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Artikel 6/2008 für Kahlaer Nachrichten - Das Erlkönigdenkmal unter dem Jenzig in Jena:

Johann Wolfgang von Goethes weltbekanntes Gedicht vom Erlkönig soll in Jena entstanden sein.
Goethe hat, der Legende nach, von einem Bauern im Gasthof „Grüne Tanne“ in Jena-Ost das tragische Jungenschicksal erfahren und dichterisch umgesetzt.
Die Älteren unter uns mussten es im Schulunterricht auswendig lernen und können es bestimmt noch heute ohne große Hilfestellung aufsagen:

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
er hat den Knaben wohl in dem Arm,
er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

„Mein Sohn, was birgst Du so bang dein Gesicht?“
„Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron und Schweif ?“
„Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.“

„Du liebes Kind, komm geh’ mit mir!
Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir,
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“
...

Leider lassen es die Platzverhältnisse dieser Zeitung nicht zu, das ganze Gedicht einmal wiederzugeben.
Zu Goethes Zeiten war unter dem Jenaer Jenzigberg sicher noch ein dichter Baumbestand und so kann man sich durchaus bei Saale-Nebelschwaden ein furchtsames krankes Kind mit seinem Vater vorstellen.

Wolf von Tümpling, der damalige Besitzer des Schlosses Talstein, hat im Jahre 1891 etwas unterhalb seines Grundstückes am Weg von Wenigenjena nach Kunitz ein erstes Denkmal errichten lassen. Es wurde später durch die heutige große Steinfigur ersetzt.
Erlkönigdenkmal Jena
Dieser „Erlkönig“ steht beeindruckend vor einer Felswand und weist mit seinem ausgestreckten Arm über einen kleinen, romantisch gelegenen Teich. Die Statue wurde mehrmals mutwillig zerstört und immer wieder restauriert. Auch heute fehlt erneut das Schwert in der Hand.

Wer zum Denkmal einige Stufen emporsteigt, sollte unbedingt die starken creme - rosafarbenen Fasergipsschichtungen im Fels betrachten.
Fasergipsschichten im Fels
Dieses Gestein (CaSO4 . 2 H2O), das u. a. durch Ausfällung beim Eindampfen von Meerwasser entsteht, findet man auch hier in Kahla am Dohlenstein. In diesem Zusammenhang sind auch die starken tektonischen Verwerfungen sehenswert, die an diesem zerklüfteten Jenaer Felsmassiv besonders auffallen.

Das Schloss Talstein können sie zu Fuß vom Denkmal aus nach weiteren 200 m erreichen. Es ist leider in einem außerordentlich bedauernswerten und unbewohnten Zustand. Man kann aber den ursprünglichen Reiz der gesamten Anlage durchaus noch nachempfinden.
Schloß Talstein Jena
Zu erreichen ist das Erlkönigdenkmal in Jena-Ost über die B7 Richtung Eisenberg. Sie biegen am Ostbad (beschildert) links ab und fahren eine Bitumenstraße (Sackgasse) mit mehreren Windungen etwa 900 m in Richtung Kunitz. Das Gebiet steht als Flächennaturdenkmal unter Schutz.

Heinz Arlitt
Heimatgesellschaft

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