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Artikel 78 für Ausgabe 20/2012 der Kahlaer Nachrichten - Festung und Schloss Heldrungen im Kyffhäuserkreis:

Im Bereich der Thüringer Pforte liegt im Kyffhäuserkreis die sehenswerte Kleinstadt Heldrungen.
Marktplatz Heldrungen
Noch immer geschützt von breiten Wassergräben, mächtigen Bastionen und Mauern empfängt den Besucher inmitten der Stadt die große frühere Festung und das Schloss Heldrungen.
Schloss Heldrungen
Die im Jahre 1136 erstmals urkundlich erwähnte Burg der Edelherren von Heldrungen war wahrscheinlich eine hölzerne Fluchtburg, die 1190 zu einer steinernen Anlage umgebaut wurde. Sie wechselte in den Folgejahren mehrmals den Besitzer. Graf Ernst der II. ließ Anfang des 16. Jahrhunderts ein vierflügeliges Renaissanceschloss mit Kapelle errichten.
Unmittelbar danach begann man, das von einem einfachen Graben umgebene Schloss zu „bastionieren“, d.h. man baute es, geprägt durch die Frührenaissance, zu einer für die damalige Zeit uneinnehmbaren Festung um. Es entstanden von nunmehr einem doppelten Wassergraben umgeben 12 Rondelle und mächtige Mauern mit Schießscharten und Gangsystemen, die zum Teil heute verfüllt, aber auch einige wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt worden sind.
Innerer Wassergraben Festung Heldrungen
Die Festung war nun ein sicherer Ort für den in dieser Zeit herrschenden Adel. Hier wurde im Bauernkrieg nach der Schlacht bei Frankenhausen der Bauernführer Thomas Müntzer bis zu seiner späteren Hinrichtung gefangen gehalten.
Im Schmalkaldischen Krieg gab es um die Festung Gefechte, aber erst im Dreißigjährigen Krieg eroberten im Jahre 1632 Wallensteins Truppen das Gelände und ermordeten alle Insassen. 1645 eroberten die Schweden die Burg und zerstörten sie zum Teil. Die äußeren Wälle wurden geschleift. Von den ursprünglich zwei romanischen Türmen ist einer, der sog. Müntzer-Turm, bis in die Gegenwart erhalten geblieben.
Thomas Müntzer Turm Festung Heldrungen

Schon nach kurzer Zeit wurden die Schutzwälle einschließlich der inneren Schlossgebäude wieder aufgebaut und modernisiert, doch bereits 1680 verlor die Festung an Bedeutung und verfiel langsam.
1815 gelangte Heldrungen unter preußische Herrschaft, hatte aber keine strategische Bedeutung mehr und diente nur als Verwaltungssitz. Nach 1930 begannen dann erste größere Erhaltungsrenovierungen der Wasserburg.
Wegen der Bedeutung Thomas Müntzers entstand nach dem zweiten Weltkrieg im Schloss zeitweilig eine Gedenkstätte.
Seit 1984 befindet sich hier mit kurzer Unterbrechung eine große Jugendherberge, die zur Zeit nach modernsten Gesichtspunkten renoviert und erweitert wird. Es wurden umfangreiche Gebäudesanierungen vorgenommen, denen ab 1990 vor allem Instandhaltungsmaßnahmen der inneren und äußeren Befestigungsringe um die Wassergräben folgten. Heute befindet sich im ehemaligen noch erhaltenen Schlossteil ein Cafe´.
Heldrungen Schlossinnenhof mit Cafe
Neben dem mächtigen Eingang zur Festung hat der ansässige Heimatverein sein Domizil und veranstaltet von dort regelmäßige für Besucher sehr zu empfehlende Führungen durch sonst verschlossene Bastionen und Räume des Schlosses mit detaillierten Informationen zur Geschichte der Bauwerke.
Festungseingang Heldrungen
Alle Außenanlagen sind aber frei zugänglich. Die komplette Umrundung der Festungsanlagen verdeutlicht erst die Größe der Baulichkeiten. Der innere und äußere Wassergraben sind über einen Tunnel miteinander verbunden.
Besucher können mit einem gemieteten Boot die Festung umfahren.
Heldrungen liegt unmittelbar an der neuen Autobahn 71 mit eigener Abfahrt.

Heinz Arlitt
Heimatgesellschaft

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