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Artikel 72 für Ausgabe 07/2012 der Kahlaer Nachrichten - Die Klosterruine St. Wigbert in Göllingen:

Zwischen der Kyffhäuserstadt Bad Frankenhausen und der
früheren Residenzstadt Sondershausen befindet sich der Ort Göllingen.
Göllingen an der Wipper
Schon im Jahre 775, andere Informationen sprechen vom Jahre 786, wird das Dorf im Eigentümerverzeichnis des Klosters Hersfeld erwähnt. Aber erst 1005 beginnen Aufzeichnungen zur Existenz eines Benediktiner-Klosters St. Wigbert unter Leitung des Hersfelder Mutterklosters.
Graf Günther, er war Vorfahre der Grafen von Käfernburg-Schwarzburg, übereignete dem Kloster eine Reihe von Besitzungen und hatte vorübergehend das Amt des Klostervorstehers inne.
Im 13.Jahrhundert hatte die Propstei Göllingen ihre Blütezeit.
Der Vogt Heinrich von Heldrungen schenkte ihr u. a. liturgische Geräte.
Spätere Besitzer von Göllingen waren 1324 die Grafen von Hohnstein und ab 1356 die Grafen von Schwarzburg.
Klosterruine St. Wigbert Göllingen
Im Bauernkrieg wurde 1525 die Anlage gestürmt, geplündert und auch teilweise zerstört. Trotz Reformation existierte das Kloster aber noch bis 1606.

Mit dem Westfälischen Frieden 1648 wurde der Ort samt Klosteranlage Eigentum das Hauses Hessen-Nassau. Die früheren Klosterareale wurden nun bis 1816 als hessisches Domänengut bewirtschaftet. Das Kirchenschiff wurde weitestgehend abgerissen, die Krypta diente als Lagerraum und das klösterliche Brauhaus wurde ein Pferdestall. Das änderte sich auch nicht, als Göllingen 1816 wieder schwarzburgisch wurde. Es blieb bis 1945 thüringische Staatsdomäne.

Nach dem zweiten Weltkrieg fielen dann eine Reihe von weiteren Kloster-Gebäuden dem Abriss zum Opfer. Im Gelände wurde eine Konservenfabrik gebaut, die bis 1995 produzierte.
Seit 1998 gehört die Anlage zur Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten und die Gebäude wurden und werden seitdem entsprechend ihrer großen geschichtlichen Bedeutung restauriert.
Weithin sichtbar ist nun wieder der imposante achteckige romanische Westturm der Klosterkirche.
Westturm Kloster Göllingen
Diese hatte ehemals zwei Querhäuser und zwei Chöre.

Heute gibt es nur noch Teile dieser Häuser. In einem im kleinen Museum erhältlichen Prospekt sind die früheren Umrisse der Gebäude anschaulich dargestellt. Ständige Grabungen bringen immer wieder erstaunliche neue Erkenntnisse zutage.

Unter dem Westturm ist nach eindrucksvoller Restaurierung der Raum der Krypta wieder ein Kleinod geworden. Er besteht aus einer kreuzgratgewölbten Vierstützenhalle.
Krypta Göllingen
Durch mehrere Fenster sind die Säulen mit ihren zum Teil kunstvoll gestalteten Würfelkapitellen gut sichtbar. Sie waren ursprünglich, wie der ganze Raum, farblich gestaltet.
Kapitell Goellingen
Auch der zum Teil gut erhaltene Originalfußboden ist mit Schmucksteinen (Achaten) durchsetzt. Es wird vermutet, dass dieser Raum einmal zur Aufbewahrung kostbarer Reliquien diente. Eine ursprüngliche Treppe führt in den oberen Turm.
Heute dient der möglichen Besteigung eine moderne sichere Treppenanlage im Turminneren. Von oben hat man einen herrlichen Rundblick über den Ort. Die interessante eckige Turmspitze entstand in dieser Form schon um 1300.
Zwillingsfenster Klosterruine Göllingen
Durch die Zwillingsfenster war das damals hier angebrachte Glockengeläut, es wurde in Folge der Säkularisation nach Kassel ausgelagert, weithin hörbar. Die in unmittelbarer Nähe stehende Kirche wurde 1722 aus den Abbruchsteinen des aufgelösten Klosters gebaut.
Kirche Göllingen a. d. Wipper
Auch ihr Besuch ist zu empfehlen.

Heinz Arlitt
Heimatgesellschaft

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