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Artikel 54 für Ausgabe 21/2010 der Kahlaer Nachrichten - Die Ruine Wysburg bei Weisbach, Kreis Lobenstein:

Zwischen Bleiloch- und Hohenwartetalsperre, nahe dem hübschen Dorf Weisbach, befindet sich auf einem schmalen bis 80 m steil abfallenden Bergsporn die mittelalterliche Ruine Wysburg.
Burgruine Wysburg
Die am früher wichtigen Handelsweg von Nürnberg nach Leipzig liegende Burganlage war fast in Vergessenheit geraten, denn die letzten sichtbaren Mauerstücke waren als Baumaterial verwendet worden und dichter Waldbewuchs über dem gesamten Areal ließ die Ruine nur noch erahnen.
Doch vor allem eine Sage über Raubritter und von diesen in einem Brunnen versenkte Schätze veranlassten im Jahre 1984 Heimatfreunde mit behördlicher Genehmigung die eventuellen Burgreste in einem ersten Suchschnitt zu erkunden. Die Überraschung über die Funde war groß und so wurden, vor allem durch Archäologiestudenten, bis 1989 die innere Hauptburg und in den Folgejahren die Vorburg freigelegt.
Vorburg der Burgruine Wysburg
Diese Forschungsgrabungen werden bis heute fortgesetzt. Die vorgefundenen Mauerreste wurden gesichert. Durch das Aufbringen einer sichtbaren Trennsteinauflage und vor Ort gefundenem Steinmaterial wurden die ausgegrabenen Mauerreste etwas erhöht. Auf weitere Maßnahmen hat man wegen nicht nachweisbaren früheren Bauausstattungen, z.B. Schießscharten, bewusst verzichtet.
Es gibt nur eine einzige Erwähnung der Burganlage im Naumburger Schatzungsverzeichnis von 1320 mit der Bezeichnung „castrum honwalde“ und dem Hinweis, sie sei ein Raubnest. Diese Bezeichnung kommt auch in einer Sage vor, in der die Burg durch Beschuss mit Steinschleudern, der im Mittelalter wirkungsvollsten Waffe, geschleift worden sei.
Die Ausgrabungen bestätigen einen solchen evtl. Untergang.
Man fand Steinkugeln von Gewichten bis 76 kg im Burggelände.
Steinkugeln auf der Wysburg
Die aus Dolomit der Orlasenke bestehenden Geschosse sind noch dort und im Burgmuseum in Weisbach im Original zu besichtigen.

Man geht nach neuesten Forschungen davon aus, dass die Burg etwa 1324 zerstört worden ist und danach nie wieder aufgebaut wurde.
Die Wysburg bestand aus einer Vor- und einer Hauptburg. Dazwischen befand sich als Wasserreservoir ein Dreikammerzisternensystem.
Dreikammerzisterne Wysburg
Man schätzt das Volumen auf 350 000 Liter.
Auf der Vorburg wurden Mauerreste von Baulichkeiten für Wohnungen und Werkstätten verschiedener Handwerker, wie Schmiede und Töpfer ausgegraben. Auch ein Backofen wurde hier freigelegt. Auf der Hauptburg, erreichbar über einen durch hohe Mauern flankierten zusätzlichen Graben, befinden sich starke Mauerreste, die wahrscheinlich den Palas trugen.
Palasgrundmauer Wysburg
An der höchsten Stelle des Areals stand der etwa 25 m hohe Bergfried, dessen Zugang nur über eine höher gelegene Außentreppe möglich war.
Die noch nicht abgeschlossenen Ausgrabungsarbeiten werden sicher in den nächsten Jahren noch manches Geheimnis lüften und weitere Klarheiten über die Entstehungsgeschichte und Zerstörung der Anlage bringen.
Im nahe gelegenen Dörfchen Weisbach befindet sich im „Haus Wysburg“,
Museum Weisbach
ein kleines, liebevoll gestaltetes Museum, das eine Reihe von Originalfundstücken zeigt.
Gut erreichbar ist die Wysburg über Ziegenrück /Remptendorf/Weisbach.

Heinz Arlitt
Heimatgesellschaft

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