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Artikel 71 für Ausgabe 05/2012 der Kahlaer Nachrichten - Opfermoor Vogtei (Niederdorla) und der geografische Mittelpunkt Deutschlands:

In Niederdorla, einem hübschen Dorf im Unstrut-Hainich-Kreis, befindet sich eine in unserer Gegend weitgehend unbekannte Kultstätte, das sogenannte „Opfermoor“. Die in der „Vogtei“, einem aus der früheren Verwaltung von Oberdorla, Niederdorla und Langula resultierenden Begriff für dieses Gebiet, liegende Anlage zählt heute zu den besterhaltenen Fundkomplexen aus der Late´ne- und römischen Kaiserzeit in Mitteleuropa. Durch im Erdinneren befindliches leicht lösliches Gestein bildeten und bilden sich noch heute Hohlräume, die letztendlich zu natürlichen Erdfällen führen. In einem solchen Erdfallbecken entstand in einem Zeitraum von mehreren tausend Jahren ein Moor.
Im Jahre 1947 begann hier der Torfabbau. Dabei fand man, besonders nach 1957, größere Mengen von Tierschädeln und -knochen sowie Hölzer mit Schnitt- und Feuerspuren. Durch das hinzugezogene Museum für Ur- und Frühgeschichte in Weimar erfolgten deshalb über einen längeren Zeitraum archäologische Untersuchungen der Ried- und Moorfläche mit dem Ergebnis, dass es sich hier um eine seit dem 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und über einen Zeitraum von mindestens 1000 Jahren genutzte religiöse Kultstätte handelt.
Opfermoor Vogtei (Niederdorla)
Die Gegend um Niederdorla war nachweislich schon in der Jungsteinzeit, etwa um 5500 vor Chr. besiedelt. Leider ist von der Lebensart der Menschen dieser Zeit wenig nachweisbar. Die Weimarer Archäologen konnten bei ihren Grabungen auf dem Gelände dutzende Opferstätten und Heiligtümer identifizieren. Viele Tier- und mehrere Menschenopfer wurden nachgewiesen.
Die Funde im und um das Opfermoor belegen aber auch, wie und in welchen Gebäuden die Menschen damals lebten. Man baute mehrpfostige Grubenhäuser, die eine Schilf- oder Strohabdeckung hatten.
Grubenhaus Opfermoor Niederdorla
Erst mit der beginnenden Christianisierung um 600 endeten die religiösen Handlungen im Opfermoor. Nach den archäologischen Untersuchungen und Bergungen entstand auf dem Areal ein großer Museumskomplex. Das Gebiet ist gut ausgeschildert. Am jeweiligen Funddort befinden sich Nachbauten sowie umfangreiche Beschreibungen der Fundstücke. Zehn originalgetreu rekonstruierte Heiligtümer, wie ein Brandaltar aus Muschelkalk und verschiedene Götterdarstellungen aus unterschiedlichen Holzarten, z.B. das eine weibliche Gottheit darstellende Astgabelidol, sind entlang eines Rundweges zu bestaunen.
Astgabelidol Opfermoor

Sie sind einmalig im mitteleuropäischen Raum.
nachgebaute germanische Siedlung
Eine nachgebaute germanische Siedlung mit Schilfdächern zeigt auch im Inneren anschaulich die wahrscheinliche Lebensweise damaliger Menschen.
Innenraum Grubenhaus Opfermoor Niederdorla
Zugang zum Opfermoor Vogtei erhält man durch Kauf einer Eintrittskarte im etwa 400 m entfernten täglich geöffneten Museumsgebäude.
Aber auch ein zweites Areal Niederdorlas, unmittelbar neben dem „Opfermoor“ gelegen, ist sehr sehenswert. Hier befindet sich der Mittelpunkt Deutschlands.
Die Mitte Deutschlands wurde nach der Wiedervereinigung nach verschiedenen Methoden neu bemessen. Zwischen den jeweils äußersten Breiten- und Längengraden eingepasst, liegt dieser Punkt in Niederdorla im Thüringer Unstrut-Hainich-Kreis.
Mittelpunkt D Niederdorla Unstrut-Hainich-Kreis
Am 26. Februar 1991 wurde hier eine große Kaiserlinde gepflanzt und der Mittelpunktstein aufgestellt. Jedes Jahr wird seitdem im Monat Juni ein großes Fest gefeiert.
Wird die Bemessung nach anderen Methoden durchgeführt, z.B. bei einer Berechnung für unseren Staat zu Wasser und zu Land, nur zu Land oder auch geometrisch, ergeben sich natürlich weitere Mittelpunkte. Daraus resultiert, dass auch andere Gebiete Deutschlands den Mittelpunkt Deutschlands für sich beanspruchen und vermarkten.
Das Opfermoor und der Mittelpunkt Deutschlands liegen im Dreieck Eisenach-Mühlhausen-Bad Langensalza und sind sehr gut erreichbar.

Heinz Arlitt
Heimatgesellschaft

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