f Aktiv gegen Rechtsextremismus
🔍

Artikel 81 für Ausgabe 2/2013 der Kahlaer Nachrichten - Das Augustinerkloster Gotha:

Das im Jahre 1216 durch Zisterziensernonnen gegründete Kloster wurde schon 1258 durch die Augustinerbettelmönche übernommen. Es gilt als älteste Baulichkeit der Augustiner in Thüringen und war das Mutterkloster des später durch Martin Luther weltberühmt gewordenen Augustinerklosters in Erfurt. Es befindet sich im historischen Teil der Gothaer Altstadt, nur wenige Minuten Fußweg vom Schloss Friedensstein entfernt.
Augustinerkloster Gotha - Eingangsbereich
Das Kloster wurde nach der Übernahme durch die Augustinereremiten mehrfach erweitert und erhielt 1366 eine neue Kirche sowie den noch heute ursprünglich erhaltenen schlichten mittelalterlichen Kreuzgang, der den 13 x 15 m großen Innenhof umschließt. Er diente, wie in den Klöstern dieser Zeit üblich, als Andachtsstätte, wurde aber auch bei Prozessionen genutzt und war Begräbnisstätte der Mönche sowie hochgestellter Persönlichkeiten des Ortes.
Augustinerkloster Gotha - Kreuzgang
Die Anlage wurde aber erst 1524 nach der Reformation bedeutsam.
Martin Luther predigte mehrfach in der Kirche.
1524 wurde in den ehemaligen Klosterräumen das aus einer anfänglichen Lateinschule hervorgegangene Gothaer Gymnasium untergebracht, das als „Illustre“ (vortrefflich, glänzend, berühmt) eingestuft wurde. Namhafte Schulreformer und Pädagogen lehrten hier, unter anderem Professor Johann Georg August Galetti.
Sein Grabstein steht noch heute im Kreuzgang.
Nach 1680 wurde die Augustinerkirche weitgehend erneuert und der Zeit entsprechend als Hallenkirche umgestaltet.
Die barocke Fürstenloge Herzog Friedrichs I. mit den Wappen von Cleve, Sachsen, Jülich und Berg,
Augustinerkloster Gotha - Fürstenloge

die reich verzierte Kanzel und die barocke Orgel wurden eingebaut.
Augustinerkloster Gotha - Kanzel
Das Instrument wurde in den Jahren 1991-1993 erneuert und besitzt heute 3500 Pfeifen, 50 Register und
4 Manuale.
Augustinerkloster Gotha - Barockorgel
1938 wurde die Kirche im Inneren verkürzt. Im abgetrennten Raum entstand eine Winterandachtsstätte.
Baulich interessant ist auch der ehemalige Kapitelsaal. Er diente zur Zeit des Klosters den Mönchen als zentraler Treffpunkt und Versammlungsort. In ihm befindet sich heute ein Café. Nur durch dieses gelangt man zur Zeit in die frühere Klosteranlage und die Kirche.
Die ebenfalls noch erhaltene frühere Sakristei dient als Raum der Stille und wird auch für Ausstellungen genutzt.
In einem Seitenraum der Kirche ist die Bibliothek untergebracht. Sie umfasst etwa 5000 Bände, von denen fast 3000 zum historischen Buchbestand zählen. Die meisten Bücher stammen aus Kirchen der Region. Die Sammlung wurde durch Ankäufe und Geschenke stetig erweitert. Die Bibliothek ist über Fenster einsehbar.
Augustinerkloster Gotha - Archiv
Zu den größten Kostbarkeiten gehört eine Original-Luther-Ausgabe von 1564.
Zwei Sagen werden mit dem Kloster in Verbindung gebracht. Die eine handelt von einem wegen schwerer Vergehen eingemauerten Mönch, der bis zur Entfernung eines in Stein gehauenen Gesichtes an der angeblichen Einmauerungsstelle spukte, die andere von einem Teufel in der Kirche anlässlich einer Lutherpredigt (Gothaer Sagen. Cramer 2005). Von 2007 bis 2009 wurden die ehemaligen Klosterbaulichkeiten umfangreich saniert und es entstand in ihnen ein evangelisch-kirchliches Begegnungszentrum. Es werden Andachten, Vorträge, Ausstellungen und Konzerte angeboten, aber auch die Beherbergung von Gästen ist möglich geworden.
Im Winterhalbjahr ist die Anlage nicht durchgängig geöffnet. Über die Telefonnummer 03621 305823 kann man sich informieren.

Heinz Arlitt
Heimatgesellschaft

Stadtverwaltung Kahla, Markt 10, 07768 Kahla ·
Telefon: +49 36424 77100 · E-Mail: stadt@kahla.de