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Artikel 63 für Ausgabe 14/2011 der Kahlaer Nachrichten - Der Schieferpark Lehesten - Naturschutzgebiet „Staatsbruch“:

Lehesten im Thüringer Wald hatte die größten Schieferbrüche Europas.
Unmittelbar an der Grenze zu Bayern im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt gelegen waren sie Jahrzehnte allgemein nicht zugänglich.
Der Schieferpark Lehesten - Naturschutzgebiet „Staatsbruch“
Schon im 13. Jahrhundert begannen in diesem Gebiet bergmännische Tätigkeiten.
Im Jahre 1485 belegt eine Rechnung für das Teuschnitzer Schloss bereits die Verwendung von Schiefer aus Lehesten zur Dacheindeckung. Schiefer wurde zuerst aus kleinen Brüchen, später aus einem umfangreichen etwa 20 ha großen Tagebau gefördert, ab 1975 aber ausschließlich unter Tage.
Schiefertagebau Lehesten
Der amtierende Berghauptmann Alexander von Humboldt besuchte im Jahre 1792 dieses Gebiet, den „uralten Schieferbergbau zu Lehesten“ (siehe auch Schriftgut im Museum). Anfangs wurden Bürger mit einem Abbau belehnt, später ging der Schieferbruch an die Herrschaft Coburg und an das Herzogtum Sachsen-Meiningen über, nach 1920 war er „Staatsbruch“.
In seinen Blütejahren waren im Tagebau bis 2500 Beschäftigte tätig. Der Schiefer war also die Lebensader der Region. Er bekam deshalb, auch wegen seiner Farbgebung, den Namen „Blaues Gold“.
Schiefer diente und dient u. a. als Ausgangsmaterial für Dacheindeckungen, Gehwegplatten und Grabsteine sowie als Baustein. In früherer Zeit wurden auch Schiefertafeln gefertigt, auf denen die Schüler mit einem Schiefergriffel das Schreiben lernten.
Der Lehestener Schiefer hatte wegen seiner Haltbarkeit einen legendären Ruf, er wurde z.B. für die Dacheindeckung der Wiener Hofburg und vieler bekannter Schlösser und Burgen verwendet und sogar bis in den Orient exportiert.
1999, nach Beendigung des Schieferabbaus, gründete die Vereinigte Thüringer Schiefergruben GmbH den heutigen Schieferpark Lehesten als Technisches Denkmal.
Schieferpark Aufzug und Eingang Untertage

Seit 2001 ist der „Staatsbruch“ auch ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet. In diesem zum Teil unzugänglichen Areal haben sich nachgewiesen mittlerweile allein 170 Arten der „Roten Liste“, also der vom Aussterben betroffenen Pflanzen und Tiere, angesiedelt. Dazu zählt auch der Uhu.
Den Tagebau mit seinem bei Sonneneinstrahlung türkis gefärbten See kann man auf den ausgewiesenen Wegen umwandern. Man genießt herrliche Ausblicke und kann neben den vielen Halden auch sehr gut den Gesteinsaufbau besichtigen.
Gesteinsaufbau Schiefergrube Lehesten
Die früheren Produktionsgebäude sind museal zu besichtigen. Sie zeigen anschaulich die Entstehung der Schieferendprodukte. Auch damalige Transportmittel sind auf dem großen Freigelände ausgestellt.
Museum Schieferpark Lehesten
Sehenswert ist ein Modelldorf der noch heute existierenden Dachdeckerschule Lehesten, das insbesondere die Vielfalt der möglichen Schieferdacheindeckungen demonstriert.
Modelldorf Schieferpark Lehesten
Erreichbar ist Lehesten über verschiedene Wegstrecken. Empfehlenswert ist die Route über Saalfeld und Leutenberg, Abzweig Lichtentanne.

Heinz Arlitt
Heimatgesellschaft

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