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Artikel 55 für Ausgabe 23/2010 der Kahlaer Nachrichten - Die Burg Ehrenstein im Ilmkreis:

Wer die Landstraße von Rudolstadt nach Arnstadt fährt, sieht einige Kilometer vor Stadtilm rechterhand eine markante Burgruine.
Ruine Ehrenstein - Ilmkreis
Es handelt sich um den Ehrenstein oberhalb des gleichnamigen Dorfes im Deube-Gebiet.
Die erstmalig im Jahre 1274 urkundlich erwähnte Burg liegt malerisch auf dem Buchenberg, einem 468 m hohen Muschelkalkbergsporn.
Die gefundenen historischen Daten sind zum Teil widersprüchlich. Es gibt Hinweise darauf, dass die annähernd rechteckige Anlage schon aus dem 10. Jahrhundert stammt und eine Gründung der Grafen von Gleichen ist. Sie diente vor allem dem Handelsstraßenschutz. Kaiser Karl IV. verlieh 1356 dem Schwarzburg-Blankenburger Grafengeschlecht das Recht, unter der Feste Ehrenstein wöchentlich Markt abzuhalten.
Im 14. Jahrhundert wurde im Wesentlichen die noch heute erhaltene Bauform geprägt.
Vor dem Palas der Burg Ehrenstein.
Die Burgruine hat eine Länge von 36 Metern und in der Breite misst sie zwischen 8 und 11 Meter.
Der am Palas angebaute Bergfried ist 25 m hoch und hat Mauerstärken von bis zu 2,5 m aufzuweisen.
Ein damals üblicher Aborterker ist noch gut erhalten.
Turm der Burg Ehrenstein

Interessant sind die Eck-Rundungen, die zur Abwehr von Wurfgeschossen bei kriegerischen Auseinandersetzungen dienten.
Schutzmauer der Burg Ehrenstein
Der Wohnkomplex war einmal viergeschossig angelegt. Um die Burgruine sind noch umfangreiche Verteidigungsmauern mit Schießscharten und Bastionen erhalten geblieben.
Bastion Aussenmauer der Burg Ehrenstein
Auch geht man davon aus, dass es eine Vorburg mit Wirtschaftsgebäuden gab. Soweit die Burg nicht direkt am Hang lag, wurde sie durch einen Graben und einen zusätzlichen Burgwall geschützt.
Im Jahre 1448 wurde die Burg nach Belagerung eingenommen. Durch Verpfändung und nach teilweisem Verfall ging sie 1610 wieder in Schwarzburg-Rudolstädter Besitz über.
Die zu dieser Zeit unbewohnte Burg wurde teilsaniert und diente nur noch als Amtssitz sowie bis 1686 als Wohnung. Danach war sie dem Verfall preisgegeben. Die Ruine ereilte das gleiche Schicksal wie viele ihrer Zeit, sie wurde als Baumaterial für das Dorf genutzt. Erst mit dem Umdenken Ende des 18. Jahrhunderts wurde dem Einhalt geboten. Es erfolgte die Anlage neuer Wege und Bäume wurden gepflanzt.
Es gibt Sagen zur Burg und der Heimatdichter Hugo Greiner verfasste mehrere das frühere Schloss betreffende Stücke.
In den letzten Jahren erfolgten umfangreiche Sanierungen der Bausubstanz, die noch immer fortgesetzt werden. Die Anlage ist jederzeit begehbar.
Sehenswert ist auch die nur wenige Kilometer entfernt in Großliebringen gelegene älteste Wasserburg Thüringens. Sie wird heute als Hotel genutzt.
Wasserschloss Edelhof Großliebringen
Erreichbar ist Ehrenstein am besten über die Landstraße von Rudolstadt nach Arnstadt. Eine landschaftlich schöne Route führt auch über Remda.

Heinz Arlitt
Heimatgesellschaft

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