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Artikel 37 für Ausgabe 13/2009 der Kahlaer Nachrichten - Der Erfurter Petersberg:

Erstaunlicherweise ist der Erfurter Petersberg im Allgemeinen recht unbekannt.
Auf einer Erhebung mitten in der Altstadt, unmittelbar gegenüber von Dom und Severikirche
Blick zum Dom
befindet sich eine mächtige barocke Zitadelle mit der einst größten romanischen Klosterkirche Thüringens. Funde belegen, dass der Berg schon etwa 5000 Jahre vor unserer Zeitrechnung besiedelt war.
Kelten und Germanen diente der Berg als Fluchtburg bis um etwa 500 unserer Zeitrechnung. Die Franken errichteten danach eine Königspfalz mit geistlicher Siedlung und unter Karl den Großen entstand an der „via regia“ (der durch Erfurt verlaufenden Königsstraße) eine Art Schutzburg. 755 wurde dann das Bistum Erfurt mit dem Bistum Mainz vereint und auf dem Petersberg entstand das Peterskloster.
Das Mainzer Wappen, das Rad, wurde deshalb bis heute etwas verändert auch zum Erfurter Stadtsymbol.
Wappen Erfurt
Diese neue Königspfalz diente dann mehrere Jahrhunderte Kaisern und Königen als Unterkunft.
Im Dreißigjährigen Krieg besetzten die Schweden unter Gustav II Adolf den Petersberg.
Mit dem westfälischen Frieden sollte Erfurt wieder dem Bistum Mainz untergeordnet werden. Die Erfurter weigerten sich, wurden aber durch kurmainzische und französische Truppen dazu gezwungen. Nun beschloss der Kurfürst und Erzbischof von Mainz zur Sicherung seiner territorialen Ansprüche inmitten der Stadt Erfurt auf dem Petersberg um die Klosterkirche
Klosterkirche auf dem Petersberg

eine militärische Festungsanlage zu bauen.
Diese entstand in mehreren Bauabschnitten.
militärische Festungsanlage
1802 besetzten preußische Truppen Erfurt und den Petersberg, sie kapitulierten dann 1806 vor den napoleonischen Truppen. Die Völkerschlacht bei Leipzig beendete die französische Herrschaft und Preußen zerstörte 1813 einen Großteil der inneren Festungsanlagen. Trotzdem gaben die Franzosen erst 1814 die Festung auf. Nun entstanden erneute, dem Zeitgeist angepasste preußische Befestigungen, Magazine und Kasernen auf dem Berg.
Kasernen auf dem Petersberg
Kaiser Wilhelm I. ließ nach der Reichsgründung weitere Veränderungen vornehmen. Auch in der Zeit des Nationalsozialismus diente das Gebiet militärischen Zwecken (Kriegsgericht, Polizeigefängnis, Haftanstalt).
Nach dem Kriege wurden Bereiche der Kasernierten Volkspolizei, später der NVA sowie das Erfurter MfS auf dem Berg untergebracht. 1963 gelangte das Areal in den Besitz der Stadt Erfurt und wurde teilweise freigegeben. Aber erst in den letzten Jahren wurde erkannt, dass der Petersberg den bedeutendsten Denkmalen Thüringens zuzurechnen ist. Deshalb wurden umfangreiche Restaurierungen durchgeführt.
Seit 1999 befindet sich u. a. das Bundesarbeitsgericht auf dem großen Gelände. Der Petersberg wird nun auch von Gastronomie und Künstlern sowie zu verschiedensten Veranstaltungen genutzt.
Besonders die riesigen Katakomben und Gangsysteme
Katakomben und Gangsysteme
der Festung werden heute in hochinteressanten Führungen der Bevölkerung gezeigt und museal genutzt.
Ein Besuch ist deshalb auch für Kinder sehr spannend. Sinnvoll ist eine Anfahrt bis in die große Parkeinrichtung direkt unter dem Petersberg.

Heinz Arlitt
Heimatgesellschaft

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