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Artikel 59 für Ausgabe 6/2011 der Kahlaer Nachrichten - Die Goetzhöhle in Meiningen:

Die größte begehbare Kluft- und Spaltenhöhle Europas,
die so genannte „Goetzhöhle“ von Meiningen, ist allgemein noch wenig bekannt.
Der Meininger Kaufmann Reinhold Goetz, Hersteller der noch heute vermarkteten „Rhöntropfen“, entdeckte im Jahre 1915 beim Gesteinsabbau auf seinem großen Berggrundstück eine Öffnung im Muschelkalkfels. Dabei fand er beim weiteren Aufgraben heraus, dass diese in eine parallel zum Berg führende große Spalte führte.
Felsspalte in Goetzhöhle Meiningen
In den nächsten Jahren fand Goetz nach Anlegen eines Stollens bei Beräumungen in einer etwa 20 m weiter entfernten Felsspalte im abgelagerten Lehm tierische, z.B. Höhlenbär und Wisent, und auch menschliche Knochen, die nach Untersuchungen etwa auf das erste urkundliche Erwähnen der Stadt Meiningen datiert werden konnten.
Danach wurden von Goetz noch zwei weitere weitgehend verschüttete Felsspalten gefunden. Alle befinden sich auf einer Höhenlage zwischen 328 und 361 Metern über NN.
Große Felsspalte Goetzhöhle Meiningen
Im Jahre 1922 begannen erste Forschungen unter Leitung des Thüringer Höhlenvereins, die aber nach dem Tode des Entdeckers 1925 ruhten.
Erst Anfang der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts begannen nach Anregung eines Geologen und hauptsächlich finanziert von der Goetzwitwe durch bergbau- und geologiekundige Arbeiter weitere Ausgrabungen und Sicherungen auf dem Gelände.
Allein 7000 Kubikmeter Material wurden aus dem Höhlen- und Spaltensystem ausgeräumt und erste Treppen aus Eichenholz sowie eine elektrische Beleuchtung eingebaut.
Damit konnte die Höhle 1934 offiziell für Besichtigungen freigegeben werden. Später wurde sie als Naturdenkmal geschützt und als Bodendenkmal eingestuft, bis im Jahre 1970 eine strittige Schließung wegen angeblicher Einsturzgefährdung angeordnet wurde. Der Eingang wurde vermauert. Man geht heute davon aus, dass die Grenznähe eine Rolle spielte.
Der Dornröschenschlaf wurde erst nach Feststellung der Begehbarkeit 1996 durch engagierte Bürger beendet. Mit einem Millionenaufwand wurde die Immobilie erworben und saniert. So konnte im April 2000 endlich das nunmehr verpachtete Areal als Schauhöhlenbetrieb feierlich wiedereröffnet werden.
Weitere Ausbaustufen sind vorgesehen.
Die Felsspalten erreichen eine Höhe bis 50 m, Längen bis 40 m und Breiten bis 3 m.
Sie sind in drei Ebenen über 164 Stufen begehbar,
Treppenaufgang Goetzhöhle Meiningen
wobei es auch eine kleine ebenerdige Besichtigungsmöglichkeit gibt. Die für Besucher freigegebene Länge ist etwa 450 m.

Die Goetzhöhle ist eine reine Naturhöhle. Im anstehenden „Unteren Muschelkalk“, der auf dem „Oberen Buntsandstein“ aufliegt, wirkten und wirken noch heute Gleitkräfte, durch die im Laufe von Millionen Jahren große Felsspalten entstanden. Der „Talriss“ wurde durch das Abtragen des Werratales noch verstärkt. Dieses ständige Gleiten - es wird von den Geologen millimetergenau vermessen - wird in absehbarer Zeit zu einem talseitigen Absturz der Felsmassen, sicher ähnlich dem Kahlaer Dohlenstein, führen.
Erdgeschichtlich gesehen ist die Höhle als noch jung einzuordnen. Versinterungen sind erst gering vorhanden.
Erste Versinterungen Goetzhöhle Meiningen
Interessant ist auch die Tierwelt im diesem Höhlensystem. Man unterscheidet hier drei Gruppen, darunter die „Höhlenfreunde“ (Troglophilen), die ständig im Dunkel leben, aber auch in der Außenwelt leben können und die Troglobionten, die nur in einem völlig verdunkelten Höhleninneren existieren. Diese Tiergattungen haben im Laufe der Evolution spezielle Eigenschaften, wie völlige Blindheit und kaum Farbpigmente der Haut, entwickelt.

Mehrere Arten von Fledermäusen haben hier ihr Quartier bezogen.
Fledermäuse im Winterschlaf Goetzhöhle
Ihr Ein- und Ausflug wird mit modernen Sensoren registriert.
Eine kleine Pflanzenzone hat sich um die Beleuchtung der Höhle entwickelt. Sie hat kaum Bedeutung.
Im Berginneren herrschen ständig 8 Grad Celsius.
Vom Areal hat man einen schönen Blick auf die alte Residenzstadt Meiningen.
Blick von der Goetzhöhle auf Meiningen.
Die Höhle ist gut erreichbar.
Man fährt in Richtung Meiningen-Dreißigacker.
Auf halber Strecke beginnt eine Beschilderung.
Eine Parkmöglichkeit ist nahe gelegen.

Heinz Arlitt
Heimatgesellschaft

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