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Artikel 96 für Ausgabe 5/2014 der Kahlaer Nachrichten - Das Besucherbergwerk Mellestollen im Wittmansgereuther Tal bei Saalfeld:

Im Gebiet um Saalfeld wurde nachweislich bereits vor über 3000 Jahren von den damals ansässigen Kelten Bergbau betrieben. Reste von Brennöfen, Gussformen für Sicheln sowie verschiedene Gussgegenstände aus dieser Zeit wurden von Archäologen sichergestellt. Kupfer und Antimon baute man damals ab. Das aus anderen Gebieten stammende Zinn diente mit einer Beimischung von etwa 8 % zum Kupfer für Bronzeguss. Später kam der Erzabbau jedoch zum Erliegen.
Erst im Jahre 1537 begannen wieder Erschließungen von Erzvorkommen im Saalfelder Gebiet.
Es wurde neben dem Eisenerz auch Silber abgebaut. Dieses wertvolle Metall diente vor allem zur Herstellung von Münzen und Schmuckgegenständen der damaligen Herrscher.
Der Mellestollen unter dem Ort Wittmannsgereuth wurde erst etwa 1920 angelegt.
Eingang Busucherbergwerk Mellestollen
Hauptabnehmer des Eisenerzes war die Maximilianshütte in Unterwellenborn. Das gewonnene Gesteinsmaterial hatte im Durchschnitt einen Eisengehalt von ca. 30 % bei einem spezifischen Gewicht von 3,7. Die Bergleute konnten also dabei schon am Gewicht beim Abbau erkennen, ob es eisenhaltiges Abbaumaterial war, oder sog. totes Gestein. Letzteres kam außerhalb auf eine große Halde bzw. wurde auch gleich untertage wieder zum Verfüllen alter Abbauschächte genutzt.
Das anfangs mit abgebaute aber nicht genutzte Kobalt diente später als wertvoller Farbstoff in der Porzellanindustrie.
Das unter Tage abgebaute Erz wurde mittels Loren und Grubenbahn (in den Anfängen des Abbaus per Hand oder Pferd) über mehrere Kilometer befördert und verladen.
Untertageverladestation Mellestollen
Aus wirtschaftlichen Gründen wurde von 1939 bis 1942 eine direkte 11 km lange Seilbahntrasse zwischen Hopfgarten/Mellestollen und Unterwellenborn errichtet. Nach Fertigstellung konnte man damit jährlich ca. 250.000 Tonnen Erz transportieren. Mehr war aufgrund der Bahnkapazität nicht möglich. Die Förderleistung betrug etwa 60 t in der Stunde.
Die Seilbahn führte östlich um Saalfeld herum durch das Arnsgereuther Tal über Obernitz - Fischerdorf - Kamsdorf.
Eine Lore, oder auch Hunt, fasste etwa 0,9 t Erz.
Untertagegrubenbahnreste Mellestollen

Der Abstand der einzelnen Seilbahnbehälter war 96 m. Das Gesamtgefälle der Anlage betrug bis Obernitz 236 m, danach gab es wieder eine Steigung von 50 m bis zur Maxhütte.
Mit der Einstellung des 1969 unrentabel gewordenen Erzabbaus im Gebiet wurde diese direkte Verbindung still gelegt und danach wieder vollständig demontiert.
Bei einer sehr interessanten Führung durch den Geologen und früheren Betriebsangehörigen Herrn Bartsch werden neben dem Stollensystem auch in einer kleinen Ausstellung im früheren Lokschuppen der Zeche die in verschiedenen Erdzeitaltern entstandenen Erdschichten und Erdbewegungen um Saalfeld erläutert. Dies wird anhand von Karten, Gesteinsmaterial sowie Funden aus dem Zechsteinmeer sehr aufschlussreich dargestellt.
Zur Zeit sind etwa 300 m des neuen Besucherbergwerkes sicher begehbar.
Erste Versinterungen und kleine Tropfsteinbildungen sind bereits vorhanden.
Versinterungen Mellestollen
Tropfsteinbildung Mellestollen
An einer Erweiterung der Besichtigungsstrecke wird ständig gearbeitet.
Verschiedene tiefere Abbauflächen stehen heute unter Wasser, bergmännisch ausgedrückt: sie sind abgesoffen.

Heute dienen die ehemaligen Abbaustollen auch acht verschiedenen Fledermausarten zum frostfreien und sicheren Überwintern.

Verschiedene ehemalige Zechengebäude wurden in den letzten Jahren zu einem familiengeführten
3* Flair-Hotel umgebaut.
Flairhotel Mellestollen (ehem. Zechengebäude)
Führungen können an der Hotelrezeption angemeldet werden.
Sie erreichen den Mellestollen über eine gut ausgebaute Straße hinter dem großen Saalfelder Gewerbegebiet. Hinweisschilder sind vorhanden.

Heinz Arlitt
Heimatgesellschaft

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