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Artikel 61 für Ausgabe 10/2011 der Kahlaer Nachrichten - Das Hochmoor „Sümpfe“ bei Bad Klosterlausnitz:

Moore haben etwas Geheimnisvolles an sich in unserem Bewusstsein. Viele Sagen und Legenden ranken sich um sie.
Unweit der Kureinrichtungen in Bad Klosterlausnitz befindet sich das Bodendenkmal und Naturschutzgebiet „Sümpfe“, ein ausgewiesenes Hochmoor.
Hochmoor Sümpfe
Moore entstehen unter anderem in Gebieten mit relativ viel Niederschlag, wenig Verdunstung und einer gleichzeitig wasserstauenden Schicht, die ein Versickern des Wassers in das Grundwasser verhindert.
Diese Bedingungen liegen offensichtlich in diesem Kerngebiet des Thüringer Holzlandes vor.
Ein Hochmoor - das besagt der Name - wächst allmählich in die Höhe. Da dieser Moortyp ausschließlich durch Regenwasser entsteht, ist er sehr nährstoffarm und hat mit seinem sehr niedrigen ph-Wert einen hohen Kohlenstoffgehalt.
Die Farbbildung des Wassers nordwestlich von Bad Klosterlausnitz ist etwas rötlich und deutet auf einen hohen Eisengehalt der Umgebung (Eisenberg ist der Nachbarort) hin.
Hochmoor Sümpfe Farbgebung
All diese spezifischen Bedingungen führten zu einer vor allem durch Torfmoose entstandenen Torfbildung. Forschungen besagen, dass Torf etwa 1 mm jährlich nach oben wächst. Man rechnet hier am Ort mit einer Entstehungszeit von etwa 6000 Jahren. Das ist, erdgeschichtlich gesehen, noch sehr jung. Die Torfmoose haben keine Wurzeln, und wachsen ständig nach oben weiter. Da eine unter normalen Verhältnissen stattfindende Kompostierung wegen des extrem sauren Bodens nicht stattfinden kann, sterben die Moose im unteren Teil zwar ab, werden aber nicht abgebaut und bilden im Laufe der Jahrtausende meterdicke Torfschichten.
Interessant ist dabei auch, dass Torfmoose das Zwanzigfache ihres Eigengewichtes an Wasser speichern können. Der gesamte Boden des sich bildenden Moores ist also überaus weich und man sollte diese Flächen außerhalb der ausgewiesenen Wege in diesem Naturschutzgebiet keinesfalls betreten.
Hochmoor Sümpfe

Natürlich haben die Bedingungen auch dazu geführt, dass sich in diesem Terrain eine ganz spezielle Flora und Fauna entwickelt hat. Die Pflanzenvielfalt ist durch die Standortbedingungen eingeschränkt, doch haben diejenigen Pflanzen, denen diese Bedingungen zusagen, keinerlei Konkurrenz zu fürchten. Zu ihnen gehört der Sonnentau, die Wasserschwertlilie oder die Kopfbinse.
Binse im Moor
Auch die Tierwelt hat sich diesen Bedingungen angepasst. Allein 12 % der heimischen Schmetterlingsarten leben im Moor. Und sehr viele weitere Insekten haben sich angesiedelt. Fische findet man in diesen Gewässern aufgrund des Sauerstoffmangels nicht. Der Moorfrosch wiederum kommt wegen des Insektenreichtums gut zurecht. Er hat aber in Schlangen, die hier leben, z.B. der ungiftigen harmlosen Ringelnatter und der Kreuzotter, einen Fraßfeind zu fürchten.
Ringelnatter Frühling 2011 Rügenmoor
Für den Menschen war seit jeher der Torfabbau in den Mooren, vor allem als Brennmaterial, aber auch als Beimischung zum Kompost für Gärten und Felder, interessant.
Erst in den letzten beiden Jahrhunderten hat man den Wert des Moores im Gesundheitswesen erkannt. So entstand letztendlich das Moorbad Klosterlausnitz.
Heute ist das Terrain streng abbaugeschützt.
Gut beschilderte Wanderwege führen durch das Naturschutzgebiet.
Wanderweg Hochmoor Sümpfe
Erreichbar ist das Moor von den Kureinrichtungen in Bad Klosterlausnitz, von der Landstraße nach Eisenberg am Abzweig Weißenborn und - zu empfehlen - vom Gasthof „Zu den Ziegenböcken“ an der Straße nach Serba/Klengel.

Heinz Arlitt
Heimatgesellschaft

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