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Artikel 46 für Ausgabe 5/2010 der Kahlaer Nachrichten - Kloster Veßra im Werratal:

Südlich des Rennsteigs, zwischen Meiningen und Hildburghausen, liegt am Zusammenfluss der Schleuse und der Werra der kleine Ort Kloster Veßra. Veßra wurde abgeleitet vom Bach Vesser, was Schlinge bedeutet. Im Jahre 1131 gründete Graf Gotebold von Henneberg unter Mitwirkung von Hirsauer Mönchen ein Prämonstratenserchorherrenstift als Hauskloster. Es entwickelte sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte zu einer mächtigen kirchlichen Einrichtung im mitteldeutschen Raum. Im Mittelpunkt der Klosteranlage entstand die romanische Pfeilerbasilika St. Marien, die seit einem Brand im Jahre 1939 nur noch als Ruine erhalten ist.
Klosteranlage
Anfangs ein Doppelkloster, wurden die Nonnen im Jahre 1177 dann umgesiedelt. Der 6 ha große Klosterhof ist von einer 780 m langen Mauer umschlossen. Neben einer umfangreichen Landwirtschaft gab es eine angesehene Ausbildungsstätte zu u. a. Theologie, Geschichtswissenschaft, Astrologie, Gartenkultur und Gesundheitswesen. Im Jahre 1504 erhob man den Abt sogar in den Bischofsrang. Im Zuge der Reformation im hennebergischen Machtbereich wurde das Kloster ab 1544 schrittweise säkularisiert.
Es wurde zur landesherrlichen Domäne erhoben, kam in den Besitz der Wettiner, 1718 an Kursachsen und 1815 an Preußen. Während dieser Zeit gab es eine bekannte Pferdezucht und die Landwirtschaft wurde zur Haupteinnahmequelle. Neben der imposanten Ruine der früheren großen Klosterkirche St. Marien
Ruine
sind Klausurgebäude, Torturm, Torkirche, ein Teil des früheren Kreuzganges und die Hennebergische Grabkapelle noch heute erhalten und auf einem Rundgang zu besichtigen.
Rundgang

Nach 1945 wurden Neubauern angesiedelt und später eine LPG gegründet, die bis 1975 im Klostergelände ihren Sitz hatte. 1975 begann man mit dem Aufbau eines agrarhistorischen Museums, das seit 2004 unter der Trägerschaft des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins fungiert. Im Laufe der Jahre wurden im Klostergelände als „Dorfmuseum“ eine Reihe von Gebäuden in ihrem Originalzustand wieder aufgebaut, so u .a. eine Wassermühle,
Wassermühle
Scheunen, eine Schmiede, zwei Backhäuser und mehrere komplett ausgestattete Bauernhäuser.
Bauernhäuser
Rathaus Kloster
Auch ein Bauerngarten und der ehemalige Klostergarten mit typischen Heilpflanzen kann besichtigt werden.
Sie alle dokumentieren umfangreich die Arbeitsweise und Lebensform früherer Generationen und die landwirtschaftliche Entwicklung bis in die Gegenwart.
Als Anfahrtsweg ist die Thüringerwaldautobahn A71, Abfahrt Meinigen, zu empfehlen.

Heinz Arlitt
Heimatgesellschaft

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