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Artikel 43 für Ausgabe 25/2009 der Kahlaer Nachrichten - Bibra bei Meiningen:

11 Kilometer südlich von Meiningen liegt das Dorf Bibra. Seine unmittelbare Grenznähe zu Franken machte es lange Zeit für die meisten Bürger unseres Landes unerreichbar. Doch es lohnt sich, seine Bekanntschaft zu machen, denn es ist ein wunderschöner gepflegter Ort mit einer bedeutenden Kirche und einer ehemaligen Wasserburg .
Mitten im Ort steht die einschiffige, im spätgotischen Stil erbaute Kirche Sankt Leo.
Kirche Sankt Leo
Stifter des Kirchenbaus war im Jahre 1492 Dr. Kilian von Bibra, Domprobst in Würzburg. Das Geschlecht derer „von Bibra“, das urkundlich belegt bis in das Jahr 1119 (Bartholdus de Bibera) zurück reicht, war es auch, das durch seinen Einfluss namhafte Künstler mit der Ausstattung des Kircheninneren beauftragte. Der berühmteste war Tilman Riemenschneider. Er schuf verschiedene Kunstwerke, die noch heute im Chorraum der Kirche zu besichtigen sind.
So stammt aus seiner Werkstatt der aus Lindenholz geschnitzte Apostelaltar
der aus Lindenholz geschnitzte Apostelaltar
Er stellt den „Missionsbefehl“ nach Matthäus 28, 18-20 dar. Jeder Figur sind für sie typische Symbole beigefügt, z.B. Petrus mit dem Schlüssel oder Johannes mit dem Kelch.
Die hohe Schnitzkunst der Riemenschneider-Werkstatt ist auch am Verkündigungsaltar
Verkündigungsaltar
zu bewundern. Der Verkündigungsengel Gabriel kommt zu Maria und überbringt ihr die Botschaft, dass sie Jesus gebären wird. Über allem schwebt Gott mit der Weltkugel.
Auch die aus Lindenholz geschnitzte Apostelfigur des hl. Kilian und ein „Christuskorpus“ werden der Werkstatt Riemenschneiders zugeschrieben.

Erwähnenswert sind auch die zwei freigelegten großen Wandgemälde in der Kirche. Das eine stellt „Christophorus“, der den Christusknaben über den Fluss trägt dar, das andere das „Jüngste Gericht“.
Wandgemäde - Jüngste Gericht
Da die meisten Menschen früher weder lesen noch schreiben konnten, wurde ihnen die Kirchengeschichte anhand von Bildern näher gebracht.
Riemenschneider hat aber nicht nur geschnitzt, wie der Epitaph des Johannes von Bibra beweist, denn auch diese Sandsteinfigur stammt von ihm.
Im Dorf steht unweit der Kirche eine noch heute von der Familie „von Bibra“, also direkten Nachfahren der Ortsgründer, bewohnte Burganlage. Ein Großteil der Burg wurde im Bauernkrieg und im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Heute sind noch insbesondere Teile der Außenmauern, Türme, Brücken und Befestigungen zu sehen.
Außenansicht
Burg Bibra Röhn
Das Geschlecht derer von Bibra gehörte zur fränkischen Reichsritterschaft und unterstand damit keinem fürstlichen Herrn. Berühmte Fürstbischöfe, Diplomaten und Feldherren gingen aus dem Geschlecht hervor. Auch im Schulwesen, in der Forstwirtschaft, der Chemie und der Naturforschung sind Verdienste nachzuweisen.
Das Familienwappen stellt einen Biber (Bibra) dar. Dieses ungewöhnliche Wappentier ist auch in der Kirche mehrmals zu sehen.
Gegenwärtig dient die Burg in den noch erhaltenen und wieder aufgebauten inneren Gebäudenteilen kirchlicher Weiterbildung. Sie kann nach Vereinbarung teilweise besichtigt werden.
Gut erreichbar ist Bibra über die Thüringer-Waldautobahn, Abfahrt Meiningen Süd.

Heinz Arlitt
Heimatgesellschaft

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