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Artikel 58 für Ausgabe 4/2011 der Kahlaer Nachrichten - Die Ruine Brandenburg im mittleren Werratal:

Wer schon einmal die Autobahn A4 in Richtung Frankfurt gefahren ist, hat bestimmt gegenüber dem bereits hessischen Herleshausen linkerhand eine imposante Burgruine gesichtet.
Nahe dem thüringischen Dorf Lauchröden befindet sich, unmittelbar über einer Werraschleife gelegen, die große Doppelburgruine Brandenburg.
Ruine Brandenburg
Die erste urkundliche Erwähnung der Anlage erfolgte 1173. Es ist aber davon auszugehen, dass die Burg bereits älter ist und wahrscheinlich von den Landgrafen der nahe gelegenen Wartburg erbaut wurde.
Sie lag an einer bedeutenden Handelsstraße zwischen Thüringen und Hessen und dürfte damit vor allem zu Schutzzwecken errichtet worden sein.
Es ist etwas Seltenes, dass auf einem Bergsporn zwei getrennte Burgen, die sog. Ostburg
Ruine Brandenburg Ostburg
und die Westburg,
Brandenburg Blick zur Westburg
mit eigenständigen und vielfach wechselnden Besitzern existierten. Genannt seien hier nur die Grafen von Brandenburg und von Reckrodt.
Beide Anlagen waren durch zwei Gräben und einen Felsen getrennt. Die Baulichkeiten entstanden in verschiedenen Jahrhunderten.

Es sind mehrere Türme, Gebäudereste, Höfe und Kellergewölbe erhalten und zu besichtigen.
Ruine Brandenburg Ostburginneres
Auffallend sind der runde Turm der westlichen und der sechseckige Bergfried der östlichen Anlage. Sie stammen vermutlich aus dem 11. oder 12. Jahrhundert. Da die Burgen nach dem Dreißigjährigen Krieg, nunmehr strategisch unwichtig, aufgegeben wurden, verfielen sie und wurden als Steinbruch zum Bau nahe gelegener Schlösser und Rittergüter genutzt.
Der damalige Landesherr Großherzog Karl-Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach verfügte deshalb für den Erhalt dieses Kulturgutes im Jahre 1841 einen Abrißstop.
Mit dem Eisenbahnbau in den folgenden Jahren im Werratal wurde das Gebiet schon ab etwa 1870 touristisch erschlossen. Vereine, wie der Werratalverein, machten die Anlage bekannt.
Um 1920 begannen erste Sicherungsarbeiten und auch archäologische Ausgrabungen.
Ruine Brandenburg aus Rund um die Wartburg Müllersche Buchhandlung Rudolstadt 1921.
Das historische Bild zeigt die Brandenburg ohne die heutige Bewaldung aus dem
Bildband „Rund um die Wartburg - Müllersche Buchhandlung Rudolstadt von 1921“.
Nach der deutschen Teilung infolge des zweiten Weltkrieges lag die stark verfallende Doppelburg im Sperrgebiet. Grenze war die Werra, die hier etwa 250 m nahe vorbei fließt. Sie ist noch heute die Ländergrenze zwischen Thüringen und Hessen.
Unmittelbar nach 1989 begannen die Anwohner beiderseits der Landesgrenze mit der Erschließung und Sanierung der nunmehr in einem ausgewiesenen Naturschutzgebiet liegenden Doppelburg.
Die Kemenate wurde zum Museum umgestaltet und der Turm dieses Bauwerkes ist als Aussichtsturm zu begehen. Der Ausblick auf das wunderschöne Werratal lohnt die Ersteigung.
Blick von Kemenate Burgr. Brandenburg auf Lauchröden.
Das liebevoll eingerichtete Museum mit detaillierten Informationen zur Burg- und seiner Zeitgeschichte ist von April bis September geöffnet, die gesamte Anlage ist jederzeit begehbar. Sonderführungen sind möglich. Empfehlenswert ist auch ein Rundgang um die gesamte Burganlage.
Anfahrt : A4 bis Eisenach West und dann etwa 10 km Werraaufwärts

Heinz Arlitt
Heimatgesellschaft

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