr. Gärtner in Jena über die akute Typhusgefahr.
1905 wird am 1. November erstmals eine Krankenschwester als Pflegerin eingesetzt. Am 14. Dezember veräußert die Stadt das Eisenachsche Grundstück in der Heimbürgestraße Nr. 1 und 2 an Johannes Jecke um 14.000 Mark. Dafür erwirbt sie vom Generaldirektor Potzler zwei Flurstücke am Parnitzberg für den Bau eines Krankenhauses. Es ist aber nie etwas daraus geworden.
1907 schenkt Porzellanfabrikant Karl Lehmann am 16. Januar der Stadt einen Krankentransportwagen.
1976 wurde eine Kreispoliklinik im ehemaligen neuen Verwaltungsgebäude des Porzellanwerkes eingerichtet und am 22. Dezember 1980 eingeweiht. Heute wird dieses Haus noch von verschiedenen Ärzten genutzt.

Innungen:

1452 Herzog Wilhelm setzt den Gesindelohn fest.
1455 Die Wollweber errichten eine Innung (Urk. - Buch 101)
1474 Die ältesten Statuten der Schuster und Loher werden errichtet. Die Innung wählt die Stadtheilige zu ihrer Patriotin.
1482 Die Schneiderinnung erlässt ihre Statuten.
1492 Die Innung der Gerber und Schuhmacher gibt neue Statuten heraus. Ebenso die Fleischer.
1505 Eine Schmiedebruderschaft tut sich auf.
1507 Die Innung der Schuster und Loher erneuert ihre Statuten.
1535 Pößnecker und Kahlaer Tuchmacher ziehen unter Kaiser Karl den V. im roten Wams gegen Tunis.
1551 Herzog Johann Friedrich der II. bestätigt die Satzungen des Maurer- und Steinmetzenhandwerkes.
1564 Die Orlamünder Schneider müssen in die Kahlaer Zunft eintreten.
1615 Die Böttcherinnung gibt sich Satzungen.
1640 Das Fleischerhandwerk überreicht dem Rat für Nutzung der Fleischerbänke wieder die üblichen 15 Steine Unschlitt.
1647 Der Landrat hat den Fleischerpfennig genehmigt.
1711 Der Rat bestimmt, dass die Töpfer nachts nicht brennen dürfen und ihre Häuser mit Ziegeln abzudecken haben.
1714 Das Tuchmacherhandwerk leiht vom Rat 89 Gulden zu 5 % in seiner Streitsache mit den Leinewebern. Es verpfändet dafür sein Färbehaus.
1717 Die Mauerer von Orlamünde scheiden aus der Kahlaer Innung aus.
1722 Die Glaser und Drechsler richten eine Innung ein. Die Statuten werden am 11.09. vom Herzog bestätigt.
1736 Die Schneider- Innung gibt sich Satzungen.
1775 Beschwerde der Maurer, weil der Rat zur Pflasterung von Straßen altenburgsche Steinmetzte zugezogen hat.
1777 Das Fleischerhandwerk ersteht in der Subhastation die Fleischerbankgerechtigkeit Johann Tobias Straubels für 104 fl. zuzüglich 20 fl. Abgabe an die Kämmerei und 6 rl. gr. Kosten.
1784 Es besteht eine Leimsiederei.
1813 Die Wanderbücher für Handwerksgesellen werden eingeführt.
1814 Die Schneiderinnunng ersucht den Rat um Beschränkung der Meisterzahl.
1823 Nach einem zweijährigen Prozess darf Färber Hempel im Stadtbach nicht mehr spülen.
1824 Färbermeister Johann Heinrich Hempel hat einen Webstuhl zur Herstellung von Baumwollwaren aufgestellt. Die hiesigen Leineweber protestieren dagegen. Der Streit endet mit einem Vergleich.
1826 Die Seiler-Innung ersucht den Rat um Beschränkung der Meisterzahl.
1831 Kaufmann Christian Eckardt richtet eine Privatschule (Sonntagsschule) für Handwerksgesellen und Lehrlinge ein.
1835 Die Seiler-Innung verpflichtet ihre Lehrlinge, die Sonntagsschule (Josef-Schule) zu besuchen.
1843 den Fleischern wird die Schafweide auf den mit spanischen Klee, Luzerne und Esparsette bestellten Feldern im ersten und zweiten Jahr verboten.
1844 Ein Gewerbeverein wird gegründet, der wöchentlich einmal im Rathaus tagt.
1851 Vom Schwurgericht Altenburg werden wegen der Verbreitung aufrührerischer Schriften im Jahre 1848 verurteilt, u. a. ein Leinewebermeister zu 3 Monaten Gefängnis. Beim Bau einer Barrikade vor dem Jenaer Tor sind ein Schirrmacher, ein Leinewebermeister und Schuhmachermeister beteiligt und werden wegen Zusammenrottens angeklagt und verurteilt.
1856 Der aus Bürgel zugezogene Färbermeister August Eisenach eröffnet eine Färberei.
1857 Unter den Ratsassessoren gibt es einen Buchbinder, einen Tuchmachermeister und einen Maurermeister.
1861 Der Rat verhandelt mit den Bäckern, Fleischern, die seither die Bänke im Rathaus gegen Lasszins innegehabt haben.
1891 Der Maurerverein weiht eine Fahne.
1899 Die Fleischerinnung wird neu ins Leben gerufen.
1900 Die neu entstandene Schneiderinnunng gibt sich Satzungen.
1901 Die neu entstandene Sattler- und Tapezierinnung für Kahla-Roda gibt sich Satzungen.

Jagdwesen:

Jagen bedeutet schnell verfolgen, hetzen, fangen, erlegen. Im althochdeutsch (8. Jh.) Jagon. Die Jagd ist eng mit der Geschichte der Menschheit verbunden. In der frühsten Zeit der menschlichen Entwicklung war das Erlegen von Tieren eine wichtige Voraussetzung der Ernährung (es gab ja noch keinen Ackerbau) und Kleidung. Erst im 6. Jahrtausend erfolgte der Übergang von Jagd zur Sammlerwirtschaft zum Ackerbau und zur Viehzucht.
1516 Im September jagt Herzog Johann in Hummelshain. Seine Jagdbeute waren 16 große Hirsche. Am 16. September schießt er am "Baltz" bei Trockenborn einen großen Hirsch, der von Pirschbrüdern gehetzt in sein Wildhaus stürmt und aus dem Fenster springt, um in Richtung Hummelshain zu flüchten. Am Schloss wird er schließlich mit dem Spieß gefällt.
1517 jagd Herzog Johann wiederholt in Hummelshain. Fürstlichen Verwandten, die ihren Besuch ankündigen, schrieb er, dass in Hummelshain wenig Lager sei und dass er dort keine Gäste aufnehmen könnte (das alte Schloss war sehr klein), aber er werde für Herberge in Kahla sorgen.
1557 wird eine Jagdgerichtsordnung erlassen. Infolge der großen Hege ist das Wild so zahm, dass es in Rudeln von 15 bis 20 Stück am hellen Tag bis in den Stadtgraben von Kahla kommt.
1615 wird ein Sebastian von Bronsart als Jägermeister in Hummelshain aufgenommen.
1620 tritt die Stadt Orlamünde ihr Jagdrecht, dass vom Hasenfang bestand, an den Herzog ab, der dafür alljährlich ein Stück Wild liefert und die alte Lache zum Fischfang freigibt. Auf dem Rieseneck lässt Herzog Johann Phillip ein Gehege für seine Wildbahn in Hummelshain anlegen. Der Grund dafür war, dass Kahlaer Bürger Schießen und Jagen ungebührlich betrieben haben sollen.
Hans Otto Köhler ist 30 Jahre Wildwart auf dem Rieseneck.
1652 erlässt Herzog Friedrich Wilhelm eine Jagd-, Forst-,Tax- und Weideordnung. Das Konsistorium (kirchliche Verwaltungsbehörde) untersagt dem Superintendent Freisleben die Jagd in Schmieden.
"Auf der unteren Bahne" erlegt die herzögliche Familie 4 Hirsche, einen Rehbock und ein Reh. Die Wildmeister und Jäger am Amt Eisenberg erlegen an der reußischen Grenze (Reußen sind ein vogtländisches Fürstengeschlecht. Von Heinrich den Russen bzw. Reußen stammt die Bezeichnung) einen Bären, der 6 Zentner schwer ist.
1660 lässt Herzog Friedrich Wilhelm II. auf dem Rieseneck eine Wildbahn anlegen. In Fiedebach wird ein Bär aufgespürt. Im Revier Hummelshain erlegen Herzog Friedrich Wilhelm II. und die Herzogin Madalena Sibylle 33 Hirsche, 1 Spießer (Bock mit kurzen Geweihstangen), 14 Stück sonstiges Wild, 8 Kälber, 1 Rehbock, 4 Rehe, 1 Bache und 3 Füchse.
1661 wurden in Hummelshain 3 Wölfe gefangen.
1738 verbietet die Regierung den Wilddiebstahl und beschließt sehr strenge Bestrafungen.
1785 findet am 8. Juli eine Verhandlung in Kahla statt. Verhandelt wurde zwischen dem Geheimrat von Griesheim und Vertretern von Orlamünde und Großeutersdorf die Anlegung von Wildzäunen. Die Zäune wurden gestattet, doch mussten die Gemeinden, die zum Treiben des Wildes über die Saale die erforderlichen Mannschaften stellen.
1786 Oberlandjägermeister Freiherr von Schmerzing verlangte am 23. September von der Orlamünder Treibermannschaft, dass sie bei Jagden durch die Kahlaer, Bibraer, Eicherberger und Großeutersdorfer Flur als Treiber mitzugehen haben und sich am Kahlaer Zollhaus bereitstellen müssen.
1830 erwirdbt der füstlich reußische Forstmeister Gustav Adolf Theodor von Wasner das Rittergut in Gumperda.
1830 befiehlt der Herzog am 14. September den Forstbeamten, dass in die Dorffluren eintretende Wild unter Zuziehung von Gemeindebewohnern zu verscheuchen. Am 15. September versammlt sich die Kahlaer Bürgerschaft im Rathaus. Bürgermeister Ferdinant Pierer regt die Gründung einer Bürgerfragestunde an. Es werden 16 Deputierte gewählt. Das Anliegen der Bürgerschaft wird den Deputierten schriftliche überreicht, die es auch dem Prinzen Georg, der am nächsten Tag die Stadt besucht, bekannt geben soll. Das schriftliche Anliegen hatte 18 Punkte. Punkt 16 forderte die Verminderung des Wildes bis auf einen Rest der Untertanen keinen Schaden mehr zufügt. Zu Sprechern der Deputierten werden Eckardt und Lehmann ernannt.
1847 wird in Reinstädt das Gräflich Hohentalsche Schloss niedergerissen und an dessen Stelle eine Försterwohnung erbaut. Durch den Forstgehilfen Mehlhorn lässt die Stadt Kahla ihren Waldbestand in Lindiger, Hummelshainer und Schmöllner Flur aufzeichnen sowie abschätzen.
im Stadtwald wird im kalten Grunde (Leubengrund) mit Rücksicht auf den drohenden Wildschaden wierde ein Gebiet umfriedet.
1848 eine lebhafte Bürgerversammlung am Nachmittag des 13. März im Rathaus. Eine freie Vereinigung stellt 13 Forderungen auf. Die 1. Forderung verlangte die Beseitigung aller Rehe. Am 17. März genehmigen und unterschreiben Stadtrat und Bürgerschaft die Petition und übergeben sie dem Landtagsabgeordneten Postmeister Vogt zur Mitnahme nach Altenburg. Am 20. März erklärt die Regierung, dass sie den Tiergarten in Hummelshain kleiner gestalten und alle in ihm befindlichen Privatgrundstücke freigeben will. In einer besonderen Bekanntmachung fordert sie Besonnenheit, Rechtsinn und Treue.
Am 2. April befiehlt der Herzog den Forstbeamten, am 3. April mit dem Abschießen der Rehe zu beginnen, bei Haftung mit ihrem Vermögen. Das Nachrichtenblatt berichtet darüber in einem Aufsatz, der die Überschrift "Zu spät" trägt. Beck.
Am 6. April allgemeine Jagd, an der sich fast alle Bürger beteiligen. Früh 8.00 Uhr sammeln sich die Jäger auf dem Markt, wo die städtische Kapelle Jagd- und Freiheitslider spielt. Gegen 9.00 Uhr wird ausgerückt, durch die Roßstraße und das Obere Tor. Johann Christian Pfaffendorf, Amtschulheiß in Löbschütz, schreitet am Samtbarett, schwarzen Wams und lederne Hosen, barfuß in niedrigen Stiefeln und säbelumgürtet an der Spitze. Die Krautgärten, Parnitz, das Oberbachgebiet, die Lehmgrube, Schmieds Tal, Hornissen- und Schlemnitzer Berg, Mordgraben, Komisch, Ritschke und Scheffeläcker werden bejagt. Beute 3 Rehe und "etwas mehr" Hasen. Rast auf dem Birkenhain bei Bier und Bratwürsten. Plötzlich wird das Militär angekündigt. Zurück in die Stadt "Bürger heraus". Nach der Brücke , um den Soldaten den Zutritt zu wehren. Diesen gibt der in der Stadt weilende Regierungsrat Schuderoff Gegenbefehl, so dass ein Zusammenstoß vermieden wird. Bewaffnete Scharen aus Orlamünde und dem Reinstädter Grunde eilen herbei, um den Bürgern beizustehen. Degen, La-ha, Beck.
1848 In 46 Gemeinden des Amtsbezirks sind vom 1. April bis Mai 1319 Rehe abgeschossen worden. Der Bestand zählte nur noch 550 Stück.
1850 verpachtet die Stadt Kahla am 29. August die Jagd in der Kommunwaldung.
1909 General von Hindenburg nimmt an der Jagd teil. Er übernachtet im "Goldenen Löwen" am Markt.
1919 Am 5. April werden in Hummelshain 3.200 Meter Zaun vom Tiergarten versteigert.
1930 am 6. Februar bereitet das Amtgericht in Kahla die Zwangsvollstreckung des Besitzes des letzten Altenburger Herzogs vor. Die Nachricht hat große Teile der Kahlaer Bevölkerung in Aufregung versetzt. Besonders die Naturfreunde befürchten um den Fortbestand der Waldungen. Am 27. Mai beginnt die Abforstung des Riesenecks.
Von ca. 158 ha bewaldeter Fläche fallen 100 ha der Aktion zum Opfer. Es sind herrlich gewachsenen 41-90 jährige Bestände. Eines der schönsten Waldgebiete stirbt.
1939 kauft die Stadt Kahla vom Herzog Ernst von Sachsen-Altenburg ein 1,94 ha großes Waldstück im Leubengrund unweit der Linzmühle. Kaufpreis 2.950 Reichsmark.
1972 vom 29.-30. September fand in Hummelshain das erste Fest des Waldes und der Jagd statt.

Die Kirche in Kahla:

806 In Kahla besteht eine christliche Gemeinde. Die Burg hat eine Kapelle mit einem Kaplan (der Pfarrkirche zugeordneter katholischer Priester).
1335
Der Kahlaer Pfarrer Werner wird durch Abt Berthold des Klosters Reinsdorf und Propst (Leiter eines Stifts oder Klosters) Dietrich zu Rossleben exkommuniziert, also wegen schwerer Vergehen aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgeschlossen. Da die Stadt Kahla aber zu Pfarrer Werner hält, wird sie mit dem Interdikt belegt (das vom Papst erlassene Verbot kirchlicher Handlungen, mit Ausnahme der Taufe. Glocken durften nicht läuten, aller kirchliche Schmuck musste entfernt werden. Beerdigungen ohne kirchliche Gebräuche stattfinden usw.).
1415
Das Taufglöckchen "Rex Gloriae" wird als erste Glocke beschafft. Die Glocke trägt die Aufschrift:
"O rex glorie, veni cum pace"
(O König der Ehre, komme mit Frieden).
1446
Am 20. Januar bestätigt der Generalkommissar des Erzbistums zu Mainz, Dr. Jakob Hartmann, die vom Priester Heynack gestiftete öffentliche Messe am Marienaltar der Stadtkirche.
1466
wird die Stadtkirche zum ersten Male nach der Stadtheiligen "Margaretha" benannt.
1470
wird das kleine Vesper- bzw. Sterbeglöckchen Benigna in Erfurt gegossen. Sie trägt folgende Aufschrift:
"Anno d(omi)ni m cccc lxx, do laud(um) sig(na), m(ihi) nomen dulce benigna a(t)q(ue) deo dig(n)a voco cantica pello maligna, feria quinta post d(ominicam) V"
(Im Jahr des Herrn 1470, ich gebe die Zeichen zum Lob, ich trage den süßen Namen die Gütige und rufe zu Gott würdigen Gesängen, ich vertreibe das Schädliche, am Freitag nach dem Sonntag (Estomihi?).
1483
am 14. November schreibt der Generalrichter des Mainzer Stuhls eine Kollekte für die Reparatur der baufälligen Kapelle St. Nikolaus aus.
1486
Beginn des Neubaus der St.-Nikolaus-Kapelle.
1487
Der Rat einigt sich mit dem Pfarrer Johannes Honßheim wegen der Dinge der St.-Nikolaus-Kapelle. Dem Pfarrer von St. Margarethen soll auch die Oberaufsicht über den Gottesdienst in St. Nikolaus zustehen. Der Rat hat das Patronat.
1488
Am 2. Juni bestätigt der Generalvertreter des Mainzer Stuhls, Vikar Johannes von Dingelstädt, die 1485 vom Stadtrat und Nikolaus Goynitz gestiftete ewige Vikarei am Altar der Heiligen Jungfrau und der Heiligen Drei Könige in der Stadtkirche.
1495
Das Kirchtum wird fertig gestellt, vermutlich auch die Kirche in ihrem heutigen Grundriss (laut Urkunden im Turmkopf).
1496
In Kahla in der Blankenmühle wird der berühmte Tonsetzer und Komponist geistlicher Gesänge, Johann Walter geboren. Er war ein enger Freund und der musikalische Berater Martin Luthers und wurde zum Begründer der evangelischen Kirchenmusik.
1507
Konrad Rupsch, Hofkapellmeister von Altenburg-Weimar und Priester, wird erster evangelischer Pfarrer in Kahla. Vermutlich kam er aber nie nach Kahla, sondern hatte nur die Pfründe inne (Einkünfte aus einem Kirchamt). Er berief Johann Walter als Bassisten in die Hofkapelle und ging später mit ihm nach Wittenberg, um Luther musikalisch zu beraten.
1509
Die große Festtagsglocke Concordia wird in Erfurt gegossen. Sie hat 150 cm Durchmesser. Die Aufschrift lautet:
"ANNO D(OMI)NI XVc IX JAR, CONCORDIA HEIS ICH, HEINRICH CIEGELER G(OS) M(ICH), Im Jahr des Herrn 1509".
Der Rat von Saalfeld stand dabei Pate.
1512
Priester Nikolaus Goynitz schenkt der Kirche zur Dotation (Stiftung) der Messen am Altar der Heiligen Jungfrau ein Haus in der Burg, vermutlich das spätere Diakonat (Burg 14) im Wert von 100 Gulden und außerdem einen Weinberg auf dem Rödel im Werte von 40 Schock Schneeberger Groschen.
1516
Die große Sonntagsglocke "Maria" wird wie schon die Concordia von dem bedeutenden Glocken- und Geschützgießer Heinrich Ciegeler in Erfurt gegossen. Ihre Inschrift lautet:
"Anno d(omi)ni xvc xvi Consolor viva flere mortua pelle noci(va), h(einrich) c(iegeler)"
(Im Jahr des Herrn 1516. Ich tröste, was lebt, beweine, was gestorben, vertreibe, was schädlich).
1517
Luther schlägt am 31. Oktober seine 95 Glaubenssätze an die Schlosskirche zu Wittenberg. Damit beginnt die Reformation in Deutschland. Am 10. Dezember 1520 verbrennt Luther die Drohschrift des Papstes öffentlich vor dem Elstertor in Wittenberg. Am 3. Januar 1521 spricht der Papst über Luther den Kirchbann und die Exkommunikation aus. Somit darf keiner mit dem Geächteten verkehren oder ihm helfen. In den Kirchen musste dies bekanntgegeben werden.
1524
ist Luther auf dem Weg nach Orlamünde und predigt auch in Kahla. Am 18. September wird der Orlamünder Pfarrer Bodenstein (Karlstadt) des Landes verwiesen. Der Kahlaer Pleban Bonifazius wird, weil er sich für Luther eingesetzt hat, ebenfalls des Amtes enthoben und der Stadt verwiesen.
1528 Endgültige Einführung der Reformation. Pfarrer Johann Weber in Neustadt an der Orla wird zum ersten Superintendent für Kahla, Orlamünde und Stadtroda ernannt.
1530
treibt ein Widertäufer sein Unwesen. Drei ungetaufte Kinder werden mit 3 Jahren in einem in der Kirche aufgestellten Wasserzuber nachgetauft.
1588
Die St.-Nikolaus-Kapelle wird zum Gottesdienst bei Begräbnissen genutzt.
1615 wird in der Stadtkirche die jetzige Kanzel gesetzt. Sie trägt die Inschrift:
"Hoc suggestem M. Johanne Tischner eccelsia pastor Theodorico Wigando consule, Severino Grosen aedile exstrucum est mense Septembri anni Christiani MDCXV".
"1. Corinter am ersten. Wir predigen dem gekreuzigten Christum, den Juden ein Ärgernis, und den Griechen eine Torheit, denen aber die berufen sind, bei den Juden und Griechen predigen wir Christum."
1618
erhält die Kirche St. Nikolaus eine Orgel, die vom Ezechiel Greuzscher erbaut wurde.
1717
am 17. April Flurumzug der gesamten Kahlaer Bürgerschaft und Reformationsfeier. Die gesamte Bürgerschaft mit dem Amt, dem Stadtrat und den Schülern und Lehrern geht dreimal um die Kirche herum und singen das Lied „Ach Gott, dein armes Luthertum geht itz ins dritte Säkulum (= Jahrhundert)“.
1750
schleuderte der Sturm zu Himmelfahrt die Taufglocke ins Kirchenschiff hinunter.
1752
verordnet die Regierung, dass Kinder, die zum Abendmahl gehen wollen, vorher ein Jahr die Schule besucht haben müssen.
1769
gibt es eine neue Läuteordnung. Mit ihr wird das dreimalige Anschlagen mit der Glocke wieder eingeführt.
1807
wurde ein neues Gesangbuch eingeführt.
1809
Nach einem Mandat zur Sonntagsfeier sind am Sonn- und Festtagen die Läden während des Gottesdienstes zu schließen, am Bußtage dürfen sie erst nach dem Nachmittagsgottesdienst geöffnet werden.
1817
am 31. Oktober zur Feier des Reformationsfestes sammelt sich die ganze Kirchgemeinde auf dem Markt und singt: „Nun lob mein Seele den Herren“. Unter feierlichem Glockengeläute geht der Zug, dem die Amts- und Ratspersonen, die Geistlichkeit und die Schulkinder mit den Lehrern voranschreiten, in die Kirche. Dort steht eine große Ehrenpforte mit der Inschrift: „Eine feste Burg ist unser Gott“. Auch das Innere der Kirche ist festlich geschmückt. Kanzel, Altar und Taufstein sind durch Handelsmann Gottfried Wilhelm Schmidt neu bekleidet. Auf dem Altar liegt eine Bibel zwischen brennenden Kerzen. Hinter dem Altar steht Luthers Bild in Bronze gesetzt, mit Kränzen und Blumen umwunden. Gemeinsames Abendmahl. Am folgenden Tag wird nochmals gefeiert, ebenfalls mit Gottesdienst. Die Armen werden gespeist.
Am 3. November noch eine Sonderfeier für die Schuljugend bei Spiel und Tanz sowie Kaffee und Kuchen.
1850
Am 22. September wird in der Margarethenkirche die Orgel von Schulz in Milbitz für 316 rt (Reinländer Taler) repariert.
1859
setzt eine städtische Verordnung am 22. Juni für Glockenläutengebühren 25 Groschen für die große Leiche, 15 Groschen für die mittlere und 3 Groschen und 5 Pfennige für die kleine fest.
1871
wird der Klingelbeutel abgeschafft. Den Geistlichen wird dafür eine bare Entschädigung zugesprochen.
1877
vom 1. bis 2. September Nationalfeier. Am 2. September Frühgottesdienst und Nachmittag Festumzug der Vereine und der gesamten Bürgerschaft unter starkem Glockengeläute und Musik. Der große Festzug endet auf dem Kirchplatz. Hier erfolgt die Weihe des vom Bildhauer Kreische in Jena geschaffenen Kriegerdenkmals (nach 1945 abgerissen).
1895 am 1. und 2. September eine große Sedangedenkfeier. Festgottesdienst in der Kirche.
1897
wird am 27. Mai die neue Friedhofskapelle geweiht.
1914
erfolgt am 6. September die feierliche Einführung des Pastors Ernst Petzold.
1918
wird Kahla am 21. Juni in zwei Seelsorgebezirke eingeteilt, deren Abgrenzung ungefähr durch den Reinstädter Unterbach gebildet wird.
1923
am 3. Juni Einweihung der Gedenktafeln in der Stadtkirche für die im Weltkrieg gefallenen Angehörigen der Stadt durch Kirchenrat Burger. Auf 5 Gedenktafeln wurden 283 Namen verzeichnet. Die Tafeln befinden sich an der Nordwand des Schiffes, gegenüber der Kanzel (Entwurf und Ausführung der Tafeln in Muschelkalk - Kunststein durch Bildhauer Leidenfrost in Kahla). Die Namen der Gefallenen wurden mit schwarzer Farbe, die Überschrift über dem Ganzen in Gold abgesetzt. Hinter den Tafeln wurde eine Urkunde eingemauert mit Angaben über die Entstehung des Denkmals, Namen der Mitglieder des Kirchenvorstandes und der Kirchenvertretung, den Denkmalausschusses, der Geistlichen und sonst. Kirchenbeamten, des Bürgermeisters der Stadt, des Bildhauers und aller Mitarbeiter.
1926
am 31. Dezember war Kantor Traugott Kneisel 40 Jahre im Dienste der Kahlaer Kirche.
1933
Die Einstellung der Partei nach ihrer „Machtergreifung“ zur Kirche hat viele Leute enttäuscht. Eine Zeit lang wurden die Predigten in der Kirche nachstenographiert. Die uniformierten Amtsträger durften nicht an kirchlichen Beerdigungen teilnehmen. Bei Beerdigungen in der Friedhofs-Kapelle musste eine Parteifeier der kirchlichen Feier vorangehen, worauf die Uniformierten geschlossen abmarschierten, und nun erst konnte der Pfarrer die kirchlichen Feiern vornehmen. Die Jugend hatte natürlich dieselbe Einstellung zur Kirche, nur konnte sie die Begriffe „Kirche“ als Gebäude und als Religionsgemeinschaft nicht auseinander halten und so wurde nicht nur die Predigt beeinträchtigt durch die Fanfaren und Landsknechtstrommeln, sondern auch Fenster und Dachschiefer der beiden Kirchen waren oft genug Angriffsziele. Für die Weihnachtslieder gab es neue NS-Texte, die sich jedoch nicht durchsetzen konnten.
1935
am 1. Oktober beginnen größere Dachreparaturen am Turm der Stadtkirche. Am 28. Oktober riss der Sturm in der Nacht vom südwestlichen Seitenturm der Stadtkirche die Kuppel herab. Die Kuppel hat einen Durchmesser von 65 cm und wiegt 104 Pfund.
Durch ein Loch von 3 cm Weite, das vermutlich von einer Gewehrkugel herrührte. Es wird vermutet, dass von dem in der alten Schule 1918 einquartierten 173er Schützenregiment einige geschossen haben. Durch das Loch sind mit der Zeit Wespen hineingekrochen und haben sich dort ein Nest gebaut.
Auch das Hauptdach des großen Turmes (103 cm Durchmesser) muss herabgenommen und repariert werden. Am 2. Dezember wurde bei der Abnahme des Knopfes vom Hauptturm der Stadtkirche eine Pergament-Urkunde gefunden, die in lateinischer Sprache abgefasst war und nach deutscher Übersetzung in ihrem ersten Teil das Ev. Johannes 1 - 14 enthält.

Daran schließt sich folgender Bericht:
„Im Jahre des Herrn 1495 wurde dieser Bau errichtet, zu welcher Zeit der verehrungswürdige Mann und Herr Honßheym Leutpriester dieser Kirche und Titzel Drauningk Bürgermeister und Heinrich Günther Richter dieser Stadt war“.

Die Rückseite des Pergaments enthält noch die Bemerkung:
„Der Schreiber ist Nicol Günther, Presbyter, ferner zur Gymnasial-Schule dieser Stadt gehörig zu eben dieser Zeit“.

Obiger Mitteilung ist zu entnehmen, dass nicht wie bisher aus den Steininschriften am Turm geschlossen wurde, der ganze Turm vollendet wurde, sondern nur der gemauerte Teil und dass der hohe Helm mit den 4 Filial-Türmen erst viel später, vielleicht an Stelle eines provisorischen Notdaches aufgerichtet wurde.

In den Knopf des großen Turmes kommt die Nummer des Kahlaer Tageblattes vom 2.12. sowie die Nummer vom 9.11., welche die Urkunden wiedergibt, die dem Knopf des Nord-West-Filialturmes anvertraut wurden.

Sie lautet:
„Im Herbst des Jahres 1935 werden Dach und Türme unserer Margarethenkirche gründlich instand gesetzt und ihre Schäden beseitigt. Die Hauptarbeiten übertrug man dem Schieferdeckermeister Edwin Schweiger in Saalfeld, dessen Vater am 12. April 1902 bei einer ähnlichen Arbeit an unserer Kirche tödlich verunglückte. Der Zimmermeister Hermann Undeutsch führt die Zimmerarbeiten aus und die Klempnermeister Kurt und Gerhard Müller erledigen die Klempnerarbeiten. Die Bauleitung und Aufsicht hat Stadtbaumeister Albert Meyer. Die Geistlichen der Gemeinde sind Oberpfarrer Wilhelm Genßler und Pfarrer Ernst Petzold. Der Kirchenvorstand setzt sich zusammen aus Oberpfarrer Wilhelm Genßler, Pfarrer Ernst Petzold, Oberlehrer i. R. Otto Trommler, Maurermeister Franz Grafe, Prokurist Karl Gumpert, Postinspektor Erwin Jung, Kaufmann Karl Lehmann und Kaufmann August Werner.
Die Kirchenvertretung bilden der eben genannte Kirchenvorstand und Bürgermeister Dr. jur. Paul Mehlhorn, Kaufmann Wilhelm Cutik, Anna Meyer geb. Ranis, Ratsvorarbeiter Otto Büchel, Buchdruckereibesitzer Max Beck, Buchhändler Paul Hauch, Kaufmann Karl Günther, Drogist Richard Clajus, Lehrer Karl Anders, Seilermeister Kurt Thym, Rechtsanwalt Dr. Fritz Götze, Martha Kellner geb. Wick, Gerichtsoberwachtmeister Gustav Schöneck, Bäckereimeister Gustav Steiniger, Porzellanmaler Paul Fischer, Lehrer Edgar Straubel u. a.“

Am 3.12. wird der Knopf des Hauptturmes wieder aufgesetzt. Er hat 103 cm Durchmesser und wiegt 130 Pfund. Die Stacheln sind 35 cm lang. Es wurden der Kugel eingeführt:

  • 1 kupferne Kapsel mit den Nummern des Kahlaer Tageblattes,
  • 1 Foto der vorgefundenen alten Urkunden von 1495,
  • kleine Fotos, die während der Arbeiten gefertigt waren,
  • mehrere Bilder der Stadt und Umgebung (aufgenommen vom höchsten Baugerüst aus),
  • 1 kupferne Kapsel mit Angaben, die der Dachdeckermeister gemacht hatte.

Der Knopf verließ 13.24 Uhr den Erdboden und genau 14.00 Uhr saß er wieder an seiner alten Stelle. Unter der Kugel befindet sich ein 6 m hoher kupferner Schaft, bevor die Schieferung beginnt. Die hölzerne Spitze des Turmes war stark beschädigt durch das eindringende Wasser und auch stark verbogen. Die kranken Teile der Holzspitze wurden abgeschnitten, so dass die Kugel jetzt um 1,70 m tiefer saß als vordem. Hundert Personen beobachten das Aufziehen und Aufsetzen der Kugel, ein Vorgang, der sich vielleicht alle 400 Jahre wiederholt.
1945
am 9. Dezember erhält Kahla erstmals wieder einen katholischen Seelsorger, den Franziskanerpater Lukas König. Die Stadt wird Lokalkaplanei von Gera. Als Gottesraum wird ein Nebenraum der Gaststätte „Zur Erholung“ in der Friedensstraße gepachtet. Betreut werden neben Kahla weitere 54 Ortschaften des Umlandes mit ca. 2000 Katholiken. Pater König, der gehbehindert ist und nur über ein Fahrrad als Transportmittel verfügt, hält auf sechs Stationen - Orlamünde, Uhlstädt, Zeutsch, Gumperda, Reinstädt und Hummelshain - regelmäßig Gottesdienste ab und übt die Seelsorge aus. (Mitt. der kath. Kirche).

Die Leuchtenburg:

Vom 436 m hohen Bergfried der Leuchtenburg hat der Naturfreund einen großartigen Rundblick ins mittlere Saaletal, ins Schiefergebirge an der oberen Saale, in den Thüringer Wald bis zum Kickelhahn und zum Großen Inselsberg, bei klarem Wetter sogar bis zum Kyffhäuser im Harz. Auf dem rechten Saaleufer erheben sich drei markante Muschelkalkberge aus der sie umgebenden Buntsandsteinlandschaft. Die "Leuchtenburgstörgung" ist in der Geologie ein bekanntes Schulbeispiel für Reliefumkehr. Diese Gesteine gehören der Trias-Formation an und sind rund 200 Millionen Jahre alt.
1221 Erste urkundliche Erwähnung der Leuchtenburg, "Herr des oberen Schlosses Lobdeburg".
1227 "Hermannus de Luchtenberg", Herr des oberen Schlosses der Lobdeburg.
1333 Verkauf der Leuchtenburg mit Kahla und Roda an die Grafen von Schwarzburg.
1373 Brand der Leuchtenburg, außer dem Bergfried und den Wehranlagen fallen alle romanischen Bauten dem Brand zum Opfer.
1392 Erstürmung der Leuchtenburg durch die Wettiner.
1396 Leipziger Vertrag, Verkauf der Leuchtenburg durch die Schwarzburger an die Wettiner (2100 Schock Freiberger Groschen).
1401 Die Leuchtenburg wird als wettinisches Amt zum Verwaltungsmittelpunkt von 30 Dörfern, bei seiner größten Ausdehnung von 120 Dörfern und 3 Städten.
1451-52 Vitzthumsche Fehde, Belagerung der Leuchtenburg und Übergabe an Herzog Wihelm von Sachsen.
1453 Erweiterung der Befestigungsanlagen, Bau der 4 Wehrtürme.
1525 Großer Deutscher Bauernkrieg. Nach der Niederlage werden die aufständischen Bauern der Umgebung auf der Burg entwaffnet.
1548 Kaspar und Balthasar von Hagenest zu Kleinlöbichau werden als Wegelagerer auf der Leuchtenburg gefangen gesetzt und nach "peinlicher Befragung" zum Tode durch das Schwert verurteilt.
1552 Nach dem "Schmalkaldischen Krieg" hält sich die Frau des von Kaiser Karl V. gefangen gehaltenen Kurfürsten Johann Friedrich und ihre drei Söhne auf der Leuchtenburg verborgen.
1553 umfangreiche Verstärkung der Wehranlagen und Vertiefung des versiegten Brunnens in halbjähriger Arbeit auf 80 Meter Tiefe.
1612 Der "Marterturm" wird als Gefängnis ausgebaut.
1657 Der Amtmann der Leuchtenburg bestätigt den guten Zustand der Burg und berichtet, dass die Bevölkerung im Dreißigjährigen Krieg die Burg wiederholt als sicheren Zufluchtsort aufsuchte.
1658 Am 18. Juli brennen Turm, Amtshaus und hinteres Wohngebäude nieder, danach Bau des heutigen Hauptgebäudes.
1700 Verlegung des Amtes Leuchtenburg-Orlamünde nach Kahla. Umbau der Burg in ein Zucht-, Armen- und Irrenhaus-
1724 Eintreffen der ersten Strafgefangenen. Bis 1871 sind über 5000 Menschen auf der Burg inhaftiert gewesen.
1869 Als vorletztes Fürstentum wird in Sachsen-Altenburg im Zuchthaus Leuchtenburg das Kettentragen der Häftlinge bei der Arbeit abgeschafft.
1871 Auflösung der Strafanstalt.
1873 Die Leuchtenburg wird dem Fremdenverkehr erschlossen. Umbau des ehemaligen Arbeitshauses als Hotel. Abriss des Männer- und Weiberzuchthauses.
1906 Im Torgebäude (ehemalige Kaserne) wird die bereits 1876 auf der Leuchtenburg aufbewahrte Sammlung des Kahlaer Geschichts- und Altertumsvereins als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
1920 Gründung der Jugendherberge Leuchtenburg.
1945 Amerikanischer Artelleriebeschuß beschädigt die Burg.
1963 Das Museum Leuchtenburg wird Kreisheimatmuseum für den Kreis Jena.
1969 Die Rechtsträgerschaft über die Leuchtenburg erhält die Gemeinde Seitenroda, anschließend umfangreiche Restaurierungsarbeiten an der historischen Bausubstanz.

Der Markt:

Der Markt war die wichtigste Vorstufe zur Stadtbildung.
Erste und wichtigste Voraussetzung war die Handelsstraße Leipzig - Nürnberg, heute noch belegbar durch unseren „Heerweg“. Blicken wir zurück. Die Kaufleute mit ihren schweren Planwagen mussten ja auch einmal Rast machen. Da sie damals den Angriffen von Wegelagerern (Raubrittern) ausgesetzt waren, suchten sie einen sicheren Ort. In Kahla gab es seit dem 7. Jahrhundert die Grenzburg, in deren unmittelbarer Nähe die Händler Sicherheit fanden. So suchten sich die Kaufleute in der Nähe der Burg einen Platz zum Ausspannen und das war mit hoher Wahrscheinlichkeit unser heutiger Marktplatz. Man kann auch sicher annehmen, dass bei dieser Gelegenheit die mitgeführten Waren ausgelegt wurden, womit ein provisorischer Markt entstand. Und bekanntlich zieht ein Markt die Menschen an. Das ist noch heute so. Es muss noch einmal unterstrichen werden, dass der Marktplatz äußerst wichtig für das Wesen und die Entwicklung einer Stadt im Mittelalter war. Er ist das Herz der Stadt, auf ihn konzentriert sich fast der gesamte innerstädtische Verkehr. Hier stehen Stände, Buden, Bänke, Verkaufstände, in denen Kaufleute, Händler und Handwerker sowie Landleute ihre Waren anbieten. Und vor allem hier steht das wichtigste Gebäude der Stadt, das Rathaus, aber auch die Apotheken und die Häuser der Kaufleute. Dort treffen sich täglich die Bürger, um ihre Produkte umzusetzen und zu kaufen und dorthin gehen auch die Bewohner der umliegenden Dörfer. Zu den Jahrmärkten kommen fremde Großhändler, um den Bürgern die Erzeugnisse aus fernen Ländern oder Städten zuzuführen. Vom Marktverkehr hat auch die Entwicklung der städtischen Freiheit ihren Ausgang genommen. Wir sehen also: sehr wichtig für die frühmittelalterliche Stadt ist der Markt. Das Rathaus war ein Zeichen städtischer Selbstständigkeit. Unterm Strich: Ohne Markt erteilt der Stadtherr kein Stadtrecht.
1575 Protestiert der Kahlaer Stadtrat beim Kurfürsten gegen die Verleihung eines Wochenmarktes an Orlamünde, um den diese Stadt nachgesucht hat.
1577 Verleiht am 10. Oktober Kurfürst August der Stadt Kahla das Recht, am Sonntag Lätare (freu dich), einen Jahrmarkt abzuhalten. (Lätare = der 4. Sonntag des Fasten, Freudensonntag. Weil der Papst an diesem Sonntag die goldenen Rosen weihte, heißt er auch Rosensonntag. Er wird aber auch in manchen Gegenden Deutschlands Totensonntag genannt.)
1657 Am 12. Februar bittet der Stadtrat die Gestattung eines Kram- und Viehmarktes zu Sankt Gallen (Sankt Gallen = Kanton in der Schweiz). Die Hauptstadt ist entstanden durch den Missionär Sankt Gallus im Jahre 620. Gallus war Ire und Schüler des hl. Golumbanus, mit dem er nach Frankreich zog. Gedächtnistag ist der 16. Oktober.
1663 Verlangt die Brücke von dem zum Markt getriebenen Viehs eine Abgabe und ein Stadtgeld.
1683 Wird der erste Gallus-Viehmarkt wie alle Viehmärkte auf dem Gries abgehalten.
1695 Erhält die Stadt Kahla das Recht, nach Margaretha am 18. Juli einen Jahrmarkt abzuhalten.
1698 Bestimmt der Rat, dass das Vieh erst nach Gallus Auf die Wiesen getriebnen werden darf.
1713 Der Stadtrat hat den Schuhmachern für die Jahrmarktstände die Schuhgasse (heute August Bebel Strasse) angewiesen. Sie finden sie aber zu eng und wollen einen anderen Platz. Sie wenden sich mit ihrer Beschwerde nach Gotha.
1723 Erhält die Stadt das Recht an den Lätare-, Margaretha- und Galluskrammärkten vorhergehenden Dienstagen je einen Viehmarkt abzuhalten.
1723 Verleiht am 06. Dezember Herzog Friedrich II. der Stadt Kahla das Recht, am Mittwoch in der Pfingstwoche einen Woll- und Viehmarkt abzuhalten.
1731 Wird der Markt bereits um 11.00 Uhr ausgeläutet.
1736 Der Markt wird wieder um 12.00 Uhr ausgeläutet.
1831 Am 04. Oktober findet ein Vergleich mit Bibra statt. Demnach zahlen die Bibraer Händler mit landschaftlichen Produkten nur noch die Hälfte der Marktabgaben.
1833 Findet ein weiterer Vergleich statt. Wegen Irrungen Im Marktrecht wurden die Großeutersdorfer beim Handeln mit landwirtschaftlichen Produkten von der Marktabgabe befreit.
1847 Auf dem Wochenmarkt bildet die Bevölkerung samt der Knabenschule am 19. Juli auf dem Markt um das erste zum Verkauf gestellte Getreide aus der neuen, sehr guten Ernte, einen Kreis. Ein Bürger hält eine ergreifende Ansprache. Unter Posaunenklängen wird entblößten Hauptes „Nun danket alle Gott“ gesungen. Am 12. September wird erneut eine ergreifende und erhebende Feier des Erntefestes abgehalten. Früh wurde ein Choral vom Altan des Rathauses geblasen. Dann singt auf dem Markt vor einer reich geschmückten Bühne eine Liedertafel. Die Bürgerschaft, Bürger und Geistliche versammeln sich. Auch sie singen gemeinsam ein Danklied. Superintendent Ernst, Friedrich, August Findeleisen hält eine Predigt. Dann erfolgt unter Musik und Glockenläuten beim Vorangehen der festlich geschmückten Schuljugend der gemeinsame Kirchgang. Der Altar in der Kirche ist mit Erntkränzen geschmückt. Im Rückblick auf die überstandene Großnot fließen viele Tränen.
1848 Am Nachmittag, 14.00 Uhr rücken am 14. Oktober von Seitenroda Soldaten in die Stadt ein. Es war das reußische Bataillon, 17 Offiziere, 696 Mann und drei Pferde mit geladenem Gewehr. Am 28. Oktober ziehen sie früh 10.00 Uhr vollständig ab. Aber Nachmittags 14.00 Uhr rücken Sachsen, bestehend aus einem Schützenbataillon unter Oberst von Reizenstein mit 21 Offizieren, 714 Mann und 8 Pferden auf dem Markt ein.
Erst am 02. November verlassen sie wieder die Stadt.
1581 Am 02. Juli dürfen die Marktbuden nicht mehr in den Straßen der Stadt stehen, sondern nur auf dem Markt.
1852 Am 12. Februar erfolgt eine stadträtliche Verordnung über den Wochenmarkt. Der Handel mit Getreide wird freigegeben. Außerdem wird der Marktwisch für ihn abgeschafft. Er hat stattzufinden im Sommer von früh 06.00 Uhr an, im Winter von früh 07.00 Uhr an bis nachmittags 14.00 Uhr. Höken und Händler dürfen erst von Vormittag 11.00 Uhr ab, auf dem Markte Lebensmittel aufkaufen.
1865 Erhält die Stadt das Recht, in der 2. vollen Woche des Dezembers einen Krammarkt abzuhalten.
1866 Von Juli bis August wütet die Cholere. Die Märkte fallen aus.
1868 Erlass einer neuen Marktordnung am 30. Mai, die sofort in Kraft tritt.
1873 Erhält Kahla am 19. April die Erlaubnis, noch zwei Schafmärkte je am ersten Montag in den Monaten Juli und Oktober abzuhalten. Die Stadt erhält das Recht, mit dem Weihnachtskrammarkt an 5 Montagen in der Fastenzeit, sowie an den Montagen in den Monaten Juli und Oktober je einen Viehmarkt abzuhalten.
1877 Auf dem Viehmarkt am 17. Juli stehen über 1000 Rinder und über 500 Schweine zum Verkauf. Sie finden reißenden Absatz. Die Bahn stellt 32 Wagen zum Verladen von 318 Ochsen bereit. Am 12. Juli verliert Löbschütz einen gegen Kahla angestrengten Prozess wegen Viehmarktstättengelder in zweiter Instanz. Am 12. Juli werden die Schafmärkte im Juli und Oktober wieder rückgängig gemacht.
1892 Vom 21. bis 22. August großes Schadensfeuer am Markt. Zwölf Spritzen treten in Tätigkeit. Sechs Häuser auf der Rathausseite fallen den Flammen zum Opfer. Das Rathaus konnte gerettet werden und der „Fürstenkeller“ (ehemal. Haus der Jugend) wurde durch die Rudolstädter Spritze vom Brand bewahrt. Beim Wiederaufbau der abgebrannten Häuser am 28. November der Marktnordseite wird die Fluchtlinie zum Rathaus gerade gelegt und das Heimbürgsche Haus wird dem Rathausbau angegliedert. Somit eine Vergrößerung, die wir noch heute sehen können. Bei der Begradigung mussten einige Häuser 2-9 Meter einrücken.
1914 Montag, am 03. August wird in Kahla erstmalig „Schlange gestanden“. Auf der Sparkasse wollen sehr viele Leute, vor allem Landbewohner Geld abheben. Polizei und Feuerwehrleute sorgen für Ordnung.
1917 Am 19. April werden 24. Frauen daran gehindert, Gemüse auf dem Wochenmarkt nach Jena zum Verkauf zu bringen. Die Geschäftsleute und Marktverkäufer erwarten am 07.12. ein gutes Weihnachtsgeschäft. „Kauft am Ort“ so der Appell an die Kahlaer Bürger.
1919 Volksversammlung auf dem Kahlaer Marktplatz am 01. April. Sie wurde einberufen von Bürgermeister Dr. Paul Mehlhorn.

Münzwesen:

1565 Herzog Johann Friedrich der II. verbietet das ausländische Geld.
1571 Die Mansfeld-, Schwarzburg- und Braunschweiger münzen werden verboten.
1620 Kipper- und Wipperzeit (Münzschlechterer Kippe = Goldwaage für Münzen, Goldwiegen (Wippe). Später wird kippen abzwacken vom Münzrand, als Münzbeschneider verstanden).
1621 Wird am 21. September in der Rosengasse das Haus der Juden, die Münze gestürmt und geplündert. Sie wurden aus der Stadt gejagt und vertrieben.
1841 Einführung der neuen Münzwährung des Vierzehntalerfußes. Der 20er wird für 6 Groschen in Courantgeld und für 5 Groschen und 5 Pfennige in Konventionsgeld gerechnet. Der Stadtrat lässt eine Umrechnungstabelle aufstellen und in 3000 Exemplare verteilen.

Nieder-Kahla:

Nieder-Kahla war die Bezeichnung für die Stelle an der sich das Gut der Burg Kahla befand. Es lag etwa zwischen dem Porzellanwerk und des Güterbahnhofes. Hier befanden sich die Äcker und das Gut mit den Viehställen, den Ackergeräten und den Scheunen. Aber auch die Katen, in denen die Menschen wohnten, die das Burggut bearbeiteten, für die Versorgung der Burgleute.
1446 Wegen der Krieggefahr (Burgenkrieg der Thüringer Fürsten) wird die Landbevölkerung und damit auch die Menschen in Nieder-Kahla entgültig in die Stadt gezogen.
Nieder-Kahla, Komisch, Lochau, somit die Dörfer waren verschwunden. Wegen des großen zuwachses in der Stadt, werden die Teile des Walpersberges, des Hornissenbergs, die Ritschke, der Schlemmsterberg, Camisch und andere Stücke, soweit das nötig ist zum Ackerland geschlagen. Die Stadtflur gewinnt damit ihr heutiges Bild.
1726 bestimmt der Kahlaer Rat, das die Wiesenbesitzer in der Flur Nieder-Kahla die Flußufer selbst zu erhalten haben.

Die Nikolauskapelle:

Die Nikolauskapelle lag ursprünglich auf dem Weg nach Bibra, da wo der Weg zur Kohlau abzweigt. Es ist nicht bekannt wann und warum die Kapelle an die Saalebrücke verlegt wurde. Sie wurde zuerst 1458 in Otto Wagners Schuldenverschreibung gegen zwei Juden über 6 aßo (ist Altschock = 64 Groschen) erwähnt. Da wird die Kapelle Sankt. Niclaus zu Brucken bezeichnet.
1484 stiftet der Bürger Johannes Apel aus Orlamünde der Kapelle 20 Gulden.
1485 Beginn der Vollendung des Neubaus der Nikolauskapelle.
1495 Der Kirchturm wird fertig gestellt, vermutlich auch die Kirche in ihrem heutigen Grundriss.
1505 Kurfürst Friedrich und Herzog Johann verkaufen auf Wiederkauf um 600 Gulden einen jährlichen Zins von 25 Gulden an der St. Nikolaus und weisen der Stadt dafür einen Teil ihrer Jahresrente an.
1532 dient die Kirche St. Nicolai als Lagerraum für Baumaterial. Ihr Gestühl kommt in die Pfarrkirche.
1547 Die Spanier plündern die Vorräte der Nikolauskapelle.
1559 wird die Nikolauskapelle teilweise mit Schiefer gedeckt.
1562 wird die Kanzel der Nikolauskapelle in die Stadtkirche gebracht.
1588 wird die Nikolauskapelle zum Gottesdienst bei Begräbnissen genutzt.
1611 wird die Gottesackerkirche St. Nikolaus mit neuen Bänken und Gestühl ausgestattet.
1665 erhält die Kirche St. Nikolaus eine von Ezechiel Greuzscher erbaute Orgel.
1665 erhält die Gottesackerkirche eine neue Empore.
1665 werden die drei Felder am Predigtstuhl der Gotteskirche bemalt.
1665 zerschlagen die Schweden in der Kirche St. Nikolaus die Türen und Fenster.
1665 am 17. August wütet in Kahla ein großes schweres Gewitter. Der Blitz schlägt in die Gottesackerkirche ein und beschädigt das Dach und fährt ohne zu zünden neben der Gottesackertüre zur Erde.
1665 großes Hochwasser der Saale, der Steg vom Hospital nach der Brücke muss erneuert werden. Die Gottesackermauer und ihr Tor sind weggerissen. Die Gottesackerkirche ist völlig verschlammt.
1678 werden in der Gottesackerkirche St. Nikolaus die Empore, die Stühle und Bänke erneuert.
1815 am 19. Juli werden zehn neue dreispännige Wagen zerlegt und in der Gottesackerkirche gelagert.
1839 wird das Beinhaus von St. Nikolaus in eine Leichenkammer umgewandelt.
1844 am 29. Dezember feierliche Weihe der Gottesackerkirche, die 1806 und 1815 als Kriegsmagazin gedient hatte. Die Wiederherstellung und Neueinrichtung kostete 448 Taler 27 Groschen und 8 Pfennige.
1888 in der Stadtkirche werden umfangreiche Baumaßnahmen ausgeführt. In dieser Zeit findet der Gottesdienst in der Nikolauskapelle statt.
1892 wird am 20. November der neue Friedhof in der Bibraer Landstraße eingeweiht. Damit kam das Ende der Gottesackerkirche St. Nikolaus.
1986 am 1. Dezember wird die Nikolauskapelle von der evangelischen Kirchgemeinde abgekauft und wechselt somit in den Besitz der katholischen Gemeinde.

Pfarrei:

1434 Die Abgabe der Pfarrei an den Sank Georgenstift wird von 10 Aßo (Altgroschen) auf 4 Schock (Groschen) im Jahr ermäßigt.
Nikolaus Heller, Pfarrer in Kahla, hält am 03. Juni seine erste Messe im Kloster zu Orlamünde.
Am 23. September verpachtet Pfarrer Nikolaus Heller das 50 Acker (ein Acker war 20 Quadratruten = 64,431 ar) große Pfarrgut auf seine Lebenszeit an eine Reihe von Bürgern gegen einen Jahreszins von 40 Scheffeln (1 Scheffel = 100 Liter) Weizen.
1546 Der Ertragswert der Pfarrei beträgt 96 Gulden, 18 Groschen und 5 Pfennige, der des Diakonats 66 Gulden, 12 Groschen und 2 Pfennige. Beginn des Schmalkaldischen Krieges.
1571 Pfarrer und Superitendent Wolf zum zweiten Male abgesetzt. Den Predigtstuhl erhält einstweilen der Diakonus Spieler.
1572 Martin Mirus aus Weida wird Pfarrer in Kahla.
Die Wirtschaftgebäude der Pfarrei brennen ab. Deshalb wird der Rest von 12 Acker, vom ehemals 50 Acker großen Pfarrgut um 2,200 Mfl. veräußert. Die katholischen Pfarrer hatten schon 40 Acker gekauft.
1848 Am 03. Mai wird die dritte Klasse der Mädchenschule in das Erdgeschoss der Superintendantur verlegt.
1862 erhält Richardt Jecke am 01. Mai den Auftrag zum Neubau der Superintendantur für 5.100 rl. (Rheinländer Taler). Der Zimmermeister Röhr bekommt die Zimmerarbeiten für 3,042 rl. übertragen.
Zum Neubau des Oberpfarreigebäudes wird am 18. Juli der Grund gelegt. Die Oberleitung erhält Architekt Blumenstein aus Jena. Die Baukosten betragen 11.000 Taler.
1863 am 20. April beginnt der Abbruch der alten Superintendantur, genannt das Kloster. Am 06. August wird nach dem völligen Abbruch der Grundstein zum Neubau der Bürgerschule (heute alte Schule neben der Kirche) gelegt. Eine Schülerin legt in den Grundstein eine Kapsel. Sie enthält eine Beschreibung der Bauverhandlungen, einen Kahlaer Kalender, die letzte Nummer des Nachrichtenblattes, die letzten Marktpreise und einige Münzen.

Plünderungen:

1632 am 16. Juli quartiert Oberst Hofkirch mit 5 kurfürstlichen Regimenten in Saalfeld ein. Kahla muss 100 Pfund Brot und 3 Rinder liefern.
Am 10. Oktober durchziehen plündernd Streitkorps des Wallensteinschen Heeres die Stadt Kahla.
1632 am 13. Oktober schwere Plünderung der Stadt Kahla von früh 10.00 Uhr bis Nachmittag 16.00 Uhr durch Kroaten. Kirche, Rathaus, die Schule und viele Bürgerhäuser werden hart mitgenommen. Die Rats- und Standespersonen schwer misshandelt. Die Türen und Fenster wurden eingeschlagen, die Kelche aus der Kirche gestohlen.
Am 27. Dezember befiehlt von Erfurt aus der schwedische Generalleutnant Herzog Wilhelm von Sachsen den Beamten v. Kahla, Roda und Eisenberg, der im schnellen Vormarsch befindlichen Armee 50.000 Pfund Brot und 100.000 Maß Bier zu beschaffen (1 Maß = 0,39 Liter). Davon einen Teil nach Eisenberg zu bringen, den anderen Teil auf weiteren Befehl bereit zu halten.
1636 Im Dezember rücken die Schweden vor Kahla. Sie reißen Teile der Saalebrücke ein und verbrennen sie. Die Brücke war damals aus Holz. Das Brückenschiff wurde losgelöst und den Fluten der Saale übergeben.
Sie verwüsteten die Badestube. In der Nikolauskapelle, im Hospital und in der Brückenscheune zerschlagen sie sämtliche Türen und Fenster. Die Brücke wurde 1637 wieder aufgebaut.
1640 Die Schweden sprengen im April erneut die Saalebrücken. Am 10. Juni kommen schwedische Reiter aus dem Lager von Saalfeld nach Kahla und berennen die Stadt. Sie werden aber erfolgreich abgewiesen. Sie brennen die Scheunen in der Kohlau nieder und zerstören Teil der Brücke. Die Zahl der Schweden wird auf 2.500 bis 3.500 geschätzt.
Die Verteidiger hinter den Mauern der Stadtbefestigung haben "sehr viele Angreifer erschossen".
1806 Am 12. Oktober in der Frühe 11.00 Uhr rückt das Korps des französischen Generals Augerau in Kahla ein. Nachmittags nach 13.00 Uhr ziehen von Neustadt her in ununterbrochenen Kolonnen auch die Truppen des Marschalls Lannes in die Stadt Kahla ein. Die napoleonischen Soldaten benehmen sich äußerst anmaßend und sehr gewalttätig. Sie fordern Brot, Wein und Branntwein, Brandschatzen die Häuser und drangsalieren böse die Einwohner.
Ein großer Teil der Truppen, die in der Stadt nicht unterkommen, lagern an Wachtfeuern auf den Felder links der Jenaer Landstraße. Höchst unruhige Stunden mit großem Lärm und schwere Besorgnis. Unaufhaltsame Durchmärsche und Plünderungen sowie Misshandlungen der Bürger dauern bis tief in die Nacht hinein.

Porzellan:

Die Abhängigkeit der kleinen Manufakturen von der großen Porzellan AG
bestand mit Belieferung von Weißporzellan, das Buntschmelzen in der AG, denn die meisten kleinen Malereien besaßen keine eigenen Schmelzöfen. Weiterhin in der führenden Rolle der A. G. in der Dekorgestaltung. Nur Dekore, die nicht in der AG hergestellt wurden, durften zur Gestaltung des Porzellans angewendet werden. So wurden zum großen Teil Landschafts- und Ortsansichten für den Tourismus, Wappenbilder, Werbeartikel, handgemalte Sprüche, wertvolle Zierporzellanmalereien u. a. m.

Ein Beispiel veranschaulicht dieser Zwang: Bernhard Horn, ein revolutionärer Sozialdemokrat, hatte am 1. Mai 1892 demonstriert. Er musste auf Anweisung des Generaldirektors Bünzli aus der Firma Lehmann fristlos entlassen werden. Ansonsten wird die Firma Lehmann nicht mehr mit Weißware beliefert.

Eine zweite große Porzellanfabrik war die Lehmannsche Fabrik.
1815 kam Carl August Lehmann aus dem Erzgebirge nach Kahla um die Papiermühle im Leubengrund zu erwerben (3. Mühle). Er starb am 9. Juni 1851.
1864 erwarb Carl-August Lehmann II. die Saalmühle, in der er später für Röschlau und Gen. Porzellanmasse herstellte.
1868 Die Kochschen Porzellanarbeiter Ernst Röschlau, Julius Louis Müller und Otto, Lois Büchel erbauen eine Porzellanfabrik (heutiges Ärztehaus).
Es kam wie es kommen musste, die Röschlauische Fabrik hatte wenig Abnehmer, die Produktion stagnierte. Kein Geld in der Kasse und somit konnten die Rohstoffe nicht mehr bezahlt werden. Das fiel auch Lehmann schmerzlich auf die Füße.
1870 Lehmann musste, ob er wollte oder nicht das Porzellanwerk in Zahlung nehmen. Nun firmierte die zweite Porzellanfabrik in Kahla unter den Namen C. A. Lehmann II., kurz genannt die alte "Lehmannsche".
1888 Die Lehmannsche hat sich gut entwickelt. Es standen 5 Öfen, die auch immer in Betrieb waren.
1888 am 31. August verstarb C. A. Lehmann II. Seine Söhne Carl-August Lehmann III. und Theodor Lehmann erbten den Betrieb und die Saalmühle. Sie setzten die Produktion fort.
1891 musste die Lehmannsche an die Porzellan-Aktiengesellschaft verkauft werden.
1894/95 Die Lehmanns bauen am nördlichen Stadtausgang eine neue, moderne Porzellanfabrik, die mit neuster Technik ausgestattet war. Beschäftigt waren bis 300 Arbeitskräfte.
1917 am 24. März segnete C. A. Lehmann III. das zeitliche und sein ältester Sohn C. A. Lehmann IV. übernahm im letzten Kriegsjahr 1918 die Fabrik.
1932 Die Porzellanfabrik Carl-August Lehmann und Sohn geht in Konkurs. Sie hat die Nachkriegskriese nicht überstanden. Die Produktionsräume wurden anderweitig genutzt.
Neben den beiden Großbetrieben gab es 19 kleinere Manufakturen und Porzellanmalereien, die mehr oder weniger von den Großbetrieben abhängig waren, in dem Sie Weißwaren und besondere Aufträge erhielten.
1831 Porzellanmalerei Wilhelm Ludwig, Roßstraße 14, Verkauf von Porzellan-Keramik und Glaswaren.
1846 Porzellanmalerei Wilhelm Ludwig in der Kohlau. Hier abgebrannt und
1849 in der Roßstraße 36 neu eingerichtet.
1863 Porzellanmalerei Julius Hermann-Friedrich Lange, Bergstraße 5 und später Burg 19, Paul Hermann-Franz Lange (Sohn) Bergstraße 5.
1868 Porzellanmalerei D. Zahn.
1890 Porzellanmalerei August Frank sen. Roßstraße 34 (1912 August Frank jun. Bachstraße 75).
1892 Porzellanmanufaktur Bauer und Lehmann Bergstraße 10 - Franz Lehmann 1893 ausgeschieden! Anton Bauer Alleininhaber, ab 1930 Schwiegersohn Wilhelm Cutik.
1902 Porzellanmalerei Baum u. C. (ehem. Pampus und Gen.) Schulstraße 4.
1903 Porzellanmalerei Kaspar Beetz, Gerberstraße am Degens Teich. Das Porzellangeschäft war am Markt, das von seiner Ehefrau Anna Beetz betrieben wurde.
1905 Porzellanmalerei Karl-Friedrich Trautsch, Jenaer Landstraße 1/3, Porzellanmalerei Maria Heinze Jenaer Landstraße 13, Porzellanmalerei Paul Lange, Betrieb mit Schmelzofen und Laden, Bergstraße 20, Porzellanladen, Burg 19, Porzellanmalerei Julius Müller, Bergstraße 5.
1913 Porzellanmalerei Leube und Sachse.
1926 Porzellanmalerei Albert Leube und Paul Moorth, Töpfergasse 7a neben der Malerei Laden für Haushaltwaren, Porzellanmalerei Anton Bauer mit Verkaufsladen, Gartenstraße 1.
1930 Porzellanmalerei Paul Seiler, Bergstraße 20.
1970 Kahlaer Porzellanmanufaktur K. G. Es schlossen sich zusammen: A. Frank, Bauer und Lehmann sowie P. Seiler.
1972 Kahlaer Prozellanmanufaktur K. G. wandelt sich um zum VEB.

Post:

Geschichte der Post in Kahla, besonders die Postverbindungen vor 200 Jahren.

Was heißt Post?

Die Post ist eine Einrichtung zur Beförderung von Brief-, Paket- und Geldsendungen und zur Übermittlung von Nachrichten. Die örtliche Dienststelle ist das Postamt, früher die Poststation. Die Post ist eine öffentliche Beförderungseinrichtung einschließlich Personen, Wagen und Pferden. "Post" ist entlehnt aus dem italienischen "posta", d. h. von einem Vorsteher verwaltete Station, an der Pferde und Boten gewechselt werden können. Ursprünglich von Kaufleuten organisierte Einrichtung zur schnellen Nachrichtenübermittlung und wurde später auf die gesamte Beförderungseinrichtung übertragen. "posta" bedeutet eigentlich ein festgesetzter Punkt, ein Ort und Platz.

Durch Kahla gingen vor 300 Jahren zwei Postlinien. Eine seit 1702 bestehende von Leipzig und Naumburg, Jena, Saalfeld und weiter, die andere von Weimar über Jena nach Pößneck und Schleiz. Zuerst führen die Kutschen nur einmal, später zweimal in der Woche und schließlich jeden Tag. Wie überall ich den Städten an der Postlinie befand sich auch in Kahla eine Poststation, oder besser gesagt eine Pferdewechselstation. Sie befand sich in der Roßstraße, der ehemaligen Hofstatt des Rates der Stadt. Der Posthalter hatte die Aufgabe, die nötigen Pferde bereitzustellen, Postsachen zur Weiterbeförderung entgegen zu nehmen und dem Postwagen mitzugeben. Das letztere war sehr wichtig, weil die Kutschen maximal nur sechs Personen befördern konnten. Der vom Posthalter ausgestellte Reiseschein galt nur einen Tag und für die Person, deren Name darauf stand. Außerdem durfte der Reisende seinen Sitzplatz nicht selbst aussuchen, er bekam ihn zugewiesen. Nicht befördert wurden Kinder unter drei Jahren und Hunde. Verboten war das Rauchen von Zigarren oder Pfeife. Wer zur Abreise zu spät kam, hatte kein Recht auf Fahrgeldrückerstattung. Das Gepäck musste mindestens eine halbe Stunde vor Abfahrt bereitstehen. Bei Wagenwechsel musste der Fahrgast für die Umladung sorgen.

Es gab aber auch Beschwerdebücher. Aus ihnen kann man entnehmen, dass die Wagen oft in einem sehr schlechten Zustand waren. Auch die Straßenverhältnisse waren in einem miserablen Zustand. Radbrüche waren keine Seltenheit. Das schlimmste war das Umkippen des Wagens oder das Feststecken im Morast. Also keineswegs eine romantische Angelegenheit.

Reisen kostet viel Geld. Bei einfachen Fahrposten mussten pro Meile (7,5 km) 5 Groschen, bei Eilpost 8 Groschen bezahlt werden. Eine Meile wurde etwa in 50 Minuten zurückgelegt. Darüber hinaus gab es noch die Extrapost, die nicht an die vorgeschriebene Route gebunden war. Sie durfte auf Zeichen des Posthorns alle anderen Postkutschen überholen. Der Pferdewechsel durfte nicht länger als 10 Minuten dauern. Das hatte auch seinen Preis. Der Reisende musste pro Pferd und Meile 10 Groschen zuzahlen und dazu noch ein gutes Trinkgeld von 5 Groschen Wartung zahlen. Selbst Brücken- und Chausseegeld ging auf Kosten des Reisenden. Das war die "gute alte Zeit"! Durch die Roßstraße floss wie in den anderen Straßen der Oberbach und wenn die Kutsche zum Aussteigen hielt, konnte es schon passieren, dass ein Fahrgast beim Aussteigen in den Bach fiel. Erst 1857 wurde nach massiven Beschwerden der Bach an der Ausstiegstelle mit Bohlen abgedeckt.
1615 erste Verhandlungen zwischen dem Kaiserlichen Reichspostmeister und dem Churfürstlichen Postmeister aus Leipzig, um zwischen den Messeständen Frankfurt und Leipzig eine Postverbindung herzustellen, die 1616 (= Gründungsjahr der Reichspost in Thüringen) mit den Thüringischen Städten angelegt wurde.
1806 Gründung der Fürstlich Thurn und Taxischen Lehenpost.
1817 Im Herzogtum Sachsen-Altenburg gilt der abgeschlossene Lehenspostvertrag durch das ehemalige Reichspostamt Altenburg (Lehenspostanstalt u. a. Kahla im Westkreis).

Seit: 1702 bestehen in Kahla zwei Postlinien (von Leipzig nach Coburg und Weimar-Jena-Kahla nach Pößneck (Neustadt). Die erste Posthalterei war in Uhlstädt (von Thurn und Taxis). Der erste Kahlaer Postmeister war Dr. med. Schnaubert aus Jena. Im Mai 1816 wird die Postdirektion von Uhlstädt nach Kahla verlegt.
1818 wurde das Herzogl. Altenburgische Postregal (1818 abgeschlossen) und 1847 auf 25 Jahre an die königl. sächs. Postadministration abgegeben und dafür eine direkte Verbindung zwischen den Städten Eisenberg, Roda und Kahla durch eine zweckmäßige und bequeme Fahrpost eingerichtet.
1828 am 21. Mai zeichnet Friedrich, Wilhelm Voigt als Postmeister für das Kahlaer Postamt.
1831 lässt sich der frühere Postmeister Dr. Hermann Schnaubert am 11. Juni als Arzt und Chirurg in Kahla wieder.
1847 mit dem 1. August geht das Postregal (Regal bedeutet "Jura regalia" - königliche Rechte) von Thurn und Taxis auf die königliche Postadministration über. Zwischen Kahla, Stadtroda und Eisenberg wird sonntags, mittwochs und freitags eine Fahrpost eingerichtet. Die bisher bestehende Ordonnanz (= Ordnung, Anordnung, Befehl) wird aufgehoben.
1855 Ursprünglich war das Kahlaer Postamt in gemieteten Räumen untergebracht. Es war eine einzige Stube. In der ersten Zeit war in der Roßstraße 33 (neben der Toreinfahrt in der Rosshalterei). Die Abfertigung des Publikums, sie erfolgte aus dem Fenster nach dem breiten Hausflur zu. Hier entstand auch der erste Briefkasten Kahlas. Aus einem nach der Straße zu gelegenen Fenster war eine Glasscheibe herausgenommen und dafür ein Brett mit einem Schlitz eingesetzt, mit der Aufschrift "Briefkasten" versehen. Danach siedelte das Postamt nach der Margarethenstraße 10 über. Hier gab es schon einen Schalter für das Publikum. Nachdem der Schießhauspächter und Saalmühlenbesitzer Ludwig die Posthalterei übernommen hatte, zog die Post wieder in die Roßstraße, diesmal Hausnummer 29. Dort war auch eine "Passagierstube" für die Reisenden mit der Postkutsche eingerichtet.
1857 wird am 21. November eine Tagesfahrpost zwischen Neustadt und Apolda über Kahla und Jena eingerichtet.
1858 wird Postmeister Kluge nach Eisenberg versetzt.
1859 Bürgermeister Gottwerte, Ferdinand Löber lehnt am 5. Dezember die Anlegung einer Telegraphenlinie für Kahla ab. Die Begründung: Es bestehe kein Bedürfnis für eine Telegraphenanstalt.
1866 werden zwischen Kahla, Hummelshain, Roda und Eisenberg am 1. Januar wieder täglich zwei Personen- und Gepäckposten eingerichtet.
1867 geht die Post auf Preußen über.
1868 In der Polizeiexpedition auf dem Rathaus wird am 1. November eine neue Telegraphenstation eingerichtet. Außerdem entsteht ein Amt 2. Klasse. Beide Einrichtungen gehen auf Kosten des norddeutschen Bundes. Das erste Telegramm geht an den Herzog von Altenburg, das zweite an das Ministerium in Altenburg und ein drittes an den Kreishauptmann von Gerstenbergk in Roda.
1874 am 30.04. Einweihung der Saalbahn. Die Lage der Post in der Altstadt wurde ungünstig (Postkutschenverkehr).
1875 am 1. Juli geht die amtliche Telegraphenstation vom Rathaus auf die Postverwaltung über. Im Oktober wird nach Jena eine Telegraphenleitung hergestellt. Sie ging bisher nur bis Neustadt und Rudolstadt. Am 1. November wird die Posthalterei (Postkutschen) aufgelöst.
1890 tritt am 30. Mai Postmeister Fromhold in den Ruhestand.
1892 am 28. September flüchtet Postassistent Ferdinand Graham mit 11485 Mark Amtsgeldern.
1893 erhält Gumperda am 16. November eine Postagentur mit Telegraphenbetrieb und Fahrpost nach Kahla.
1894 Postmeister Heinrich Fromhold verscheidet am 30. Oktober.
1896 erbaut Maurermeister Hermann Jecke das neue Postgebäude in der Bahnhofstraße Nr. 15.
1897 wird am 7. Mai mit der Posthilfsstelle auf der Leuchtenburg eine Telegraphenanstalt verbunden. Am 28. März erfolgte die Übersiedlung der Post in die Bahnhofstraße 15.
1898 wird am 1. April Postmeister Vogel nach Wilsdruff versetzt.
1899 wird am 11. Dezember die Fernsprechleitung in Betrieb genommen, auch zur Leuchtenburg und nach Gumperda. Die Rufnummer 1 führte die Kahlaer Firma Bauer und Lehmann.
1901/ 1905 sind 20 Beschäftigte in das neue kaiserliche Reichspostamt in der Bahnhofstraße Nr. 30 eingezogen. An das Fernsprechnetz wird der 50. Teilnehmer angeschlossen.
1928 gab es bereits 26 Angestellte in den neuen Reichspostamt in der Bahnhofstraße. Es waren 1 Obermeister, 2 Postinspektoren, 4 Obersekretäre, 1 Postassistent, 2 Telegrafen-Betriebsassistenten, 4 Oberpostschaffner, 11 Postschaffner und 1 Telefon-Leitungsaufseher.

Das Rathaus:

Was die Kirche für die Christliche Gemeinde, ist das Rathaus für die Politische. Schon im althochdeutschen bedeutet Rat auch Beratung und daran anschließend für (beratende) Versammlung, Ratsversammlung, später für Gremium, Behörde, Organ (im Vergleich dazu Familien-, Staats-, Stadtrat, Ratsbeschluss usw.). Das Rathaus ist das Amtsgebäude der Stadtverwaltung und das seit dem Mittelalter (rathus). Es steht im Mittelpunkt der Stadt, auf dem Marktplatz. Die Rathäuser waren schon seit dem frühen Mittelalter Sitz der städtischen Behörden. Sie waren schon immer Wahrzeichen der städtischen Selbständigkeit und der Selbstverwaltung gegenüber dem Landesherrn. In der Ausstattung der Rathäuser drückten sich schon frühzeitig Reichtum und Macht einer Stadt aus. Das galt auch für das Rathaus der Stadt Kahla.
1399 stellt sich der Rat der Stadt Kahla am 19. Mai urkundlich erstmals vor. Ratsmeister (Bürgermeister) war Hans Krebs, Richter war Konrad Schröter und die zwei Ratskumpanen Peter Löwer und Hans Biemsnicz. Es ist anzunehmen, dass es vorher schon ein Rathaus gab, welches aber im Mai 1345 bei der Zerstörung Kahlas durch die Erfurter völlig niedergebrannt wurde und damit auch alle Ratsakten vernichtet wurden.
1353 Der Stadtrat lässt das steinerne Getreidemaß, den Metzstein, fertigen und am Rathaus aufstellen.
1400 Bau des ältesten Teil des Rathauses.
1554 am 01. September wird im Rathaus zu Kahla zwischen den Herzögen Johann-Friedrich II., Johann-Wilhelm und Johann-Friedrich III., sowie den Grafen Wilhelm, Wilhelm Ernst und Popo von Henneberg die ernestinisch-hennebergische Erbverbrüderung beschlossen. Die Verhandlungen gingen als Kahlaer Vertrag in die Geschichte ein.
1854 am 03. Mai wird die Kämmerei (Stadtkasse) auf das Rathaus verlegt. Am 31. Mai gebietet der Stadtrat, dass die Bäcker ständig Brot, auch altbackenes, für Bedürftige, bereithalten müssen.
1856 am 28. August verhandelt der Stadtrat um Arbeit zu schaffen, mit der Firma Chr. Zimmermann und Sohn in Apolda.
1861 Der Rat verhandelt am 09. Februar mit den Bäckern und Fleischern, die bisher ihre Verkaufsstände im Erdgeschoss des Rathauses gegen Lasszins innehatten. Sie sollen den üblichen Zins weiter bezahlen, aber nicht als Lasszins, da ja die Verkaufsstände weggefallen sind, sondern als eine Vergütung für die ihrer Zunft zustehenden Triftredte (Trift = Viehweide).
1868 im September wird der Rathausturm neu eingedeckt. Am 28. September wird dem Rathausturm ein neuer Knopf aufgesetzt. Er und die alte Fahne werden grau gestrichen.
1874 am 07. März beschließt die Stadt den Rathausumbau.
1876 wird am 21. November der Rathausumbau endgültig genehmigt.
1879 mit der Niederlegung des Heimbürgischen Hauses im Juni, beginnt der völlige Umbau des Rathauses.
882 am 22. März findet anlässlich der Kaiser-Geburtstagsfeier die feierliche Einweihung des neuen Rathauses statt. Es wurde mit einem Aufwand von 12.500 Mark, unter der Leitung des Architekten Weise aus Jena, neu hergerichtet. Es gibt eine große Festtafel und Festball. Am 06. Oktober wird das von Hermann Koch gestiftete und von Geschichtsmaler C. Melzsepp in München geschaffene Gemälde über den Abschluss des Kahlaer Vertrages vom 01. September 1554 aufgehängt. Das Bild wird mittels Flaschenzug vom Markt her durch das Fenster in den kleinen Saal gebracht.
1892 am 22. August großes Stadtfeuer auf der Rathausseite. Sämtliche Häuser werden ein Raub der Flammen, nur das Rathaus konnte gerettet werden. Am 28. November wird das Rathaus restauriert und neu bemalt. Beim Wiederaufbau der abgebrannten Häuser wird die Fluchtlinie zum Rathaus geradegezogen. Dabei mussten einige Häuser 2-9 Meter einrücken.
1893 wird am 13. Januar der neu errichtete Rathaussaal eingeweiht.
1906 im Juli/August erfolgt ein weiterer Umbau des Rathauses.
1907 Der gesamte Rathausumbau mit der Einbeziehung des Heimbürg´schen Hausgrundstücks hat 38.105 Mark gekostet.
1909 am 02. Februar erfolgt eine weitere Reparatur der Rathausuhr.
1916 Im Kahlaer Rathaus wird eine Sammelstelle für Weißdornfrüchte eingerichtet. Diese Früchte werden getrocknet und sollen als Kaffee-Ersatz-Mischung in Anwendung kommen. Aufkaufpreis 10 Pfennige pro 500 gr.
1917 am 17. Juni wird die am nördlichen Dachreiter des Rathauses hängende Marktglocke abgehängt. Sie wurde 1593 in Erfurt gegossen und war 65 cm weit. Sie muss abgegeben werden um, zum Kanonenrohr umgegossen, Kriegszwecken zu dienen. Die 4 Glocken der Stadtkirche trifft dieses Schicksal nicht. Sie wurden in der Vorreformationszeit gegossen und gelten als besonderes Kulturgut.
1918 Im November wird im Rathaus ein Büro des Arbeiter- und Soldatenrates eingerichtet.
1919 Im Rathaus wird ein provisorisches Zimmer für das Wohlfahrtsamt eingerichtet. Außerdem befindet sich im Rathaus der Arbeitsnachweis, das Ernährungsamt, das Wohlfahrtsamt und Meldeamt.
1920 am 23. November wird im Rathaus ein Wohnungsamt eingerichtet.
1921 Für die Erweiterung der Kämmerei sowie der Sparkasse wurde eine räumliche Trennung beider Einrichtungen vorgenommen. Darum wurde das frühere Spritzenhaus im Erdgeschoss des Rathauses ausgebaut, wodurch zugleich eine Vorhalle entstand, die vom Marktplatz und der Hofstatt erreicht werden kann.
1922 am 05. April gemeinschaftliche Sitzung des Kahlaer Stadtrates und des bisherigen Gemeinderates Löbschütz. Es wird die feierliche Eingemeindung amtlich vollzogen. Durch die Eingemeindung wächst die Einwohnerzahl Kahlas von 6.400 um etwa 700, die Zahl der Haushalte steigt um 175 auf 1.825 und die Zahl der bewohnten Gebäude steigt um 89 auf 669 Gebäude.
1933 am 09. März werden auf dem Rathaus von angetretenen Formationen der SA, des Stahlhelms und der Schutzpolizei die Hakenkreuz- und Schwarz-Weiß-rote Fahne gehisst.
1942 am 08. Oktober wird die 35 kg schwere Viertelstundenglocke der Rathausuhr abgenommen und an die Buntmetallsammlung abgeliefert. Nach dem Krieg wurde sie auf dem "Glockenfriedhof" wieder gefunden und zurückgebracht.
1945 wird am 3. August Paul, Hermann Metzner von der Aufsichtsbehörde als Bürgermeister ins Amt eingeführt. Sein Vorgänger war der Lehrer Ernst Degner.
1946 wird im Februar der erste neue Haushaltsplan von der Stadtverwaltung vorgestellt.
Bürgermeister Hermann Metzner (SED) wird von seinem Bürgermeisteramt entbunden. Seine Stelle nimmt am 1. August der Schulleiter Ernst Degner ein. Wegen der vielen Wohnungssuchenden wird im Rathaus ein Wohnungsamt eingerichtet. Dabei mussten etwa 2500 Umsiedler aufgenommen werden. Den Vorsitz führte Frau Margarete Görlitz. Am 3. September veranstaltet die CDU-Ortsgruppe eine Kreisversammlung im großen Rathaussaal.
1948 wird am 23. Oktober im großen Rathaussaal die Volkshochschule in Kahla feierlich eröffnet.

Zur besseren Versorgung der Kahlaer Bevölkerung mit Brennholz beschließt der Stadtrat am 25. Oktober im Hummelshainer Forst Holz zu fällen und Stöcke zu roden.

Am 01. November findet die erste Jugendberatungsstunde durch das Jugendamt Stadtroda im Rathaus statt.

1949 Das Kahlaer Amtsgericht wird aufgelöst. Es wurde vom VP-Gruppenposten und vom Einwohneramt sowie später als Bibliothek und Musikschule genutzt.
1950 Bürgermeister Hermann Olbricht tritt als Bürgermeister zurück, Erhard Reichel wird als neuer Bürgermeister gewählt.
1952 Neuwahl eines neuen Bürgermeisters. Gewählt wurde Wilhelm Hild.
1969 wird am 25. August nach Umbau und Renovierung das Trauzimmer wieder seiner Bestimmung übergeben.

Am 2. Januar Baubeginn von 240 Wohnungen im Neubaugebiet oberhalb der Schulstraße.

1971 am 06. August beziehen 32 Familien den 3. Neubaublock
1982 wird am 10. Dezember die Fassade des Rathauses erneuert. Die Fassade wurde nicht wieder nach dem Original hergestellt, eine kostengünstige Ausführung wurde bevorzugt.
1983 Der Rathaussaal wird durch Malerarbeiten von der Firma Wolfgang Riedel erneuert.
1985 Alfred Lauterbach scheidet nach langjähriger Tätigkeit als Bürgermeister aus dem Amt. Sein Nachfolger wurde Bernd Brauer bis zur Wende.
1990 am 29. Oktober große Bürgerversammlung im großen Rathaussaal. Es geht um das Thema Erdgasversorgung der Stadt. Am 01. November wird im Rathaus ein Ordnungsamt eingerichtet.
1991 Als Bürgermeister nach der Wende wurde Bernd Leube gewählt.
2012 Als Bürgermeisterin wurde Claudia Nissen gewählt.

Die Saaletalsperren:

Durch den Bau der beiden großen Talsperren ist die Landschaft an der oberen Saale dann wesentlich verändert worden. Es hat auch keineswegs an mahnenden Stimmen gefehlt, die darin eine Verschandelung der Landschaft und Vernichtung ihrer natürlichen Reize sahen und die um jeden Preis die Durchführung des Projektes zu verhindern suchten.
Doch die Anlage der Talsperren ist in erster Linie eine wasserwirtschaftliche Maßnahme, die für das gesamte Saalegebiet Bedeutung hat und in ihren Wirkungen sogar weit darüber hinaus greift. Wir wissen heute, dass die Landschaft nicht ärmer geworden ist und dass die beiden großen Seen auch ihre Reize besitzen und beliebte Ausflugsziele darstellen. Der Fremdenverkehr hat sogar einen beachtlichen Auftrieb zu verzeichnen. Durch den Aufstau wurde auf einer Stecke von zweimal etwa 28 Kilometern Länge das windungsreiche Tal bis weit die Hänge hinauf mit Wasser angefüllt. So sind zwei malerisch von Wäldern umsäumte Bergseen entstanden. Die Umgestaltung der Landschaft beim Bau der Anlagen brachte naturgemäß auch Härten mit sich. Siedlungen mussten verschwinden.
Menschen mussten ihren liebgewordenen Besitz aufgeben und anderswo von neuem beginnen. Doch, wenn wir die Zahlen der Betroffenen überschauen, sind sie verhältnismäßig gering. Das obere Saaletal war, wie bereits erwähnt wurde, von jeher dünn besiedelt. Etwa 120 Wohnhäuser mit knapp 1000 Menschen wurden von der Umsiedlung betroffen. Den größten Anteil haben die beiden Gemeinden Saaldorf und Saalburg, die am Becken der Bleilochtalsperre liegen. Sie besaßen Ortsteile, die im Talgrund lagen und diese sind nun auf die Höhe verlegt worden.
Die Projekte, an der oberen Saale Talsperren zu errichten, reichen bis in die letzten Jahre in das 19. Jahrhundert zurück und hatten ihre Ursachen in dem gewaltigen Schadens-Hochwasser vom 24./25. November 1890. Zu dem Gesichtspunkt des Hochwasserschutzes durch Saaletalsperren trat dann weiterhin das Bedürfnis der Elektrizitätserzeugung aus Wasserkraft und die Forderung der Verkehrswirtschaft auf Lieferung von Zuschusswasser zur Aufhöhung der Fahrwassertiefe von Kanälen und schiffbaren Flussstrecken in Trockenzeiten (Eibe, Mittellandkanal, schiffbare Saale, Elster-Saale-Kanal).
Daher gilt es, den wichtigen Naturschatz Wasser sorgsamer zu nutzen. Man muss in Zeiten, in denen es überreichlich anfällt, wie im Frühjahr zur Schneeschmelze oder bei sommerlichen Hochwässern, das Wasser speichern. Dann stehen Mengen für die unausbleiblichen Trockenperioden zur Verfügung und tragen dazu bei, die knappen Zeiten zu überbrücken.
Vor der Errichtung der Talsperren zeigte auch die Saale sehr starke Schwankungen in ihrer Wasserführung. Es gab Jahre, in denen 660 Millionen cbm Wasser abflossen und andere mit 310 Millionen cbm, also weniger als die Hälfte. Die Unterschiede der einzelnen Monate waren ebenfalls recht beträchtlich. Den Hochwasserspitzen in den Monaten Dezember bis März, die von der Schneeschmelze bedingt waren, standen Wasserklemmen in der Zeit von August bis Oktober gegenüber. Das führte zu ernsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die von Wasser abhängigen Industriezweige konnten ihren Bedarf nicht decken Der Schiffsverkehr auf dem Unterlauf der Saale musste oft wochenlang eingestellt werden. Alle diese Missstände zu beheben, war einer der wesentlichsten Anlässe zum Bau der Talsperren. Darüber hinaus sollen die Hochwässer, die in den vergangenen Jahrhunderten oftmals zu Katastrophen geführt hatten, gebändigt werden. Schließlich nutzt man die Wasserkraft zur Erzeugung von Elektrizität. Und damit kam die Saaleflößerei endgültig zum Erliegen. (Nähere Informationen gibt es im Flößermuseum Uhlstädt.)

Saalewehr:

Das Floßhaus am Saalewehr:
Zur Schonung der Saalewehre wurden Floßgassen angelegt. Anfangs waren es nur 2 Wände von Balkenholz, die auf dem Wehr errichtet wurden und zwischen denen der Boden des Wehrs mit Pfosten schräg ausgelegt wurde, so dass auf dieser schiefen Ebene das Holz allmählich herab gleitete.
So entstand ein Floßdurchlass.
Jedes Mal wenn Flöße gemeldet wurden und von Großeutersdorf kamen, musste der Saalmüller bzw. seine Knechte den alten Floßdurchlass öffnen. Das war schwere Arbeit, denn im reißenden Gewässer mussten die Staubretter mit einer Eisenstange aus der Führungsschiene hoch gedrückt und dann herausgezogen werden. Dann schoss das Wasser die Schleuse hinab und die Flöße konnten ihren Weg fortsetzten.
Das in alten Urkunden des 14. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnte Saalewehr wurde im Verlaufe des Sommers 1921 im Auftrag des Porzellanwerks Kahla zu einer neuzeitlichen Schleusenanlage umgebaut, nachdem bereits 1908 die östliche Hälfte des ca. 110 m langen alten Holzwehres ersetzt wurde. Das Kahlaer Wehr wurde damals zur modernsten Anlage des Saaletals.
Die mit großen Kurbelrädern betriebene Schleusenanlage wurde 1921 von der Firma "Hausenwerk" aus Gotha erbaut. Am 28. Oktober 1921 konnte das 1. Floß die neue ca. 40 m lange Floßrinne unter dem 7. Floßhaus hindurch passieren.
Das Floßhaus wurde am 16. Juli 1938 vom Malermeister W. Schüßler mit einen neuen Anstrich versehen.
1560 Der Raniser Lorenz von Brandenstein versucht sich als Flößer, er bleibt aber auf dem Wehr der Saalmühle hängen. Der Saalmüller Erhardt Peißker rettet ihn.
1654 am 02. Mai bewilligt die Regierung dem Rat der Stadt Kahla das Holz zum Wehrbau der Saalmühle ohne Bezahlung. Aber das zur Reparatur der Eiswehr verlangte Holz wird verweigert, weil sich die Regierung nach dem Kaufvertrag von 1653 sich dazu nicht verpflichtet fühlt.
1865 vom 02. bis 04. Oktober beauftragt Saalmühlenbesitzer C. A. Lehmann etwa 30 Lindiger Bauern, das Saalwehr, das repariert werden soll, auszuschöpfen. Die dabei erbeuteten Fische sollen zu 1/3 an Lehmann, zu 2/3 an die Bauern fallen. Viele Neugierige. Fleischer, Blechschmidt, der Garküchenwirt, brät Bratwürste, der Schießhauswirt Völker schenkt hiesiges und böhmisches Bier, dieses zu 15, jenes zu 8 Pf. für das Seidel. Um 4.10 Uhr wird eine große Barbe gefangen. Dabei großes Gelächter. Lehmann schickt den Leuten abends Kartoffeln und Hering zum Abendbrot und einen Eimer Bier. Das Wehr ist bis auf einen Tümpel, in dem das Wasser aber noch sehr tief steht, ausgeschöpft. Zum ersten Mal seit 1563, wo das Strombett an der Kleineutersdorfer Seite gestochen und das Wehr neugebaut worden war. Unter dem Wehr lag das Saalbett völlig trocken. Das ganze Wasser lässt man über die Saalmühle gehen, doch ist es nicht stark genug, dort alle Werke zu treiben.
1875 Am 19. September wird das Saalewehr "geschneckt". Es wird ein Mühlrad eingebaut, das durch Ziehketten die zwei Schnecken treibt. Am 25. September wird ein zweiter Damm gebaut. Beim Ausschöpfen des Wehrtümpels werden über 2 Zentner Fische gefangen, die der Saalmüller Lehmann zur Hälfte den Arbeitern überlässt.
1896 Das Saalufer erhält am 25. Mai ober- und unterhalb des Wehres Stellpfähle für die Flößerei.

Schulen:

1475 Der Pfarrer Haußheim richtet den regelmäßigen Schuldienst ein.
1512 Neben dem alten Diakonat auf der Burg besaß die Stadt noch ein Schulhaus.
1601 Das städtische Lehrerpersonal besteht aus dem Rektor, dem Kantor, dem Baccalaureus, dem Organisten und einer Mädchenschulmeisterin.
1605 Die Kahlaer Schulkinder feiern das Gregoriusfest. Es werden Brezeln verteilt.
1618 Eine neue "Schuell" (Schule) wird erwähnt.
1656 Die Schulgebäude in der Burg werden neu aufgeführt. Sie enthalten die Wohnung des Rektors (Leiter der Schule) und des Kirchners.
1830 Im Zuge der bürgerlich-demokratischen Revolution reicht die Bürgerschaft durch ihre Deputierten an den Prinzen Georg eine Forderung ein. Sie enthält 18 Punkte. Darunter auch unter Punkt 11 die Errichtung neuer Schulhäuser in Kahla.
1831 Im Januar eröffnet Christian Eckard (Gründer der Porzellanfabrik 1844) eine Privatschule für Handwerksgeselle und Lehrlinge. Im Juni wandelt sich diese Privatschule zu einer Sonntagsschule um. Sie hatte zu Beginn schon 86 Schüler.
1833 Kaufmann Christian Eckardt verlegt seine 1831 gegründete Privatschule, die den Namen Herzog Josef-Schule trägt, in das von ihm erworbene Gebäude des ehemaligen Armenhauses in der Rudolstädter Straße.
1835 Am 7. Juli beschließt die Seilerinnung, dass alle ihre Lehrlinge die Josef-Schule besuchen.
1837 Am 11. Oktober wird die Freischule für arme Mädchen in Kahla mit den Namen "Amalienstift" erweitert und in das Lokal der "Franz-Josef-Schule" verlegt. Die Herzogin Amalie übernahm den größten Teil der entstandenen Mehrkosten.
1847 Erhält die Mädchenschule eine neue Elementarklasse.
1849 Meister Johann-Christoph Blumentritt baut eine neue Schule in Orlamünde.
1851 Im Dezember zählt die Strick- und Nähschule im Eckardschen Haus (Rudolstädter Straße) 54 Schülerinnen.
1855 Die Sonntagsleseschule wird vom Gewerbeverein übernommen.
1856 Frau Sophie Eckard, geb. Franke gibt nach 21 Jahren die Arbeitsschule für arme Kinder auf. Sie hatte sie persönlich geleitet.
1863 Am 30. Oktober Richtfest für das neue Schulgebäude neben der Kirche.
1864 Die Mädchenschule wird in das neue Schulhaus verlegt.
1865 Die Regierung erhöht ihren Unterhaltungsbeitrag für die Sonntagsschule auf 100 Taler.
1867 In der Schaffnerschen Schulanstalt in Gumperda beginnt der Unterricht. Die Stadt Kahla führt eine Schulsteuer ein.
1877 Im August wird der Unterricht für Handarbeiten in der Mädchenschule eingeführt.
1880 Ab 1. Mai wird die Sonntagsschule durch ein Statut gefestigt. Danach haben Lehrlinge sie bis zum 20. Lebensjahr zu besuchen.
1888 Die neue Schule wird von 310 Knaben und 291 Mädchen besucht.
1889 Am 13. August weiht Kleineutersdorf die neue Schule ein.
1890 Am 9. Oktober wird das Statut der Sonntagsschule dahin ergänzt, dass alle Lehrlinge, Kaufleute und Apotheker ausgenommen, zwei Jahre hintereinander, doch höchstens bis zum 18. Lebensjahr, die Sonntagsschule zu besuchen haben.
1900 Ein Schulneubau wurde beschlossen. Am 22. Januar berät der Schulvorstand nochmals das Projekt des Schulneubaus. Veranschlagt sind 118.000 Mark bei einer Baufläche von 11.000 Kbm. a 11,42 Mark. Am 17. Mai wird der erste Spatenstich zum Schulneubau getan.
1901 Am 5. September erfolgt die Einweihung der neuen Schule. Alle Kinder versammeln sich mit den Vertretern der Stadt, dem Schul- und Kirchenvorstand an der alten Schule. Die Rede hält Rektor Hermann. Dann Festzug zur neuen Schule. Stadtbaumeister Otto Hage übergibt die Schlüssel an den Bürgermeister Dr. Köhler. Die Festansprache hielt der Bezirksschulinspektor Fischer aus Stadtroda.
1914 Am 22. Dezember beschenkt die Kahlaer Lehrerschaft anlässlich einer Weihnachtsfeier 60 bedürftige Kinder, deren Väter im Felde stehen.
1917 Strenger Winter mit langanhaltender Kälte. Das war der Grund den Unterricht am 19. Januar in den Schulen einzustellen.
1920 Am 5. Januar mussten die Winterferien wegen Kohlemangel verlängert werden. Am 1. April wird in Kahla eine Hilfsschule eröffnet.
1921 Elternbeiratswahlen am 1. November. Von 1347 Wählern werden 925 Stimmen zum Elternbeirat abgegeben. Nach ihrem Bekenntnis gaben 347 christlich Gesinnte, 500 sozialistisch und 78 kommunistisch gesinnte Wahlberechtigte ihre Stimme ab.
1924 Das Thüringer Ministerium für Volksbildung hat am 10. Oktober die Kahlaer Mittelschule (in der Schulstraße) zur Realschule erhoben.
1926 Am 27. Februar wird an der Kahlaer Mädchenberufsschule eine zweite hauswirtschaftliche Volljahresklasse eingerichtet.
1933 Am 24. März wird die von den Freidenkern eingeführte Jugendweihe verboten.
1948 In einer Feierstunde im großen Rathaussaal wird am 23. Oktober die Volkshochschule eröffnet.
1949 Am 1. September erfolgte die feierliche Übergabe der neuen Berufsschule in der Schulstraße. Ihr wurde der Name "Friedensschule" gegeben.
1962 Die "Theo-Neubauer-Schule" übernimmt die "Friedensschule" als Gebäude II.
1973 Am 15. August wird die 3. Polytechnische Oberschule (ab 1976 W.-Pieck-Schule) baufertig übergeben. Am 1. September ziehen in das neue Schulhaus 720 Mädchen und Jungen ein.
1974 In Kahla wird am 1. September ein neu errichtetes Gebäude für die Schulspeisung in der Allende-Str. (Herm.-Koch-Str.) übergeben.
1981 Einweihung der zentralen Hilfsschule (ZHS) in Löbschütz.
1991 Festveranstaltung am 2. September zur Eröffnung des Staatlichen Gymnasiums im Rathaussaal. Im Gymnasium unterrichten 26 Lehrer - 365 Schüler.

Schützengilde:

Ein kurzer historischer Streifzug:
Die historische Grundlage der Schützenvereine liegt in der ehemals allgemeinen Waffenfähigkeit der Bürger. Daraus sind Gilden bzw. Vereine entstanden, die sich in Friedenszeiten in der Handhabung der Schusswaffe (früher Armbrust) übten. Als Ziel diente die Scheibe oder der Vogel.
Die ersten Anzeichen eines Schützenvereines in Kahla können wir aus den Jahrbüchern entnehmen. Für das Jahr 1564 wird vermerkt "auf dem Gries steht eine Schießhütte", aber erst 1686 wird die Gründung einer Schützengilde genannt.
Am 04. Juli 1701 entsteht eine erste Schützenordnung. Als Übungsplatz benutzten die Schützen den Gries oberhalb der Brücke, als Ladeplatz diente ein Schwibbogen der Brücke und als Schießstätte diente eine Bretterbude, die aber 1719 mit einem neuen, festeren Schießhäuschen ausgewechselt wird.
Im Jahre 1755 tragen 20 Schützen vom Kahlaer Schützenkorps Uniform. Die restlichen Schützen, zu denen der Bürgermeister zählte, wurden als passive Mitglieder betrachtet.
Ein Jahr später, am 01. September 1756 ersucht die Schützenkompanie den Rat, die 19 passiven Mitglieder zum Mitschießen zu veranlassen. Im Jahre 1802 bauen die Schützen mit Unterstützung der Stadt ein völlig neues Schießhaus. Der Ratswald gibt 98 Stämme her. Die Gesamtkosten betragen 1863 Rheinländer, 2 Groschen und 7 Pfennige.
1564 der erste und somit älteste Verein in Kahla war die Schützengesellschaft. Das Jahr der Gründung ist nicht genau bekannt. Bereits 1564 wird eine Schießhütte in Kahla erwähnt.
1686 wird in Kahla eine Schützengilde gegründet.
1701 wird am 04. Juli die erste Schützenordnung festgelegt.
1709 billigt der Rat der Stadt dem jeweiligen Schützenkönig ein Jahr Geschossfreiheit zu.
1719 wird auf dem Gries ein neues Schützenhäuschen gebaut.
1755 vom Kahlaer Schützenkorps tragen 20 Schützen eine Uniform, die restlichen 24 Schützen, zu denen auch der Bürgermeister zählt, sind als passive Mitglieder anzusehen.
1756 ersucht am 01. September die Schützenkompanie den Rat, 19 ihrer Mitglieder, die sich untätig verhalten, zum Mitschießen zu veranlassen.
1794 werden die Schützen am 26. September wegen Überlassung eines Brauloses (Braugenehmigung) vorstellig. Die Bürgerversammlung genehmigt das mit 122 gegen 11 Stimmen.
1795 Die Regierung genehmigt am 25. Februar die Überlassung eines Braulos-Viertels an die Schützen.
1802 bauen die Stadt und die Schützen ein neues großes Schießhaus, das später das "alte" genannt wird. Aus dem Ratswald werden 98 Stämme dazugegeben.
1811 werden neue Schützengesetze erlassen, die vom Stadtrat genehmigt werden.
Aus den Bürgerschützen, Beamten und Bürgern entsteht das vom Landesherrn privilegierte, uniformierte Bürgerschützenkorps. Das Korps weißt 50 Mitglieder auf, die nach sechsjähriger Dienstzeit von den Jahresbeiträgen von 12 Groschen befreit werden. Die Aufnahmegebühr beträgt 2 Taler. Der glückliche Gewinner des wertvollsten Gewinns wird nunmehr Scheibenkönig genant. Der Hauptmann wird gewählt. Zum ersten Male wird ein Vogelschießen in heutiger Gestalt erwähnt.
1812 wird am 18. August der Grundstein zu einem zweiten Schießhaus gelegt.
1813 wird ein Schützenmusikkorps aufgestellt. Wegen der Kriegszeiten fallen Vogel- und Scheibenschießen aus.
Die sogenannte Lagerhaus-Gesellschaft, aus 16 Aktionären bestehend, lässt auf dem Gries neben dem alten Schießhaus ein zweites erstehen, welches nunmehr das neue genannt wird. Es enthält einen hohen Saal, der von Gastzimmern, der Schützenstube, einer Garderobe und einem Bierausschank auf 3 Seiten umgeben ist. Östlich nach den Linden zu hat es mehrere hohe Fenster. Die Decke des Saales führt blauen Untergrund, auf dem ungezählte goldene Sterne stehen. Rings um den Saal läuft eine auf Säulen ruhende Galerie. Hinter den Säulen sieht man an den Wänden schöne, große Landschafts- und andere Bilder, so ein Wettfahren im alten Rom, eine Rheinlandschaft u. a. Trotzdem die Schützen Miteigentümer des alten Schießhauses sind, schlagen sie in dem Neubau ihr Zelt auf.
1821 wird das neue Schießhaus um ein Geschoss erhöht.
1825 tritt Christian Eckardt den Schützen bei. Er wird alsbald zum Hauptmann gewählt. Das bleibt er bis 1847.
1831 nimmt am 28. August der Herzog mit Familie am Kahlaer Vogelschießen teil.
1836 weihen am 15. August die Schützen ihre neue Fahne, die von den jungen Mädchen der Stadt gestiftet wurde, ein.
1848 wird in Kahla eine Bürgergarde gegründet. Die Schützen wollen sich der Bürgergarde anschließen, aber ansonsten für sich bleiben. Die Schützen der Bürgergarde geben ihre Kanonen zur Fahnenweihe.
1859 Die Stadt zahlt der Schützengesellschaft für die Überlassung ihres Miteigentümerrechts am alten Schießhaus 100 rl.
1861 wählen am 24. Juni die Kahlaer Schützen den Oberleutnant Ludwig zum Schützenhauptmann.
1863 am 28. Juni tagen die Thüringer Schützen in Kahla. Die Stadt trägt Festschmuck. Großer Festzug, an dem sich Vereine, die Jungfrauen ganz weißgekleidet mit grünen Schärpen und Kränzen, die Ratspersonen im Frack beteiligen. Vom 30. Juni bis
02. Juli eine Wanderversammlung der Thüringer Schützenvereine in der Stadt Kahla Gesamtkosten 477 rl. 3 Groschen und 1 Pfennig
1868 wählen die Schützen Wilhelm Grübner zu ihrem Hauptmann.
1871 Die beiden französischen Kanonen, die seit 1815 auf der Leuchtenburg stehen, werden den Kahlaer Schützen übereignet. Die Schützen besitzen nunmehr 6 Kanonen, die ausschließlich zum Salutschießen verwendet werden.
1872 im Mai fallen die beiden Schießhäuser dem Saalebahnbau zum Opfer. Für das neue Schießhaus werden dem Besitzer Louis Völker, z. Zt. Kasernenwirt in Nancy, 5.040 Taler gezahlt. Die Schützengesellschaft erhält für den Abbruch der Vogelstange samt Schießmauer 300 Taler. Der Stadt sind für den Abbruch des alten Schießhauses 2.500 Taler geboten. Für das Abbruchmaterial vom alten Schießhaus will der Mühlenbesitzer Fiedler im Leubengrund 305 Taler bezahlen.
Am 18. Juni wird Dr. Balduin Schubart neuer Schützenmeister.
1873 erhalten die Schützen am 28. Oktober ein Stück vom Gries zum Bau einer Schützenhalle.
1886 Das vom Zimmermeister Christian Schreck und Maurermeister Hermann Jecke neuerbaute Schießhaus wird fertig gestellt. Es steht auf dem Grund und Boden der Stadt. Eine aus den Schützen hervorgegangene Aktiengesellschaft ist Unternehmerin. An Lasszins sind der Stadt jährlich 2 Mk. zu entrichten. Die Baukosten, auf 9.646 Mk. veranschlagt, erreichen die Höhe von 12.200 Mk. Zu ihrer endgültigen Deckung wird später ein Darlehn bei der Sparkasse aufgenommen, wobei das Gebäude auf die Schützengesellschaft selbst übergeht. Erster Pächter ist Gustav Rolle, er zahlt 1.000 Mk. Pacht.
Am 28. Juli feiern die Schützen das 200-jährige Bestehen ihrer Gilde und das 50-jährige Jubiläum ihrer Fahne. Großer Festzug aller hiesigen Vereine durch die Stadt nach dem Gries. Die "alte Garde", die schon die 150. Jahresfeier gesehen, geht golden geschmückt an der Spitze. Daniel Degen hat die Führung. Auf dem Gries werden die Räume des neuen Schützenhauses bezogen.
1890 Großes Hochwasser am 24. November. Am oberen Gries schwemmt es die Schützenhalle hinweg und sie zerschellt am Mauerwerk der Saalebrücke, auch das Schießhaus wird sehr stark beschädigt.
1900 verkaufen die Schützen zwei ausrangierte Kanonen für 16,00 Mark und 5 Liter Lagerbier.
1907 bauen am 17. August die Schützen eine Vorhalle an die Schützenhalle.
1910 Pächter das Schützenhaus Karl Schrape, ehem. Oberkellner im Gasthaus zum Löwen.
1909 Anzeige: Kahla, Schützenplatz. Während des Schützenfestes Ohr´s Kinematograph Vorführung lebender Photographien in höchster Vollendung. Neue, hier noch nie gesehene Bilder. u. a.: Das Reichsluftschiff Z 2. Buffalo Bill´s Heldentaten. Eine Reise mit der Flugmaschine (sensationell). Krokodiljagd am Nil. Modernes Stahl? und Schienenwalzwerk in Belgien (großartig). Das Halsbrechende Auto? Pferderennen auf dem Eise. Die böse Hexe. Der überraschte Schwiegersohn (sehr komisch). Die Seeschlacht der Zukunft (Deutschland und England?) Das Ende eines Tyrannen. Der Spieler (Drama) und viele andere. Jede Vorstellung anderes Programm. Eintrittspreise: 1. Platz 5O Pfg., 2. Platz 30 Pfg., 3. Platz 20 Pfg., Kinder die Hälfte, jeden I Abend ab 10 Uhr. Pariser Cabarett - Vorstellungen mit humoristischem Programm."
1912 Erweiterungszeichnung des Schützenhauses vom 24. April 1912 durch Franz Jecke, Maurermeister Bachstraße 6 angefertigt. Untergeschoss mit großem Saal, Schützenhalle, Flur, Kleiner Saal, 3 Scheibenstände, Orchesterplatz, Büffet, Aufwaschraum, Küche, im kleinen Saal: Büffet, Bühne, Kleiderabl., Speisekammer neben der Küche, Stube, Männer und Damentoilette, Genehmigt wurde diese Zeichnung am 21. Mai 1912 vom Stadtrat. Tische und Bänke waren vor der Halle aufgestellt, ebenso ein Musikpodium, Tische und Bänke am Wege zum Saalebad.
1912 waren folgende Plätze auf dem Schützenplatz reserviert: Konditorei, Spielbude, Schießbude, Lachtempel, Panorama Bude, Kaspertheater, Seifarths Weinstube, Karussell, Roulett, Billard, Keßler aus Kahla. Adam aus Kahla, jede Menge Biertische, am Bahndamm 11 Stände der Kahlaer Händler, Wache (feststehendes Gebäude) Fahrradstand, und außerdem am Weg zum Festplatz vor dem Wachhäuschen noch sechs Stände für Kahlaer Händler. Die Zeichnung vom Schützenplatz 1912 hat im April E. Gröbs angefertigt und wurde vom Platzmeister zur Verteilung der Schausteller und der Buden genutzt.
1922 Eine Zeitungsannonce:
"Lichtspieltheater Schützenhaus, Heute Sonnabend, 31. Dezember und Sonntag, den 1. Januar gelangen zur Aufführung das große See und Schmuggler - Drama "Udo Thomsens Heimkehr", Drama in 4 Akten sowie das taktische herrliche Drama "Am Glück vorbei". Zu diesem herrlichen Programm ladet ein Fr. Kowalski, Erfrischungen werden gereicht. Saal gut geheizt. Gleichzeitig wünsche ich meinen werten Kinobesuchern, sowie meinen Stammgästen, Freunden und Bekannten ein recht frohes und glückliches Neujahr."
1926 Im Februar wurde Raum für die Kanonen, für den Waffenschrank sowie 3 Pistolenständer geschaffen.
1930 am 14. Juli großes Schützenfest. Als am Sonntag früh um 6 Uhr 3 Kanonenschüsse den Beginn des Schützenfestes einleiteten, machte der Himmel ein gar griesgrämiges Gesicht und den ganzen Vormittag ging leichter Regen nieder und es schien, als wenn ein Dauerregen daraus werden sollte. Als aber das Trompetensignal zum Sammeln für den Festzug ertönte, hörte auch das Regenwetter zunächst auf und der Umzug konnte 1/2 3 Uhr vom Markte aus nach Abholung des Schützenkönigs, Kaufmann Ernst Curth, hier seinen ungestörten Lauf nehmen. Trotzdem auch nachmittags noch einige kleine Regenschauer niedergingen, füllte sich doch der Schützenplatz mit Männlein und Weiblein groß und klein sehr bald und abends herrschte auf dem Schützenplatze und in den verschiedenen Schaustellungen und Darbietungen Hochbetrieb wie selten. War doch das Bierzelt und das Varietee schon 1/2 9 Uhr so gut besucht, dass viele gar keinen Platz mehr finden konnten und anderweit unterkommen suchen mussten.
Die Kahlaer Schützen konnten am Schützensonntag einen sehr reichen Besuch verzeichnen.
Am Montag, dem 14. Juli ging es weiter mit Königsschießen ab 16.00 Uhr.
Dienstag, 15. Juli: Auszug 11.00 Uhr vom Fürstenkeller, Königsabholung, Königsfrühstück.
Mittwoch, 16. Juli: Schießen ab 15.00 Uhr.
Donnerstag, 17. Juli: Schützentafel ab 13.00 Uhr Schützenball 20.00 bis 24.00 Uhr.
Freitag, 18. Juli: Schützenfrühstück 11.00 Uhr, Königsschießen 15.00 Uhr, Feuerwerk ab 21.30 Uhr.
Sonnabend, 19. Juli: Königsschießen ab 14.00 Uhr, Königsproklamation für 1930/31.
Sonntag 20. Juli: Auszug ab 15.00 Uhr vom Fürstenkeller, Königsabholung, Scheibenschießen ab 15.00 Uhr.
1935 Der Schützengesellschaft wird der Grund und Boden auf dem das Schützenhaus steht sowie der Garten und die Schießwiese käuflich überlassen.
Während des Schützenfestes ist auch am 20. Juli der hundertjährige Silberpokal aus der Lade ans Tageslicht gebracht worden. Er trägt die Inschrift: Bürgereintracht - Bürgerfrieden - Bürgerwohlfahrt - Der Schützengesellschaft Kahla von der Schützengesellschaft Eisenberg als Schützenkönigin 1835/36. Gruß und Heil!
1938 am 04. Februar wird Schützenmeister Franz Jecke Ehrenvorsitzender der Schützengesellschaft. Sein Nachfolger als erster Schützenmeister wird Kaufmann Erich Arlitt.
Das Schützenhaus mit Grundstück und Schießmauer geht für 11.000 Mark an die Stadt über. Diese will einen Kindergarten einrichten.
1939 Der Schützengesellschaft wird ihr bisheriges Schützenhaus mit Schießstand für jährlich 180 Mark Mietpreis überlassen.
Das Vogelschießen kann in der bisherigen Weise abgehalten werden.
Später soll das Schützenhaus abgerissen werden und an seiner Stelle ein Hitlerjugendheim errichtet werden. Nach Plänen des Bürgermeisters Gumpert zur Weiterentwicklung der Stadt.
Am 12. Juni erfolgt die Einweihung des Kindergartens im Schützenhaus.
1945 Auflösung des Schützenvereins. Abgabe aller Waffen.
2000 Gründung eines neuen Schützenvereins in Kahla. Vorsitzender: Günther Rank.

Siegel:

1421 erstmals kommt das Ratssiegel mit der heiligen Margaretha zur Anwendung.
1508 der städtische Stempel trägt das Bild mit dem Kreuzstab.
1718 am 18. November verbietet die Regierung dem Rat der Stadt in Rot zu siegeln.
1865 der Stadtrat schafft neue Siegel an.

Stadtbefestigung:

930 König Heinrich lässt Burgen und steinerne Kirchen erbauen. Er baut Befestigungen an der Saale aus. So auch Kahla.
1333 bauen die Schwarzburger die Befestigungsanlagen der Stadt Kahla weiter aus.
1340 Graf Günther von Schwarzburg, der bisher sein Quartier in der Burg Kahla hatte, geht zur Leuchtenburg.
1440 Die Stadt Kahla hat einen starken Mauerring errichtet. Das Material wurde von den Kalksteinbrüchen des Hornissenberges und den Sandsteingruben auf dem Schlemmnitzer Berg geholt.
1450 Herzog Wilhelm verbessert die Stadtbefestigung durch starke Flankentürme, neue Innentore und Zwinger. Er ruft die Bürgerschaft zu den Waffen.
1452 wird das Saaltor umgebaut.
1468 Eine Scheune vor dem "Ihenischen thore", dem früheren "Mühltor", wird erwähnt. Damit wird das Tor zum ersten Mal als Jenaisches Tor bezeichnet.
1472 Die Wehranlagen der Stadtbefestigung werden weiter verbessert.
1530/
1540
letztmalige Verstärkung der Stadtmauer an der Südwestseite (Oberes Tor, Schalenturm, Marterturm). Der Turm (Marterturm) an der Westecke wird abgebrochen und neu aufgebaut.
1640 am 3. Juli wird der Rote Turm (auch Malzturm) neu aufgebaut.
1722 Das Amt richtet im Obertor eine Fronfeste (Gefängnis) ein.
1743 Erbauung der Burgpforte.
1819 lässt der Stadtrat den Malzturm, der große Risse hat, bis auf das Erdgeschoss abtragen und neu eindecken.
1839 vom 29. zum 30. Mai stürzt um Mitternacht unter fürchterlichen Krachen an der Burg ein Stück Stadtmauer, 300 Quadratellen groß, ein. Am 20. August ist die Mauer wieder hergestellt.
1841 Der eingestürzte Turm der Stadtmauer vom Rentamtshintergebäude wird abgetragen. Die Mauer wird in Höhe von einer Elle (= 56,64 cm) über dem Hofraum hergestellt.
1863 Im März baut Maurermeister Julius Jecke die eingestürzte Mauer am sog. Kloster, gegenüber der Ziegelei wieder auf. Die Steine nimmt er aus seinem Steinbruch in Schmidts Tal.
1899 am 20. November bietet der Stadtrat den Hausbesitzern, die bereits Teile der Stadtmauer nutzen, sie nunmehr als Eigentum an. Somit entzieht er sich der weiteren Unterhaltung dieser Mauerteile. Damit begann das Bebauen der Mauer mit Hinterhäusern.
Kahla gehört mit zu den wenigen Städten in Deutschland, die noch umfangreiche Teile ihrer mittelalterlichen Befestigungsanlagen besitzen. Zur Erhaltung wurden bis in unsere Tage bedeutende Mittel zur Restaurierung ausgegeben.

Stadttore:

1375 das Ober- und Saaltor werden erstmals in einer Urkunde genannt.
1488 wird eine Scheune und Hof vor dem Obertore, bei dem Cruze (Kreuz), Gerichtsstein, erwähnt.
1491 wird auf dem Jenaischen Tor ein Turm errichtet.
1522 deckt Zimmermeister Hans Seidler das Turmdach am Jenaer Tor neu ein.
1531 wird die Holzbrücke am Obertor erneuert.
1581 wird am 11. Januar an der Saalebrücke ein Tor angelegt.
1672 Das Obertor wird umgebaut. Kosten: 464 Gulden, 19 Groschen und 9 Pfennige.
1720 Johann Christoph Beyer baut am Saaltor ein Kauf- und Handelshaus (ehem. Gasthaus zur Quelle).
1735 Neubau des Jenaer Tores durch die Zimmermeister G. C. Messer und Chr. A. Messer sowie Johann Kraus aus Seitenroda. Die Taglöhner bekommen 3 Groschen und 5 Maß Bier (1 Maß lag bei 0,33 und 1,984 Liter) vom Ratskellerwirt. Am Tor wird das spitze Zeltdach in ein gebrochenes Walmdach umgewandelt. Das Saaltor wird als städtisches Gefängnis eingerichtet.
1801 werden am Saaltor das Torhaus und das Vortor niedergelegt. Auf der verbreiterten Torfahrt und dem Vorsprung der Stadtmauer wird die städtische Fronfeste errichtet. Der Turm wird der Zinnen und Helmspitzen beraubt und mit einem Ziegeldach gedeckt. Die Schießscharten werden zugemauert. Die Gefängnisse erhalten kleine Fenster.
1830 Am Oberen Tor werden das Gewölbe der alten Torfahrt, die Torbogen und Torflügel beseitigt.
1838 am 19. Februar erwirbt der Rat der Stadt für 413 Taler von der herzoglichen Kammer die Fronfeste am Oberen Tor. Die 1837 gegründete Kleinkinderbewahranstalt kommt in das Obertor.
1839 Hinter der Ratsfronfeste, unter dem Baccalaureat (Strebepfeiler) und am Pfortenberg werden 245 Kubikellen der Stadtmauer mit einem Aufwand von 598 rl. (= rheinländischer Gulden) 6 Groschen und 9 Pfennige erneuert.
1856 am Arbeit zu beschaffen werden zum Stricken 2 heizbare Zimmer auf dem Obertor errichtet.
1859 wird im Oktober der Turm am Saaltor durch Maurermeister Anton Jecke abgetragen. Kosten: 168 Taler.
1862 wird das Jenaer Tor abgerissen. Maurermeister Julius Jecke übernimmt für 160 Taler die Mauersteine.
1907 beginnt der Abbau des Oberen Tores und der Umbau des Curthschen Hauses.

Vereine:

1564 Der erste und älteste Verein in Kahla war der Schützenverein bzw. Schützengesellschaft. Das Jahr der Gründung ist nicht genau bekannt. Bereits 1564 wird eine Schießhütte in Kahla genannt.
1773 In der Stadt Kahla besteht eine "Gesellschaft für Unterhaltung".
1818 Am 5. Juli wird ein Kegelverein gegründet. Zur Gründungsversammlung sind 30 Kegler-Anfänger anwesend.
1821 Im Juni gründen Schuhmachermeister Blitz und Wagnermeister Staudemeyer sowie Glasermeister Berit einen Leichenverein in Kahla.
1827 Im September wird mit 68 Mitgliedern die Gesellschaft "Harmonie" gegründet. Erster Vorsteher war D. med. Schnaubert.
1829 Im Mai wird ein "Singeverein" gegründet. Am 18. Oktober zur Erinnerungsfeier an die Schlacht bei Leipzig 1813 trägt der neue "Singeverein" auf dem Markt vaterländische Lieder vor.
1842 Am 15. Februar fordert ein neu gebildeter Vereinöffentlich auf, in der Nähe der Stadt nach Torf und Braunkohle zu suchen. Bei Ölknitz und im Dehnagrund wird Torf und im Rückersgrunde wird Braunkohle gefunden.
1844 wird am 19. November ein Gerberverein gegründet, der wöchentlich einmal im Rathaus tagt.
1845 Ein landwirtschaftlicher Spezialverein für Kahla tagt zum ersten Mal in Kahla. Am 20.06. gründen 14 Sänger im alten Spießhaus die "Liedertafel". Gründer sind: Christian Kellner, G. Rudolf, Maler Beyer, Eduard Härtel, Gustav Bock, Adolf Koch, Karl Süße, Karl Herold, G. H. Herold, Karl Ludwig, K. Gumpert, Maler Bock, Alexander Große, Theodor Fischer.
Am 24. Dezember wird ein Frauenverein zur Pflege der Nächstenliebe gegründet.
Am 16. Februar veranstaltet der neu gegründete Frauenverein zur Nächstenliebe im Saal des Gasthauses "Zum Stern" die Verlosung zum Besten der Armen.
1848 Im März macht sich der Vaterlandsverein, der schon seit Wochen wöchentlich in einem seperatem Zimmer im Rathaus tagt, unangenehm bemerkbar. Er versucht Unfrieden zu stiften und hetzt die Bürger wegen des hohen Wildbestandes auf. Wortführer sind Christian Leopold, Georg Schöler, Friedrich Metzner, Karl Partschefeld u. a.
Am 7. Mai bringt die Liedertafel dem Stadtschultheiß Loeber früh gegen 3:30 Uhr einen letzten Gruß dar. Um 4:00 Uhr wird der Leichnam in aller Stille beigesetzt.
1853 Am 21. Mai hält die neu gegründete "Bürgergesellschaft" einen Ball ab.
1854 Im Januar wird eine Zweibibelgesellschaft für Stadt und Land gegründet.
1860 Am 25. Januar gründet Rechtsanwalt Matthiä den Turnverein mit 40 aktiven und 26 passiven Mitgliedern. Der Turnverein erhält von der Stadt die Griesspitze als Turnplatz. Am 26. September zweigt sich vom Turnverein ein Gesangsverein ab. Am 26. Februar gründet der Turnverein eien Feuerwehr, bestehend aus einer Steiger-, Rettungs-, Wassertransport-, Spritzen- und Wachmannschaft.
1862 wird am 02. Dezember ein Verein für Geschichte und Altertumskunde gegründet.
1864 Am 29. Januar erstes Wiegefest in Kahla. Geburtsstunde des Wiegevereins. Das Wiegefest wird jährlich am 29.01. im Hotel zum Löwen gefeiert.
1875 zählt Kahla 33 Vereine:
Verein für Geschichte und Altertumskunde, Bibelverein, Bürgergesellschaft, Fliegende Kolonne, Frauenverein, Liedertafel, Gesangsverein, Gustav-Adolf-Verein, Harmonie, Juristenverein, Klub, Kollegium, Kriegerverein, landwirtsch. Verein, Militärverein, Missionsverein, Ortsverein gemischter Gewerke, Ortsverein der Maurer, Ortsverein der Zimmerer, Bolyhymnia, Predigerverein, Quirlscher Verein, Quodlibet, Schützengesellschaft, Schullehrerverein, Skatclub, Sterbekassenverein, Turnverein, Verschönerungsverein, Vogelliebhaber, Wendische Schafsköpfe, Zehner. Einer der ältesten Vereine, die geschlossene Geselschaft Erholung, ist bereits in den 60er Jahren nach der Feier ihres 50jährigen Bestehens sanft entschlafen.
Beck 1875
31. Dezember - Kahla zählt 2768 Einwohner.
1885 Am 24. Oktober wird ein Verein zur Beratung städtischer Angelegenheiten gegründet.
1887 Der Verein für Geschichte und Altertumskunde feiert sein 25jähriges Bestehen.
1890 Am 3. Juni nimmt die Liedertafel am deutschen Sängerfest in Wien teil.
1891 Am 19. Januar erste Versammlung des Arbeiterbildungsvereins.
Im Januar wird der Konsumverein der Porzellanfabrik als Genossenschaft mit beschränkter Haftung eingetragen. Am 19. Oktober veranstaltet der Ortsverein eine Obstausstellung.
1895 Am 11. Mai feiert der Militärverein sein 25jähriges Bestehen.
1899 Der Spar- und Vorschussverein wählt Adolf Jecke zum Direktor.
1900 Am 17. Mai wird ein Gesangsverein "Freie Sänger" gegründet.
1907 wird am 3. Dezember ein "Vaterländischer Turnverein" gegründet.
Am 31. Dezember scheidet der Turnverein Kahla aus der Deutschen Turnerschaft aus.
1910 der "Turnverein 1860" feiert sein 60jähriges Bestehen.
Am 30. April wird ein "Fußballsportverein" gegründet. Vom 29. - 30. Mai feiert der Männergesangsverein sein 50jähriges Bestehen.
Am 9. und 10. Juli feiert der Turnerbund mit seinen Gästen ein Bezirksturnfest in Kahla.
1912 Am 1. April entsteht eine Ortsgruppe des Wehrvereins in Kahla. Erster Vorstand: Rektor Burkhardt, Aktuar Denner, Kaufmann Fischer.
1914 Am 3. März Gründung der Birkenhaingesellschaft.
1920 Am 17. November wird ein Schachclub gegründet.
1921 Am 25. September wird vorgeschlagen, eine Theatergemeinde zu gründen.
1922 Gründung einer Arbeiter- Samariter- Kolonne. Am 21. April wird neben dem Schachclub ein Arbeiterschachclub gegründet.
1923 Am 4. Januar offizielle Gründung einer Theatergemeinde. Am 13. Januar erster Theaterabend der neuen Theatergemeinde. Leiter der Gemeinde war Dr. Albrecht Fillmann, Direktor im Porzellanwerk.
1924 Am 24. Oktober Gründung einer Orchestervereinigung.
1928 Am 27. März beginnt der Theaterabend der "Freien Volksbühne".
1931 Am 2. März ist die Mitgliederzahl des 1930 gegründeten Verkehersvereins auf 150 Mitglieder angestiegen. 10.000 Prospekte sowie ein "Führer durch Kahla und Umgebung" ist im Umlauf
1933 Am 6. Juli wurden auf Grund einer Anordnung des Reichspräsidenten folgende Vereine in Kahla verboten:
Gesangverein "Freie Sänger",
Arbeiter- Rad- und Kraftfahrerbund "Solidarität",
sozialistische Arbeiterjugend,
Arbeiter-Radiobund,
Arbeiter-Schachclub,
Arbeitersamariterkolonne,
Liga für Mutterschutz,
Zentralsportverein "Vorwärts",
Am 10. Juli erstes öffentliches Auftreten der NS-Kapelle, die später aufgelöst wurde und durch die Werkscharkapelle des Porzellanwerkes ersetzt wurde.
1945 Im November haben die "Freien Sänger" die 1933 verboten wurden, ihre Vereinstätigkeit wieder aufgenommen.
1946 konstituiert sich der Gartenverein neu.
1948 Eine Gruppe von Sportkeglern legt den Grundstein für einen Kegelverein. Organisatoren waren Max Schaub, Waltraud Knabe, Louise Kaßner u. a.
Nach dem Krieg 1945 wurden einige Vereine die einen faschistischen Anstrich hatten aufgelöst. Es entstanden neue. Aber der Begriff Verein wurde nicht mehr so verwendet, abgesehen von denen, die weiterbestanden wie z. B. Anglerverein usw. Die einzelnen Interessengemeinschaften nannte man („AG“) Arbeitsgemeinschaft, Freundeskreis, Ensemble, Gesellschaft, Zirkel u. s. w.
1946 Werkorchester des Porzellanwerkes mit 25 Mitgliedern (bis zur Wende).
1950 Tanz- und Gesangsensemble im Klubhaus Magnus Poser.
1952 Gesellschaft für „Sport und Technik“ (GST) mit Motor- und Schießsport und Funkstation.
1955 Artistengruppe, Hamonikagruppe, AG Phylatelie
AG Touristik, Fanfarenzug, AG Modelleisenbahn, Gemischter Chor des Porzellanwerkes, Kinder- und Jugendtanzgruppen, Schrammelgruppe, Kinderchor der „Karl-Marx-Schule“, Kammermusikgruppe, Keramik-Zirkel, Kammerchor, Ziergeflügel und Exoten, Handarbeitszirkel.
In der „Station Junger Techniker“ waren folgende AG vereint:
AG Schiffs- und Flugmodellbau,
AG Fotografie.
Sektion Schach für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Im Kulturbund waren über 60 Natur- und Heimatfreunde tätig.

Verfassung:

1446 Herzog Wilhelm, der am 11. Dezember 1445 bei der Landesteilung Thüringen zu gesprochen bekommt, erlässt eine Landesordnung.
1619 Am 16. April erhält die Stadt Kahla neue Statuten, besonders beim Erb- und Familienrecht.
1642 Am 24. Februar überreicht der Rat der Stadt nach der Erbhuldigung dem Herzog seine neuen Statuten zur Genehmigung.
1720 Bestimmt die Regierung, dass mit Rücksicht auf die dem Amt wieder zustehenden zwei Drittteile der Obergerichte bei der Einführung eines neuen Amtsmannes ein Ratsvertreter zugegen sein müsse.
1830 Am 7. Dezember überreichen die Bürgerdeputierten den Regierungskommissaren Kreishauptmann von Schwarzenfels und Kreishauptmann Müller einen Entwurf zu einer neuen Stadtordnung. Am 26. Dezember überreicht auch der Stadtrat einen sogenannten „unmaßgeblichen“ Entwurf zur Abänderung der bisherigen Stadtordnung.
1832 Am 28. Februar überreicht Kreishauptmann von Schwarzenfels und Kreisamtmann Müller auf dem Rathause vor versammelter Bürgerschaft dem Rat ein in Samt gebundenes Exemplar der neuen Stadtordnung mit entsprechenden Ansprachen, auf die Bürgermeister Ernst Westhoff und der Verfasser des ersten Entwurfs der Stadtordnung, Papierfabrikant Karl August Lehmann erwidern. Ein Schlusswort spricht Superintendent Findeisen.

Wasserwesen:

Die Saale war als Wasserlieferant für die Stadt, für ihre Bewohner und vor allem für die Gewerbebetriebe bei weitem nicht der große Favorit: Das war viel mehr der Oberbach.

Man grub dem Rinnebach in der Biberau ein neues Bett und teilte durch ein Wehr seine Wasser. Von da an haben wir die beiden Namen Ober- und Unterbach. Die Jahreszahl für dieses Ereignis wird verschieden angegebenen: 1304 Mehlis 80 1307 Bergner S. 30 Gundermann 1324 G. Fischer 1342.

Den Oberbach führte man in die Stadt und teilte ihn am Obertor aufs Neue. Einen Teil des Wassers leitete man auf die Walkmühle, mit einem zweiten speiste man den an der Stadtmauer entlang führenden Halsgraben, und den dritten lenkte man, noch einmal geteilt, nach rechts und links durch die Gassen der Stadt. Hier wurde er zum großen Wasch, Planschund Reinigungsbecken für die Menschen und für jede Kreatur.

Das Wasser im Stadtbach fand bis weit in die neuere Zeit hinein zu allen möglichen Zwecken Verwendung, selbst zum Bierbrauen. So gesehen war es selbstverständlich, dass die Stadtväter über ihren Oberbach alle Hände hielten.

Folgen wir darüber und über die Wasserversorgung der Stadt überhaupt nun den Aufzeichnungen in den Jahrbüchern.
1304 Über die zeitliche Entstehung ist oben bereits berichtet.
1463 Unter einem großen Aschenbaum Eschenbaum wird auf dem Rödel der Aschborn gefasst und durch Röhren in die Stadt geleitet. Die Auslagen betragen, trotzdem die Bürger fronen, noch 100 Aßo. Damit erhält die Stadt ihre Wasserleitung.
RA. P. XII 7, Mehlis 81 G. Fischer
1539 Kahla erhält eine Bach und Mühlenordnung (Sie ist äußerst dürftig).
RA. G. XIV 3
1587 Mühlen und Wasservertrag wegen des Oberbachs und dessen Wehr zwischen dem 2.7. Rat und den drei Bachmüllern, in dem auch der Wasserabfluss vom Obertor nach der Walkmühle geordnet wird.
Lehmann 141
1646 Der Rat beschließt, dass der Brunnen ins Brauhaus geleitet wird. Bisher hat man das 7.8. Wasser zum Brauen aus dem Bach genommen.
G. Fischer
1656 Der Rat verfügt, dass die Oberbachwiesen mittwochs von 2-4 und sonnabends von 12-4 Uhr gewässert werden dürfen.
Günther, Degen, Notabilien
1720 Große Wassernot, die mit einem schweren Hagelwetter beginnt. Der Unterbach ist so 15, stark, dass er sämtliche Keller in der Jenaer Vorstadt bis zur Häusels-, Martins 30.06. Mühle mit Wasser füllt. Auch die Saale tritt aus.
Kahla IV 413, Mehlis 84,
Nik. Fischer 8
1741 Der Rat lässt auf dem Markte einen schönen neuen Brunnenbottich mit 8 Ecken aus eichenem Holze aufstellen.
Nik Fischer 42
1772 Der Obertorwächter Hans Michel Heyn fällt rücklings in den Stadtbach als er am 25.2. in diesem seine Notdurft verrichten will. Das Wasser nimmt ihn mit und stürzt ihn in die Radgrube der stillstehenden Geisenmühle, wobei er sich den Schädel aufschlägt.
1804 In der Mariengasse wird der Bach, der mitten hindurch fließt und in dessen Bett das Fuhrwerk fahren muss, an die Häuser gedrückt, so dass die Fahrbahn nunmehr trocken liegt.
La Ha.
1807 Die gesamte Bürgerschaft macht den mit Eis und Schnee gefüllten Oberbach wieder 20.2. flott.
La Ha.
1819 Die steinerne Bachrinne vom oberen Tor wird durch Meister Michael Jecke 13.10. fertig gestellt.
La Ha.
1821 Färber Hempel spült seine Sachen im Bach und verunreinigt ihn. Es kommt zu einem Prozess. Schließlich im April 1823 wird ihm das Spülen verboten. Hempel verlangt 4000 Taler Abfindung, die Bürgerschaft bietet 200. Der Prozess endet 1831, und er erhält 55 rl (Taler) und muss aber seine Gerichts und Advokatskosten selbst tragen.
1821 Wegen der Verunreinigung des Stadtbaches durch den Färber Hempel, der seine 28.8. Sachen in ihm spült, kommt es zu einem Prozess mit diesem. Die Bürgerschaft heute wieder aufs Rathaus gefordert, wählt in das Prozess-Syndikat: Gerbermeister Fischer, den Geisenmüller Wolff, Gerber Beerbaum, Apotheker Stößner, Michael Horn und Wilhelm Zipfel.
La Ha.
1821 Die Bürgerschaft stimmt auf dem Rathaus wegen der Benutzung des Baches durch 24.7. den Kunst- und Schönfärber Hempel ab.
Heim.-Bl. 1829/9
1840 wird der hölzerne Wasserbehälter auf dem Markt samt Steinlager erneuert, auch der Bottich mit Ölfarbe gestrichen.
1843 Der Brunnen am Pfortenberg wird neu gefasst.
1844 wird der Markt (6247 Ellen) neu gepflastert, bei einem Kostenaufwand von 200 Taler 27 Groschen. Die Holzröhren der Brunnenleitung vom Aschborn zum Amtshaus werden durch steinerne, von Amtshaus bis Brauhaus in der Schuhstraße durch eiserne Röhren ersetzt (Aufwand 1579 Taler). Außer dem Brunnen auf dem Markt und neben der Kirche werden noch solche für das Malzhaus sowie für die Jenaische und Saalvorstadt geplant. Entfernung Aschborn bis Amtshaus (Tür) 2461 Ellen, von dort bis zum anderen Brunnen 233 Ellen.
1845 erhält die Jenaische Vorstadt einen Brunnen, das städtische Malzhaus ebenfalls. In der Stadt werden neue Brunnenröhren gelegt, bei einem Aufwand von 544 Taler 6 Groschen 2 Pfg.
1846 Die Saale- Vorstadt erhält vor dem Mittelhäußerschen Hause einen Brunnen. Die dazu erforderliche, Leitung misst 734 Eilen. Das Legen von Brunnenröhren wird fortgesetzt. Aufwand für 978 Ellen rund 814 Taler.
1849 Der Entenplanteich wird völlig zugeschüttet. In der Roßstraße wird das Bachufer neu hergestellt (Aufwand rund 375 Taler).
1855 wird im Hofe des Amtshauses ein Brunnen angelegt.
1856 wird am Brunnen auf dem Markt ein steinerner Wasserbehälter aufgestellt.
1857 geschieht dasselbe auf dem Kirchplatz.
1858 wird eine stadträtliche Verordnung über das Reinhalten der Brunnen erlassen.
1859 wird beschlossen, die Röhrenfahrt vom Aschborn in die Stadt in eine eiserne umzuwandeln. 1861 ist die Auswechslung beendet. Die Stadt hat 6 Brunnen, Markt, Kirchplatz, Obertor, Jenaer Vorstadt, Entenplan, Saalevorstadt, außer denjenigen im Amtshause, in der Superintendentur und im Brauhaus. Die Kosten für die Anlage betragen rund 9500 Taler. Der Pumpbrunnen in der Hofstatt wird wieder zugeschüttet (gibt kein gutes Wasser).
1863 wird das 400-jährige Bestehen der Wasserleitung mit einem Brunnenfest gefeiert. Die Laufbrunnen sind geschmückt. Bürgerversammlung auf dem Markt. Mit Musik zum Aschborn. Hier singt die Liedtafel. Nach einer Rede geht es nach dem Birkenhain. Hier Volkfest mit Bratwurst und Freibier, abends auf dem Markt Fortgang.
1865 wird der Bach in der Stadt kanalisiert und vollständig zugedeckt. Das geschieht 1892 66 auch in der Margarethen- und Roßstraße, in der Töpfergasse und in der Fabrikstraße bis zur Wiesenmühle.
1900 Wird im Dezember die Hochdruck Wasserleitung in Betrieb gesetzt. Die Brunnenständer sind bekränzt. Die Stadtkapelle bläst vom Rathaus aus einen Choral. Am Aschborn findet eine Gedenkfeier statt, danach gibt es im Rathaus ein Frühstück und im »Löwen« ein Festmal. Wenige Tage später (10. Dez.) werden sämtliche Brunnen geschlossen, auch der Druckständer im Amtshof.
1912 werden neue Wasserquellen für die Stadt im Leubengrund erschlossen.
1991 Gründung des Wasser- und Abwasserverbandes (WAV), in dem 22 Kommunen um Kahla vereinigt waren.

Ziegeleien:

Ziegelsteine gibt es schon sehr lange. Bereits aus den ältesten Zeiten Ägyptens sind uns Mauersteine bekannt. Noch heute werden in Europa in Feldziegeleien solche ähnlichen Steine hergestellt. Man benutzte damals ungebrannte und gebrannte Ziegelsteine. Auch Steine mit lebhaft farbigen Glasuren wurden verwendet. Griechen und Römer bekleideten jedoch das Mauerwerk mit Marmor oder Putz.

Der römische Ziegelbau verbreitete sich über Italien, Gallien, Hispanien, Britannien und zum Teil auch über Deutschland.

Dann war einige Jahrhunderte die Ziegelbrennerei in den Hintergrund getreten. Der Steinbau mit Natursteinen aus Sandstein und Kalkstein kam auf.

Im 12. Jahrhundert begann der Backsteinbau in eine neue Blütezeit überzugehen. Viele gotische Bauwerke in Deutschland, vor allem im Norden und Osten, zeigen eine große Vollkommenheit der Ziegeltechnik. Mit Vorliebe wurden glasierte, farbige Mauersteine verwendet.

Wie sah es in Kahla aus?
Schon 1484 wird in Kahla ein Ziegelhof erwähnt. In der Stadtrechnung von 1522 steht zu lesen, dass die Ratsziegelei im Jahre vier Taler, 50 Groschen und drei Pfennig einbrachte. Ein Scheffel ungelöschter Kalk kostete sechs Groschen, 100 Ziegelsteine vier Groschen, die für den Bau der Pfarre in Kleineutersdorf gekauft wurden.

Der Kahlaer Brückenmeister, die Leuchtenburg, der Dr. Reinboth, der Töpfer und der Weißgerber waren Abnehmer gebrannter Ziegelsteine. Dagegen kauften die Bauern aus Gumperda, Ölknitz, Trockenborn und Kröbitz nur ungebrannte Steine.

An Ausgaben standen im Kahlaer Ziegelhof gegenüber zwei Taler und 37 Groschen für den Ziegelofen, darunter Fenster zu reparieren, an den Tongruben zu arbeiten, Ton zu brechen und zu fahren. Der alte Ziegler erhielt fünf Groschen für eine „Noppe“ Ton. Auch Ausgaben zum Sammeln und Laden von Kalksteinen waren darunter sowie Arbeiten für „4200 Breitziegel und 1400 Ziegelsteine herstellen, brennen und die Ziegel aus dem Ofen auszutragen“.

Bekannt ist uns auch, dass 1532 in der Ratsziegelei der alte Brennofen abgebrochen und ein neuer eingebaut wurde. Noch 1547 werden die Ziegelhütten an der Stadt erwähnt. Aus Gründen der Sicherheit wurden die Ziegeleien außerhalb der Stadtmauer errichtet, weil die aus Lehm und Stroh erbauten Häuser sehr leicht Feuer fingen. Nur ein Funken aus dem Schornstein der Ziegelhütte und ganz Kahla hätte in Flammen gestanden.

Es gab aber noch einen anderen Grund, warum die Ziegeleien nicht innerhalb der Städte lagen. Man baute sie in die Nähe der Lehm- oder Tonlager, um Transportwege zu vermeiden. So hatte die Ratsziegelei in Kahla ihr Tonlager dort, wo die ehemalige Gasanstalt stand. Auch Bauteile der alten Ratsziegelei sind noch in der Töpfergasse und Heimbürgestraße erhalten. Ebenso ist der große Schornstein der Ratsziegelei noch zu sehen.

Erst mit dem Bau der Gasanstalt (1906) konnte das Tonlager nicht mehr benutzt werden. Man fand dann ein neues Lager, nämlich in der Friedensstraße, wo heute die Molkerei steht. Dieses Gebäude war lange Zeit Abbaugebiet der Ratsziegelei Kahla.

1548 können wir lesen, dass die Häuser vom Jenaer Tor bis zur Ziegelhütte gebaut wurden. Seit dieser Zeit bereits stand die Ziegelhütte nicht mehr allein vor der Stadtmauer. 1848 wurde die Ratsziegelei an die Brüder Gottlieb und Friedrich Jecke verkauft. Noch heute befinden sich inzwischen umgebauten Reste der Gebäude der alten Ratsziegelei in den Händen der Familie Jecke.

Da die alte Ziegelei nicht mehr den Anforderungen entsprach, das alte Tonlager aufgebraucht war, und das neue Tonlager sehr ungünstig lag, gaben die Stadtväter im Jahre 1900 die Genehmigung, die „Sommermeyersche Ziegelei“ zu erbauen. Auch dieser Betrieb nutzte anfangs das Tonlager neben der ehemaligen Molkerei in der Friedensstraße.

Die Ratsziegelei produzierte noch bis 1914, dann wurde die Produktion eingestellt. 1932 wurde die neue Ziegelei von der Familie Jecke übernommen. Zwei Millionen Ziegelsteine werden jährlich in den Sommermonaten hergestellt. Durchschnittlich wurden in dieser Zeit 18 Arbeiter beschäftigt. Dann wurde dieser Betrieb 1956 halbstaatlich und später zum VEB (K) Ziegelwerk Kahla.
1484 wird ein Ziegelhof erwähnt. Er befand sich an der Heimbürgestraße/Töpfergasse.
1532 wurde in der Ratsziegelei ein Brennofen abgerissen.
1547 am 25. Juni, an einem Sonnabend, erscheint Herzog von Alba vor Kahla. Er zieht mit seinen Kriegsvölkern mit vielen Fähnlein an der Stadt vorbei in Richtung Saalfeld. Dabei streift er an den Ziegelhütten vorbei. Herzog Alba bleibt mit seinen vornehmsten Offizieren über Nacht in Kahla. Im Gefolge der Spanier befand sich der Kurfürst Johann-Friedrich (Hanfried) als Gefangener.
Am 26. Juni, an einem Sonntag, kommt der Kaiser Karl der V. selbst nach Kahla. Er wohnte im Hause Ert Sörgers an der Marktecke, im späteren Gasthof zum Löwen.
1548 Die Häuser der Vorstadt wurden vom Jenaer Tor bis zu den Ziegelhütten zu bauen begonnen.
1848 geht die Ratsziegelei durch Kauf in den Besitz der Gebrüder Gottlieb und Friedrich Jecke über.
1861 ab 22. April wird die bisherige freie Abgabe von Kalkbacksteinen durch Ziegeln zum Neubau abgebrannter Häuser eingestellt.
1900 Am 28. Februar Beginn des Baues der Sommermeyerschen Ziegelei.
1903 Am 10. Juli werden in der Sommermeyerschen Ziegelei fossile Knochenreste gefunden.
1972 Die ehemalige Sommermeyersche Ziegelei wird VEB (Volkseigener Betrieb). In den VEB-Betrieb waren 29 Arbeiter beschäftigt. Die Jahresproduktion brachte 2,6 Millionen Mauerziegel und 3000 m² Stahlbetonhohldielen. Der zu verarbeitende Rohstoff war Löslehm aus der Grube am Walpersberg.
1990 Kurz nach der Wende wurde die Ziegelei stillgelegt.
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