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Artikel 82 für Ausgabe 3/2013 der Kahlaer Nachrichten - Geheimnisse unserer Heimatstadt Kahla:

Die Kahlaer Altstadt wurde auf einem Buntsandsteinausläufer am Zusammenfluss der Saale mit dem Reinstädter Bach gebaut. Dieser günstige erhöhte Standort schützte vor den früher, als es noch keine Saaletalsperren gab, regelmäßig auftretenden Hochwasserfluten und hatte natürlich auch eine erhebliche strategische Bedeutung.
Der vorgefundene Baugrund wies gleichzeitig viele Vorteile auf. Buntsandstein ist fest, aber gleichzeitig bestens zu formen und abzubauen. So entstand, vor allem im Mittelalter, ein wohl einzigartiges Labyrinth von Kellern, Gängen und Befestigungsanlagen unter den Wohnbauten, das heute in seinem Umfang weitgehend unbekannt ist.
Gang hinter dem ehem. Burgkeller.
Während die Stadt Gera bekanntermaßen mit ihren ähnlichen „Höhlern“ jährlich Tausende Menschen in den Bann zieht, ist unsere Altstadt im Dornröschenschlaf versunken.
Durch den Hobbyaltertumsforscher Gerhard Engelmann (verst.) wurde ich dankenswerterweise in meiner Jugend mit diesen Schätzen teilweise vertraut gemacht. Interessante Aushöhlungen und Sandsteingewölbe gibt es noch u. a. im Trommlerhaus in der Roßstraße, unter vielen Häusern der Burg, hinter dem ehemaligen Burgkeller in der Jenaischen Straße, unter dem Frisör-Budinahaus und auch in der heutigen Rudolf-Breitscheidstraße.
Ich gehe davon aus, dass diese Höhlungen fast unter der ganzen Altstadt zu finden sind. So wurden vor Jahren in der Margarethenstraße bei Baulichkeiten ganze LKW-Ladungen zur Stabilisierung in einstürzende Kelleranlagen verkippt.

Was mich mit diesem Artikel bewegt, sind folgende Feststellungen:
Mein Großvater Ernst Curth jun. hatte im Jahre 1907 mit dem Abriss des Oberen Tores auch das zwischen den Doppelstadtmauern befindliche Grundstück einschließlich namenlosem Schalenturm erworben und diesen mit der zum Wallgraben hin befindlichen Stadtmauer saniert.
Grundstück zwischen der Doppelstadtmauer.
Grundstück zwischen der Doppelstadtmauer.

Der Turm war zur Hälfte zugeschüttet und bildete mit dem Grundstück eine gleiche Ebene. Interessehalber wurde 1907 im Turm gegraben und eine Steintreppe nach unten sowie etwas tiefer ein Gangbeginn festgestellt. Aus welchen Gründen auch immer, erfolgte danach die Wiederherstellung der Schüttung und eine Betonversiegelung.
Wohin ging der Gang? Zum Löfflerturm? Hinein in die Stadt? Gibt es in den angrenzenden Häusern der Roßstraße eventuelle Hinweise eines beginnenden Ganges?
Für die Treppe nach unten gibt es eine plausible Erklärung. Der Turm hatte zwei Verteidigungsebenen.
Noch heute kann man von außen die unteren, früher unmittelbar über dem Wassergraben befindlichen Schießscharten erkennen.
Die Stadtmauer Kahla.
Die Stadtmauer Kahla.
Ich möchte mit diesen Ausführungen zum dringenden Schutz unserer innerstädtischen archäologischen Sehenswürdigkeiten aufrufen.
Vielleicht finden sich doch einmal Bürger unserer Stadt, die über einen Forschungsauftrag die genannten Befestigungen, auch mit Grabungen, dokumentieren.

Heinz Arlitt
Heimatgesellschaft

Stadtverwaltung Kahla, Markt 10, 07768 Kahla ·
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