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Artikel 70 für Ausgabe 03/2012 der Kahlaer Nachrichten - Die Tropfsteinhöhle Kittelsthal:

Kittelsthal ist ein Ortsteil von Ruhla.
Bereits im Spätmittelalter wurde im Gebiet um Ruhla Bergbau betrieben. Anfangs förderte man in dem am Rand des Thüringer Waldes gelegenen früheren Zechsteinriff um Thal-Kittelsthal Kupfererz, danach Gips und später auch Schwerspat (Baryt) sowie Flussspat. In den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde jedoch jeglicher Abbau aus ökonomischen Gründen eingestellt.
In der Abbauphase hatte man verschiedene natürliche Hohlräume entdeckt, die anfangs mit Abbruchmaterial verfüllt, später jedoch als erhaltenswürdig eingestuft wurden. Nach der Entdeckung weiterer größerer Hohlräume entschloss man sich bereits im Jahre 1894, in Kittelsthal eine Schauhöhle auszubauen. Aus diesem Grunde entstand zwischen zwei Sohlen ein begehbarer Stollen, sodass bereits 1895 erste Höhlenführungen stattfinden konnten.
Tropfsteinhöhle Kittelsthal-Höhleneingang
Am Höhleneingang der sich damals in Privatbesitz befindenden Schauhöhle entstand eine kleine Gaststätte und im Berginneren wurde anfangs eine Gasbeleuchtung, später eine elektrische Installation eingebaut. Gleichzeitig erfolgten Untersuchungen nach weiteren Gängen und Grotten. 1945 erfolgte eine Stilllegung der Schauhöhle, im Jahre 1954 konnte der Betrieb dann wieder aufgenommen werden.
1968 kam es nach einem Firstebruch und auch wegen des schlechten Zustandes der Einbauten aus Sicherheitsgründen erneut zu einer Jahrzehnte dauernden Schließung der Anlage.
Leider erfolgten in der Zeitspanne zwischen der Schließung und der Wiedereröffnung 1992 starke Zerstörungen im Höhleninneren. Die Höhle war deshalb nur noch für Forschungszwecke zugängig.
Bei diesen Untersuchungen wurde der bislang größte Raum, der sog. „Saal der Titanen“ mit einer Ausdehnung von 50 mal 12 Metern und einer Höhe bis 10 m entdeckt.
1981 fand man die „Silbermanngrotte“ mit dem Kristallsee.
Tropfsteinhöhle Kittelsthal
Gleichzeitig wurden umfangreiche Sicherungsmaßnahmen und Verfüllungen alter unsicherer Schächte vorgenommen. Nach dem Einbau neuer Treppen und Geländer, einer neuen Beleuchtung und durch viele weitere Maßnahmen konnte 1992 die Wiedereröffnung erfolgen.
Über einen etwa 90 m schrägen Stollen und weitere 87 Stufen abwärts gelangt man heute in die die Schauhöhle. Auf diesem neuen Weg ist z.B. das weiße frühere Abbaumaterial Baryt gut zu sehen. Durch enge Gänge erreicht man in 40 m Tiefe die „Große Grotte“. Hier befindet sich auch der größte Tropfstein, die 3,5 m hohe „Pyramide“.
Tropfsteinhöhle Kittelsthal - Große Pyramide

Durch weitere Schächte und Grotten gelangt man bis in eine Tiefe von 48 m.
Hier befinden sich die Grotte der „Drei Gleichen“, die „Domgrotte“ sowie die „Gerberkammer“.
Trofsteinhöhle Kittelsthal - Versinterungen
Der „Saal der Titanen“, er hat immerhin nach Angaben der Betreiber eine Gesamtausdehnung von 1600 m², ist leider aus Sicherheitsgründen noch nicht begehbar.
Der heutige Schauhöhlenbereich beträgt 158 m, die bisher erforschte Höhle hat eine Länge von 726 m.
Auch viele, der Dunkelheit angepasste Insekten wurden im Höhlensystem nachgewiesen. In der kalten Jahreszeit überwintern zahlreiche Fledermäuse im früheren Bergwerk.
Bei der interessanten Führung erhalten Sie noch viele weitere und detaillierte Informationen.
Tropfsteinhöhle Kittelsthal
Geöffnet ist die Schauhöhle von April bis Oktober, außer Montags (aktueller Stand).
Gut erreichbar ist Ruhla über die Autobahn A4, Abfahrt Waltershausen. Im Ruhlaer Ortsteil Kittelsthal folgen Sie der Beschilderung. Ein Parkplatz ist unmittelbar an der Höhle vorhanden.
Und an der Ruhlaer Sprungschanze können Sie wunderbar Ihr Picknick einnehmen.

Heinz Arlitt
Heimatgesellschaft

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